|
Im November auf die Insel des ewigen Frühlings (Lanzarote)
Teil 6
Mittwoch (5. November) In dieser Nacht hatten wir wunderbar und störungsfrei geschlafen, denn vor dem Schlafzimmerfenster war ein Insektenschutz angebracht
worden, so dass die Mücken keine Chance mehr hatten ins Zimmer zu kommen. Frühmorgens war das Wetter so durchwachsen wie die Tage vorher. Zeitweise schien die Sonne, dann zogen wieder Wolken am Himmel
vorbei. Wir beratschlagten, was wir an diesem Tag machen sollten. „Lass uns mit dem Auto rumfahren. Vorher können wir ja am Hafen halten und schauen, wo das Boot liegt mit dem die Hochseetouren
unternommen werden.“ Im Hafen war von dem Boot jedoch nichts zu sehen. Vielleicht, so mutmaßten wir, war es ja gerade draußen auf dem Wasser. Auch ein
Büro konnten wir nicht ausmachen, also ließen wir die Sache mit der Hochseetour erst einmal fallen.
Wir setzten uns wieder ins Auto und fuhren Richtung Tinajo. Über die LZ 702 fuhren wir nach Femés, wo wir einen kurzen Stopp einlegten.
Femés ist eines der ältesten Dörfer Lanzarotes. Die kleine Ortschaft wird auch als „Balkon des Rubicón oder Balkon von Femés“
bezeichnet, weil sich von dort ein großartiger Ausblick auf die Ebene von El Rubicón, auf Playa Blanca und auf Fuerteventura bietet.
Das abgelegene Dorf strahlt eine unbeschreibliche Ruhe und Beschaulichkeit aus. Touristen sind ganz selten anzutreffen. Als wir dort
waren, hielten sich lediglich ein paar Radfahrer dort auf. Weiterer Anziehungspunkt ist die kleine weiße Wallfahrtskirche „Iglesia de San
Marcial de Rubicón“. San Marcial ist der Schutzpatron von Lanzarote und ganz besonders der Fischer.
Dementsprechend ist die Kirche mit vielen Bootsmodellen geschmückt, so stand es im Reiseführer. Und weiter: Gleich neben dem Eingang
werden auf einem Tischchen dem Schutzpatron Segelboote dargeboten. Auf dem Hochaltar steht die Statue des Inselheiligen. Jedes Jahr
am 7. Juli feiert man ihn hier. Die religiöse Feier mit Prozession, Budenzauber sowie Tanz dauert mehrere Tage und ist die Größte von Lanzarote. Doch leider konnten wir die Kirche nicht besichtigen.
Wir stiegen wieder ins Auto und fuhren weiter. Von der LZ 702 fuhren wir auf die LZ 30 nach La Geria und weiter bis nach Masdache. Dort bogen wir nach Macha Blanca ab und hielten am Museo del Vino, wo wir uns in der Bodega El Grifo 3 Flaschen trockenen Malvasia kauften.
Wir fuhren zurück nach Masdache und dann über die LZ 58 nach Tiagua und von dort über die LZ 20 nach Tinajo. Das Dorf ist wegen
seines Terrero, der Ringkampfarena, bekannt. Hier finden sich an Wettkampftagen Besucher von nah und fern ein um der sehr erfolgreichen Mannschaft bei ihrem Training zuzuschauen.
Es war schon Mittag und langsam machte sich der Hunger bei uns bemerkbar. Statt uns den Dorfplatz und die Kirche anzuschauen fuhren wir recht schnell die LZ 67 weiter nach La Santa, wo wir etwas essen wollten.
La Santa selbst ist ein winziges Küstendorf, das eigentlich nur an einer so genannten Hauptstraße bebaut ist. Es gibt es paar nette
Restaurants und Bars, die meistens erst abends geöffnet sind. Auch das Restaurant „Verde Mar“, in das wir einkehren wollten, machte erst um18.30 Uhr auf.
Wir parkten an der Hauptstraße und gingen diese hinunter zum Hafen. Im Hafenbecken selbst lagen keine Boote mehr, sie waren schon alle an Land gebracht worden.
Wir schlenderten die Hauptstraße zurück und setzten uns ins Restaurant „Rio Azul“. Dort bestellten wir uns ein Bier und aßen gegrillten Fisch, der sehr lecker schmeckte.
Als wir bezahlten sagte ich zu Achim: „Zeig doch dem Ober einmal das Foto von dem Fisch, den du gefangen hast. Vielleicht kennt er ihn.“
Und tatsächlich kannte der Ob er den Fisch, denn er antwortete, als er das Bild sah: „Das ist ein Gallo gris (deutsch: Drückerfisch).“ Achim fragte weiter, ob man den Fisch wohl essen könnte.
„Oh ja, das ist ein sehr guter Speisefisch“, antwortete der Ober. Als Achim wieder zu mir an den Tisch kam meinte ich grinsend: „Na, dann weiß ich ja, was es heute Abend zu essen gibt: Fisch!“
Wir gingen zum Auto und fuhren dann weiter zum Ferienzentrum La Santa Sport. Von außen war kaum etwas zu erkennen, denn die Anlage ist wie eine Festung von einer hohen Mauer umgeben.
Als ich dort stand erinnerte ich mich daran als wäre es gestern gewesen, wie ich 1980 zufällig auf die Ferienanlage stieß. Sie war in den
70er Jahren von Tjaereborg als Sportclub in Auftrag gegeben worden. Doch dann ging das Reiseunternehmen Pleite.
Damals wirkte es wie eine Geisterstadt. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Die Wege waren mit verschiedenen Farben markiert, damit man sich in der riesigen Anlage nicht verlief.
In den leeren Zimmern lagen die Matratzen, verpackt in Plastikfolie, auf dem Boden. Fasziniert hatte mich damals der schwungvoll geformte Swimmingpool, der eine Verbindung zum Meer hatte.
Als ich 1983 erneut nach La Santa fuhr war es in Betrieb genommen. In so einer riesigen Anlage, die aus 396 Apartments besteht und ca.
1200 Personen beherbergt, könnte ich mich nicht wohl fühlen. Aber für Sportbegeisterte ist es der Club schlechthin. Hier gibt es sogar ein
Leichtathletikstadion, in dem alle olypmischen Disziplinen trainiert werden können. Unter den Sportarten Basketball, Handball, Volleyball,
Badminton, Tischtennis, Minigolf oder Fahrradfahren u.v.a.m. hat man die Qual der Wahl. Auch Wassersport, wie Tauchen und
Windsurfen, ist hier möglich. Und natürlich kann auch auf einem der 10 Plätze Tennis gespielt werden.
Zum Club gehören außerdem ein Physiotherapie-Zentrum für Massagen, eine Klinik für den Gesundheitscheck und eine Anlage für Fitness- und Gewichtstraining.
Es wundert also nicht, dass dort Profis wie Erik Zabel, Franziska von Almsick, Anni Friesinger und Kathrin Krabbe Urlaub machten bzw. machen.
Wir fuhren die Straße ein Stückchen zurück und schauten uns die alte Windmühle an. In dem abgetrennten Becken schwammen viele kleine, aber auch einige große Fische.
„Schade, dass wir unsere Angelruten nicht dabei haben. Hier hätten wir bestimmt welche gefangen“, sagte ich zu Achim. „Wer weiß, ob man hier überhaupt angeln darf. Komm steig ein und lass und weiterfahren.“
Wir fuhren Richtung Norden zur Urbanización Famara, einer inzwischen renovierten und vergrößerten Ferienanlage. Über eine sehr holperige Strecke (Straße konnte man den Weg bestimmt nicht nennen.
Es war eher eine Piste!) fuhren wir bis zum Playa de Famara, der über einen herrlich langen Sandstrand verfügt. Es ist einer der schönsten
Strände auf Lanzarote. Hier gab es viele leicht bewachsene Dünen, die sich bis zum Fischerort Caleta de Famara hinzogen. Da hier meist
starke Unterströmungen herrschen ist das Baden hier sehr gefährlich. Aber das hatten wir ja auch nicht vor.
Die roten Fahnen zeigten an, dass das Baden zurzeit sowieso verboten war. Trotzdem wagten sich ein paar Leute in die hohen Wellen. Für Surfer war es jedoch der ideale Platz.
Wir fuhren einen sehr holperigen und staubigen und zeitweise auch steilen Weg runter zum Strand. Dort parkten wir den Wagen und
suchten uns eine kleine Festung aus Steinen wo wir uns hinlegten. Der Steinwall schützte uns vor dem heftigen Wind und dem vielen feinen Sand, der durch die Luft geweht wurde.
Wir sonnten uns zwei Stunden. Als es auf 17 Uhr zuging stiegen wir wieder ins Auto und fuhren zuerst auf der LZ 402 und dann auf der LZ 30 Richtung Yaiza.
Kurz hinter Playa Famara kamen wir wieder auf eine gut befahrbare Straße. Ein Stückchen weiter kamen wir an eine Kreuzung, wo eine
alte Windmühle mit mehreren gemauerten Waschplätzen stand. Sie steht dort heute als Denkmal.
Hier hoch oben im Norden war die Landschaft viel grüner als im Süden. Überall wuchsen Büsche und Gräser und rechts und links der Straße waren sogar richtige Felder angelegt auf denen Gemüse wuchs.
Nach einer guten Stunde Fahrt waren wir wieder in Playa Blanca. Achim filetierte den Fisch und briet ihn in Butter. Er schmeckte wirklich sehr, sehr lecker!
Die Fischreste tat ich in eine Plastiktüte und brachte sie draußen in den Abfallbehälter. Dann schauten wir schauten uns im Fernsehen den
Sieg von Obama an. Gegen 21 Uhr hörte ich draußen Geräusche, die von einem Feuerwerk stammten.
Ich ging nach draußen um es mir anzuschauen. Auf dem Weg saß eine Katze, die sich die Tüte mit den Fischabfällen aus dem
Abfallbehälter geholt hatte. Der Kopf steckte in der Tüte, wo sie sich genüsslich über die Reste hermachte. Als Achim mit dem Fotoapparat kam maulte sie zwar, aber sie blieb beharrlich bei „ihrem“ Essen sitzen.
Donnerstag (6. November) Obwohl ich Urlaub hatte und länger als üblich schlafen konnte war ich schon wieder früh wach. Erst blieb ich noch etwas liegen, doch
dann bekam ich Durst auf eine Tasse Kaffee. Es war gerade mal 7 Uhr als ich aufstand. Noch vorm Kaffeetrinken und schaute ich als
erstes auf den Weg vor unserer Wohnung. Von der Katze war nichts zu sehen, aber die Tüte mit den Fischresten lag noch auf dem Weg.
Sie hatte gut gegessen, denn vom Fisch waren nur noch die Gräten vorhanden. Ich sammelte den Rest wieder ein und steckte es in den Abfallbehälter.
Wieder in der Wohnung schaltete ich das Radio ein (101,7 MHz Radio ATLANTIS FM Livestream). Der Wetterbericht war schon
vorbei, aber ich hörte noch dass gegen 14 Uhr Ebbe angesagt war. Hoffentlich schläft Achim heute nicht so lange, dachte ich. Bevor die
Flut kam wollte ich zum Angeln gehen. Vielleicht hatten wir ja Glück und fingen noch einmal so einen schönen Fisch.
Eine Stunde später stand Achim auf. Ich begrüßte ihn mit den Worten: „Schatz, ich möchte heute morgen angeln. Um 14 Uhr ist Flut. Trink schnell deinen Kaffee und dann lass uns gehen.“
„Immer mit der Ruhe. Ich bin gerade erst aufgestanden und noch nicht richtig wach. Außerdem muss ich erst die Montage ändern“, antwortete er gähnend. „Dann kannst du meine ja gleich mit machen.“
Dieses Mal nahm ich neben meiner 3m langen Teleskop-Matchrute auch noch die 2,75m lange Feederrute mit ans Wasser. Als Rolle
wählte ich die große Seacor Rolle von Cormoran. Achim hatte mir ein kurzes Vorfach mit einem kleinen Drilling gebastelt, auf das ich ein
Stückchen Schwimmbrot steckte. In den Wirbel hatte er ein Gummiband befestigt, das ein dickes Stückchen Weißbrot festhielt. Dieses war als zusätzliches Lockmittel gedacht.
Es war schon fast 11 Uhr als wir endlich am Wasser waren. Ich steckte meine Rute zusammen, steckte ein Stückchen Schwimmbrot auf
den Haken und einen dickeren Brocken trockenes Weißbrot in das Gummiband. Ich warf aus und es vergingen keine 2 Minuten, da
verspürte ich einen Biss. Aufgeregt drillte ich den Fisch zum Ufer. Zum Vorschein kam ein schwarzer Fisch, wie ich ihn noch nie gesehen hatte.
Achim machte ein Foto und dann ließ ich den Unbekannten wieder ins Wasser. Später las ich, dass es ein Sergeantfisch (Spanisch: Castañeta negra) oder auch Mönchsfisch genannt, war.
Achim angelte auch an diesem Morgen wieder mit einer Segelpose und einem Tintenfischfetzen am Haken. Doch es erwies sich als
schwierig, denn dieses Mal kam der Wind nicht direkt vom Land sondern etwas seitwärts, also aus südwestlicher Richtung. Aber auch er
hatte sogleich Erfolg. Nur wenige Minuten, nachdem seine Pose auf dem Wasser tanzte, tauchte sie ab. „Hol mal den Kescher. Ich habe einen dran“, rief mir Achim zu.
„Was ist das denn für ein Fisch?“, fragte ich Achim. „Der sieht ja komisch aus. Fangen wir dieses Mal nur unbekannte Fische?“ „Das ist ein Eidechsenfisch“, antwortete Achim.
Ich warf erneut einen Blick auf den Fisch. Und nun erkannte ich auch, dass er einer Eidechse sehr ähnlich sah. Auch diesen Fisch setzte
Achim, nachdem wir ihn fotografiert hatten, wieder zurück. Wir hatten ja auch keine Ahnung, ob er genießbar war.
Nachdem Achim einen Fisch gefangen hatte reizte mich das Angeln wieder. Ich nahm meine Rute und warf aus. Doch sobald die Montage
mit dem Weißbrot im Wasser landete tummelten sich sofort viele Fische um das Brot. Während ich noch überlegte, wie ich die Fische zum
Anbeißen kriegen konnte, spürte ich plötzlich einen kräftigen Ruck in der Rute. Ich schaute zur Spitze und sah, wie sie sich zum Wasser
bog. Sofort fing mein Herz zu rasen an. Endlich hatte auch ich wieder mal einen Fisch am Haken. Vorsichtig schlug ich an und holte
Schnur ein. Das musste ein sehr großer Fisch sein, dachte ich, als ich plötzlich spürte wie der Zug am anderen Ende nachließ.
„Das gibt’s doch nicht! Der Fisch ist ab!“ rief ich wütend. „Endlich hatte ich einmal etwas Vernünftiges bzw. Großes dran und dann das!“ Wenig später sah ich, dass der Haken ab war.
„Du hast bestimmt den Drilling nicht richtig am Vorfach befestigt“, bemerkte Achim.
Na klar doch. Es lag wieder an mir. Wenn ich ehrlich bin, dann hatte er vielleicht recht. Schon als ich das erste Mal auswarf war ich so
aufgeregt, als wenn ich das allererste Mal im Leben angeln würde. Woher und warum ich immer so nervös war, weiß ich selber nicht.
Meistens legt sich meine Nervosität nach einer halben Stunde, aber an diesem Tag wollte sie nicht weichen.
Die Spule der Rolle war so voll gepackt, dass ich sie mehrmals abnehmen musste, weil sich die Schnur vertöddert hatte. Auch nachdem
ich mehrere Meter abschnitt wurde es nicht besser. Entweder taugte die Schnur nichts (ich hatte die Rolle gleich beim Kaufen mit einer 0,40er Schnur bespulen lassen) oder die Spule war immer noch viel zu voll.
Trotzdem probierte ich es noch einmal. Frustriert legte ich die Rute zur Seite und nahm mir die Teleskoprute mit der Wasserkugel. Damit
ich beim Auswerfen nicht Achims Montage traf ging ich ein paar Meter weiter nach rechts. Der Wind hatte zugenommen und die Wellen
wurden trotz Ebbe immer höher. Mehrmals stand ich mit den Füßen im Wasser, doch als mich eine Welle traf und ich bis zur Taille nass
gespritzt war, hatte ich endgültig die Lust am Angeln verloren. Ich holte meine Montage rein, ging zurück und setzte mich auf einen etwas höher gelegenen dicken Stein.
Achim drehte sich um: „Was ist los? Willst du nicht mehr angeln?“ „Nein, mir reicht’s. Ich bin gerade pitschenass geworden. Und außerdem fange ich ja nichts“
murmelte ich vor mich hin. Achim grinste mich an und meinte: „Ach komm. Das trocknet doch wieder. Geh ein bisschen höher, wo die Gischt nicht hinkommt. Du fängst auch noch deine Fische.“
Aber ich schmollte. Ich holte meine Zigaretten aus dem Rucksack und rauchte erst einmal in aller Ruhe eine. Dann überlegte ich, was ich
nun tun sollte. Die Lust am Angeln war mir inzwischen vergangen. Wie es aussah, wollte Achim mit dem Angeln noch lange nicht aufhören.
Aber nur so rumsitzen und Achim zuschauen wie er Fische fing wollte ich auch nicht. Also nahm ich meine Rute erneut zur Hand. Statt des
Schwimmbrotes wählte ich ebenfalls einen Fischfetzen, den ich auf einen Zanderhaken steckte. Ich warf die Wasserkugel ca. 10 m weit
aus und schaute ihr zu, wie sie auf den Wellen hin und her schaukelte. Der Wind blies kräftig in die Schnur, so dass ich die Rute fest in der Hand halten musste, damit sie nicht weggeblasen wurde.
Plötzlich tauchte die Wasserkugel ab und die Spitze bog sich zum Wasser. Ich hob die Rute hoch, schlug an und drillte den Fisch vorsichtig zum Wasser.
„Ist es ein großer? Brauchst du einen Kescher?“ fragte mich Achim. „Ich weiß nicht so genau. Klein ist er nicht, aber sehr groß auch wieder nicht.“
Ich konnte den Fisch ohne Kescher ans Ufer heben. Es war das gleiche Exemplar, das ich schon vor 2 Tagen gefangen hatte, nur war der Fisch dieses Mal etwas größer.
„Gratuliere mein Schatz. Den können wir gut als Köder gebrauchen. Darauf hatte doch der Galoo gebissen.“
„Du kannst ihn haben. Aber dann musst du wenigstens für jeden von uns einen Galoo fangen. Der hat nämlich sehr gut geschmeckt“, antwortete ich.
Leider wurde unser Wunsch an diesem Tag nicht erfüllt. Durch die schlechteren Windverhältnisse konnte die Segelpose nicht weit hinaus treiben, sondern kam sehr schnell zum Ufer zurück.
Es war schon nach 15 Uhr, als ich meine Ruten zusammen packte und zurück zum Bungalow ging. Achim probierte es noch ein paar Minuten lang und kam dann hinterher.
Unterwegs hatte er einen anderen deutschen Angler, der ebenfalls in der Bungalowanlage wohnte, gesprochen. Dieser erzählte ihm, dass
für das Angeln im Meer kein Erlaubnisschein erforderlich sei. Auch das Angeln im Hafen wäre möglich, aber dazu müsste man sich bei der
Hafenmeisterei eine schriftliche Genehmigung holen. Der Angelkollege erzählte außerdem, dass es in Playa Blanca einen, wenn auch
kleineren Angelladen gäbe. Vor einigen Jahren hatte er sich auf Fuerteventura in einem Angelgeschäft seine Rolle bespulen lassen und
diese Schnur hätte er immer noch auf der Rolle. Der Angler war ein Frühaufsteher. Er ging jeden Morgen ab 4 Uhr ans Wasser und
fischte auf Meerbrassen. Von den Hochseetouren hielt er überhaupt nichts. Meistens würde nichts gefangen und wenn doch, dann gehörte der Fang dem Kapitän, meinte er. Das behagte ihm überhaupt nicht.
Da wir etwas Hunger hatten gingen wir zum Swimmingpool und setzten uns an die Snack Bar Wir bestellten uns eine Portion Pommes und tranken ein Glas Bier dazu.
Ich merkte, dass ich ganz schön müde war. Außerdem tat mir der Arm etwas weh. Kein Wunder! Schließlich hatte ich über 4 Stunden lang die Teleskoprute in der Hand gehalten.
Nachdem wir bezahlt hatten gingen wir noch in einen Supermarkt an der Strandpromenade. Dann schlenderten wir zum Bungalow zurück, bereiteten uns das Abendessen zu und setzten uns vor den Fernseher.
Freitag (7. November) Als ich gegen 7 Uhr aufstand und nach draußen trat waren am Himmel keine Wolken zu sehen. Langsam kam auch schon die Sonne zum
Vorschein. Um mich herum war es total ruhig. Ich hörte den Vögeln eine Weile zu, die um die Wette zwitscherten.
Dann schaltete ich das Radio ein. Der Wetterbericht hatte für den Tag ganz viel Sonne und nur wenige Wolken angesagt. Die
Tagestemperatur sollte um die 24 ° C liegen. Das klang gut. Nur der Wind kam wie tags zuvor aus Nordost.
Als Achim aufgestanden war fragte ich ihn, was wir an diesem Tag machen wollten. Er schlug vor an den Papagayostrand zu fahren.
Doch den ganzen Tag faul in der Sonne zu liegen gefiel mir nicht. Lieber wollte ich vormittags noch ein wenig angeln.
„Sei mir nicht böse, aber ich habe keinen Bock den ganzen Tag faul am Strand zu liegen. Ich würde lieber angeln. Wir können es doch auch einmal woanders versuchen. Vielleicht fangen wir da auch andere Fische.“
Ich hatte schon damit gerechnet, dass Achim keinen Lust zum Angeln haben würde und war sehr überrascht, als er plötzlich sagte, dass wir heute nach Arrecife fahren würden.
„Es dauert aber noch. Zum Angeln muss ich erst die Montage an den Ruten fertig machen. Das Becken an dem Castillo ist nicht sehr tief und zurzeit ist auch noch Ebbe.“
Als er unsere Ruten passend montiert hatte packten wir das Nötigste ein und setzten uns ins Auto. Gegen 11 Uhr kamen wir in Arrecife an
. Es dauerte eine Zeit bis wir eine Parklücke gefunden hatten. Wir stellten den Wagen zwischen der Local Policia und dem Rathaus ab.
Als ich ausstieg und sah, dass die Reifen des Autos auf dem gelben Streifen (!) standen bat ich Achim ihn ein wenig weiter an den Bürgersteig zu fahren, was er dann auch tat.
Da wir nicht wussten, ob wir eine Parkscheibe brauchten schaute Achim in einigen anderen Wagen nach. „Hier hat keiner eine Parkscheibe drin. Ich glaube, wir können den Wagen hier stehen lassen.“
Gesagt, getan. Wir nahmen unsere Angelruten und gingen über die Straße. Auf der Brücke zum Castillo de San Gabriel stand schon ein
Angler. Dort wollten wir jedoch nicht hin. Wir gingen auf der Uferpromenade weiter bis wir an eine Stelle kamen, wo ein paar Stufen ins Wasser führten.
„Lass es uns hier probieren“, meinte Achim. „Wenn ein Fisch beißt, dann können wir ihn problemlos keschern.“
In den Wirbel der Hauptschnur steckte ich ein Meeresvorfach mit 3 kleinen Haken und davor eine durchsichtige Wasserkugel. Die Haken
bestückte ich mit Schwimmbrot. Dann warf ich aus. Der Wind kam mit 36 Stundenkilometern aus Norden und die Strömung aus der
entgegen gesetzten Richtung. Die Sonne glitzerte auf den Wellen und ich konnte nicht sehen, wo sich meine durchsichtige Wasserkugel befand. Erst als sie ca. 3 m vor mir lag sah ich sie.
Achim fing als erster einen Fisch. Es war eine kleine Brasse, die er gleich wieder reinsetzte.
Eine Bisserkennung war mit der durchsichtigen Wasserkugel einfach nicht möglich. Warum, so fragte ich mich, hatte ich auch nicht eine
rote oder gelbe genommen? Normalerweise reicht es die Spitze der Rute zu beobachten, aber der Wind blies so kräftig in die Schnur,
dass ich keinen Biss erkennen konnte. Achim hatte vor die Wasserkugel noch ein dickes Stück Weißbrot geknotet. Kaum schwamm das
Brot auf dem Wasser, stürzte sich ein Schwarm kleinerer Fische darauf. Schon bald hatte er die erste kleine Meeräsche am Haken, während ich immer noch keinen Erfolg verbuchen konnte.
Nach einer guten Stunde wechselte ich die durchsichtige Wasserkugel gegen eine orange aus, in der Hoffnung auch endlich einen Fisch an
den Haken zu bekommen. Da der Schwarm sich verzogen hatte wechselten wir unsere Angelstelle und gingen die Uferpromenade ein Stückchen weiter runter.
Nach einer Weile änderte Achim seine Montage. Er entfernte das Meeresvorfach und montierte drei kleine Drillinge direkt ans Ende der
Wasserkugel. Auf die Drillinge steckte er ein dickes Stück Weißbrot. Kaum lag es im Wasser bemerkte es auch schon der Schwarm und stürzte sich darauf.
Als das Brot ab war verzogen sie sich wieder. Das ging eine ganze Weile so, bis Achim endlich den nächsten Fisch haken konnte.
Insgesamt fing er 3 Meeräschen. Ich hatte nach einer Weile keine Lust mehr zum Angeln und schaute ihm nur zu.
Als ich bemerkte, dass es schon nach 14 Uhr war packten wir unsere Sachen zusammen und gingen zurück zum Auto.
Schon aus der Ferne sahen wir einen Zettel an der Windschutzscheibe. Obwohl wir kein Spanisch können war klar, dass es sich um ein
Knöllchen handelte. Da die Polizeistation gleich daneben war gingen wir dort hin um unsere Verwarnung zu bezahlen. Doch der Polizist
meinte, dass ginge nicht. Die Strafanzeige sei an die Autovermietung gegangen. Von denen bekämen wir dann die Rechnung. Da auf dem
Zettel selber kein Betrag stand fragten wir weiter, was es wohl kosten könnte: „Zwischen 90 und 100 €“, meinte der Polizist. Teure Meeräschen!
Zurück in Playa Blanca las ich im ADAC-Reiseführer, dass das Parken an einer blauen oder gelben Linie nur begrenzt möglich sei. Das
heißt, wir hatten im eingeschränkten Halteverbot geparkt. Aber da war es schon passiert.
Bevor wir unser Bungalow aufsuchten hielten wir in der Nähe des Supermarktes an, gingen in den Irischen Pub und aßen dort einen Hamburger mit Pommes.
Als wir wieder in unserer Ferienwohnung waren nahm Achim die Fische und ging damit zum Strand um sie dort auszunehmen und zum Essen vorzubereiten. Sofort war er von einem Schwarm kreischender Möwen umzingelt.
Da die Meeräschen recht klein gewesen waren, fielen auch die Filets klein aus. Es waren die ersten Meeräschen überhaupt die wir aßen. Sie schmeckten zwar ganz gut, aber sie waren mit dem Galoo überhaupt nicht zu
vergleichen. Letzterer schmeckte uns jedenfalls sehr viel besser!
Samstag (8. November)
Morgens gegen 8 Uhr war der Himmel bis auf ein paar Wölkchen blau und es war total windstill. Der Wetterbericht (Atlantis-Radio auf 101,7 Megaherz) meldete für den Tag leichte Bewölkung bei Temperaturen um die 23 °C.
Wir beschlossen an diesem Tag einmal nur zu faulenzen und fuhren wieder zu den Papagayostränden (Puerto Muelas) zum Baden.
Als wir nach einigen Stunden zurück waren erzählten wir der Dame an der Rezeption, was uns in Arrecife passiert war. Sie fragte zurück: „Sie sind doch mit einem Mietwagen gefahren?“ „Ja“, antwortete Achim.
„Dann schmeißen Sie den Zettel weg. Da kommt nichts mehr.“ Na hoffentlich, dachte ich. Wegschmeißen würde ich den „Zettel“ nicht, aber ihn auch nicht bei der Vermietstation vorzeigen.
An diesem Abend hatte Achim keine große Lust zum Kochen. Also zogen wir uns um und gingen in den Beach Club. Der Wind hatte
inzwischen nachgelassen und wir schauten von unserem Fensterplatz im Restaurant zu, wie die Sonne im Meer versank. Bei ein paar Bieren ließen wir den Abend ausklingen.
Oerlinghausen, den 20.01.2009
hier gehts weiter......Lanzarote 2008 Teil 7
|