|
Reisebericht Hongkong
Allgemeine Informationen
Hongkong
liegt an der Südostküste Chinas, am nördlichen Rand des Perlflussdeltas und hat eine Geschichte, die Tausende von Jahren zurückliegt. Seit der Vereinigung durch Qin vor 2200 Jahren war es Teil des chinesischen Reiches. Erst 1842 wurde Hongkong an das englische Königreich abgetreten. In den letzten 150 Jahren drängen sich über 6,6 Millionen (!) Menschen auf nur 1000 km2.
Seit dem 1. Juli 1997 gehört die britische Kolonie als Sonderverwaltungszone zur Volksrepublik China. Jeder Europäer kann in Hongkong ohne Visum einreisen.
80% des Territoriums bestehen aus Agrarland und Landschaftsparks. 40% der Fläche sind als Landschaftspark ausgewiesen, das ist einmalig auf der Welt!
Moderne Hochhäuser, alte Tempel, feine Boutiquen und grüne Parks, elegante Restaurants und einfache Imbissstuben, Wahrsager und Börsengurus – all dies findet man in Hongkong.
Hongkong ist der Schmelztiegel von europäischer und chinesischer Kultur und Tradition. Nicht nur die atemberaubende Architektur begeistert einen Touristen, auch das Straßenleben ist sehr aufregend.
Den unglaublich knappen Raum teilen sich mit Finanz- und Einkaufzentrum die Sozialwohnungsbauten, in denen vom Glamour der
Umgebung nichts zu spüren ist. Über die Hälfte der 6 Millionen Einwohner leben hier in Sozialwohnungen, was einem Weltrekord
gleicht. Hongkong ist überhaupt der drittdichtest besiedelte Ort der Erde. Nur Schweden und Japan haben geringere Säuglings-
und Kindersterblichkeit. Von unserem Reiseleiter erfuhren wir, dass in Hongkong ein Quadratmeter Boden Tausende von Dollar
kostet. Auch die Mietpreise des privaten Wohnungsmarktes auf der Insel Hongkong sorgen für erregende Schwindelgefühle.
Gut fünf Minuten dauert die Fährfahrt von der Insel Hongkong nach Tsim Sha Tsui. Dort, am äußersten Zipfel der Halbinsel Kowloon
, besetzen feine und weniger feine Geschäfte und Restaurants fast jeden Quadratzentimeter Boden. Nach Norden schließt das Wohn- und Einkaufsviertel Mong Kok
an, der dichtestbesiedelte Fleck der Welt. Der Blick auf Kowloons Elendsviertel, den man beim Anflug auf Hongkong’s Flughafen Kai Tak erhascht, läßt die Not ahnen, die auch Teil von
Hongkong ist und der die wenigsten Touristen bei ihren Streifzügen nachspüren.
Weiter nördlich reichen die New Territories bis an die Grenze zur Volksrepublik China. Das Leben der meisten Hongkonger ist
auf vielerlei Weise eng verknüpft mit dem ihrer Nachbarn im Mutterland. Diese kulturelle Kontinuität verleiht Hongkong seine
einzigartige Faszination: Es ist keine „Chinatown“, sondern eine chinesische Stadt mit westlichen Merkmalen, die uns die schillerndsten Seiten beider Welten hautnah erfahren läßt.
Montag, 21. 10. 96
Um 9.15 Uhr flogen wir wieder mit Singapore Airlines (Flug SQ 860), die 2500 km lange Strecke nach Hongkong. Wir waren
alle sehr gespannt auf den berühmten Anflug über Hongkong. Den Flughafen Kai Tak (1996 gab es nur diesen) durften nur
besonders ausgebildeten Piloten anfliegen, denn die Landebahn ragt weit ins Meer hinein. Beim Landeanflug zwischen den riesigen
Wolkenkratzern (teilweise sah es so aus, als könnte man in die Wohnungen hineinsehen) hatte ich doch ein etwas mulmiges Gefühl
. Aber es ging alles glatt. Wir waren in guten Händen. Der neue Flughafen wurde inzwischen auf Lantau Island eröffnet und mit den spannenden Anflügen ist es wohl vorbei.
Nachdem wir das Flughafengebäude verlassen hatten und mit dem Bus zu unserem Hotel, dem Hyatt Regency, in der 67 Nathan Road (Stadtteil Kowloon
) fuhren, bekam ich bei dem Kontrast, der zwischen Singapur und Hongkong herrscht, doch einen leichten Kulturschock.
Ich hatte mir vor dem Antritt der Reise mehr auf Hongkong gefreut (warum kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen) als auf
Singapur. Nach der fast peinlich sauberen Stadt Singapur sah ich hier zuerst ein recht angenehmes Stadtbild, dass sich jedoch bald
änderte, je mehr wir uns der Stadtmitte näherten. Ein buntes, teilweise aber chaotisches Stadtbild tat sich nun vor mir auf. Dicht an
dicht reckten sich die Wolkenkratzer, glitzernde Glaspaläste neben abbruchreifen Häusern, empor.
Hongkong sah im Gegensatz zu Singapur richtig schmutzig aus. Überall waren Bauzäune mit Reklame beklebt und es lag viel
Abfall an den Straßenrändern. An jedem Haus, in jeder Straße, waren unzählige Neonreklamen angebracht Hongkong wirkte mit
seinen abbruchreifen Fassaden wenig einladend. Es herrschte auch ein nichtabreißender Verkehr – ganz anders als in der sauberen, geordneten Metropole Singapurs.
Hongkong ist aber auch eine Welt des scheinbaren Widerspruchs von Materialismus und Spiritualität. Hinter modernen Fassaden
scheffeln Menschen wie besessen Geld, während unter einer Überführung eine alte Frau hockt und mit einem Schuh auf ein Blatt
Papier eindrischt, auf dem die Namen ihrer Nachbarn stehen (Das „Schlagen gemeiner Menschen“ vermag, so der Aberglaube, ihre bösen Einflüsse zu vernichten).
Wir hielten vor unserem Hotel mitten auf der Nathan Road, die sich mir beim ersten Anblick als lärmendes und buntes
Durcheinander vorstellte.Nachdem die Koffer ausgeladen waren, gelangten wir durch den Eingang in einer Seitenstraße in die
Empfangshalle. Nun war ich doch überrascht. Alles war hell, sauber und sehr großzügig eingerichtet.
Wir erhielten unsere Zimmerschlüssel und begaben uns in den 14. Stock. Auch die Zimmer waren sehr gut eingerichtet, aber das konnte man bei einem 5-Sterne-Hotel ja wohl auch erwarten.
Als erstes ging ich zum Fenster und sah auf die gegenüberliegende Seite. Mir stockte fast der Atem. Der Wolkenkratzer direkt
gegenüber war mit einem aus Bambusstangen (!) hergestellten Gerüst versehen, auf dem sich barfuss einheimische Arbeiter
befanden. Sie liefen dort ohne Sicherheitshelme oder –gurte herum, als wenn sie nicht 200 m über dem Boden, sondern auf der
Strasse wären. So etwas würde bei uns keine Bauaufsichtsbehörde erlauben. Aber was soll’s, wir waren ja nun einmal in Asien, wo eben alles etwas anders ist.
Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten und bevor die Stadtrundfahrt begann, beschlossen wir uns auf die Nathan Road zu
wagen. Etwas essen wollten wir auch noch. Die Strasse war voller Menschen, die sich keineswegs um Verkehrszeichen oder rote
Ampeln kümmerten. Sie sahen kurz nach links und rechts und liefen – wenn sie meinten es ohne Probleme zu schaffen – einfach
auf die andere Straßenseite. Eine Weile blieben wir an einer roten Fußgängerampel stehen um auf Grün zu warten. Dann taten wir
es ihnen nach und liefen ebenfalls bei Rot über die Straße. Wir bummelten zwischen schillernden Glas- und Metallfassaden und
dreckigen, verfallenen Häusern entlang. Einen krasseren Gegensatz hatte ich noch niemals gesehen. Überall gab es Geschäfte mit
Schmuck, Uhren, Kleidern, Lederwaren, Elektrogeräten. Dazwischen fanden sich auch Gewürzläden mit Fischen, die teilweise
einen aufdringlichen Gestank verbreiteten. Die Lieblingsbeschäftigung der Hongkonger, so liest und hört man es, ist kaufen, kaufen, kaufen.
Da wir nicht viel Zeit hatten suchten wir erst gar nicht lange nach einem Restaurant. Schon bald fiel uns auch hier die Mac Donalds-Reklame ins Auge und wir gingen zielstrebig darauf zu.
Etwas gesättigt gingen wir wieder zurück zu unserem Hotel. Unterwegs trafen wir auf einige Teilnehmer unserer Reisegruppe und
schlossen uns ihnen kurzerhand an. Es war nicht nur sehr heiß, auch die Sonne blendete ganz schön. Leider konnte ich meine, kurz
vorher in Deutschland bei einem Optiker gekaufte Sonnenbrille nicht aufsetzen, da der Bügel lose war. Ich brauchte sie aber
dringend und so gingen wir in einen Laden und fragten nach, ob man die Brille (es fehlte ja nur eine kleine Schraube) reparieren
könnte. Natürlich konnte man. Der Verkäufer kramte ca. 10 verschiedene Schrauben hervor, bis er endlich die passende
gefunden hatte. Nachdem der Bügel wieder dran war, gab er mir meine Brille strahlend wieder. Ich fragte nach dem Preis und war
etwas mehr als erschrocken. Für die Kleinigkeit verlangte er umgerechnet 10 DM! Innerlich sehr wütend beglich ich seine Forderung.
Dienstag, 22. 10. 96
Auf der Busfahrt steigt der einheimische Reiseführer zu uns. Von ihm erfahren wir etwas vom Aberglauben und Leben der Hongkonger.
Bevor ein Haus gebaut wird, holt man einen Feng Shui-Spezialisten dazu. Feng Shui, der Weg des Windes und des Wassers,
ist die taoistische Kunst und Wissenschaft vom Leben in Harmonie mit der Umgebung. Seit Jahrtausenden wird in China und
anderen fernöstlichen Kulturen Feng Shui praktiziert. Es basiert als Teil der Philosophie des Tao auf dem Wissen um die Zusammenhänge zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos.
Der Feng-Shui-Spezialist weiß, ob sich der Platz gut eignet, in welche Richtung die Eingangstür zeigen muß und ob der neue
Hausbesitzer auf diesem Platz reich werden würde. Vorausgesetzt, der Drachen ärgert sich nicht über das neue Haus auf dem
Platz. Der Drachen, der auf dem Berg wohnt, fliegt jeden Morgen ans Meer und es könnte sein, dass er sich ärgert, wenn ihm ein
Haus im Wege steht. Aber dem kann man Abhilfe bieten, indem man einfach ein großes Loch mitten im Haus lässt, durch das der Drachen durchfliegen kann.
In Hongkong wohnen mehrere Generationen in einer Wohnung. Die Zimmer sind sehr klein und auch die Möbel sind sehr
platzsparend angebracht. Es gibt auch nur ein Fenster pro Wohnung, hinter der gleich der Herd steht, aber das ist immerhin besser
, als auf den Sampa-Booten, wo die Menschen früher lebten. Wohnen ist überhaupt Nebensache in Hongkong. Essen ist hier viel wichtiger und dazu trifft man sich draußen.
Im Gegensatz zu Singapur werden in Hongkong die Autonummer nicht automatisch zugeteilt, sondern man ersteigert sie. Wichtig
sind die Zahlen auf dem Nummernschild. Eine Vier will keiner haben, denn sie hört sich nach Tod an. Am Beliebesten ist auch hier
die Acht. Sie ist sehr teuer und wer sie sich leistet, der wünscht sich viel Geld und Reichtum. Wer die Neun auf dem
Nummernschild hat, der braucht kein Geld mehr, der hat genug davon. Er will nur noch Gesundheit und ein langes Leben.
Fast jeder Hongkonger hat mehr als einen Job. Morgens geht er ins Büro und abends fährt er z.B. Taxi. Im Jahr gibt es (in
größeren Betrieben) sogar 2 Wochen Urlaub! Die 5 ½ bis 6-Tage-Woche ist hier ganz normal.
Unser Reiseführer fragte uns, ob wir Interesse hätten nach Kowloon City zu fahren, wo wir die Starts und Landungen auf dem Flughafen Kai Tak
aus der Nähe sehen könnten. Alle sagten begeistert zu. Wir fuhren daraufhin in das Stadtviertel, wo er mit
seiner Familie wohnte. Der Bus parkte in einer Seitenstraße und wir gingen gemeinsam zu einem Parkhaus, wo wir vom Flachdach
aus einen wunderbaren Blick auf den Flughafen bzw. die Landebahn hatten. Jedesmal wenn sich ein Flugzeug der Landebahn
näherte duckten wir uns unwillkürlich Sie flogen fast über unsere Köpfe hinweg.
Während der Fahrt dorthin hatte ich den Reiseführer gefragt, ob er mir sagen könnte, wo es weißen chinesischen Tee zu kaufen
gäbe. Er zeigte an einer Straßenecke auf einen Laden, wo seine Frau immer den Tee kauft. Dort ging ich dann alleine hinein und
versuchte mit Händen und Füßen zwei älteren chinesischen Verkäufern klarzumachen, was ich von ihnen wollte. Es dauerte auch
einige Zeit bis sie mich verstanden, aber dann hielt ich stolz meinen Tee in den Händen. Die Gruppe war inzwischen langsam weitergegangen und besah sich die sonderbaren Auslagen vor und auch in den Geschäften.
Dann fuhren wir zumweiter zum Wong-Tai-Sin-Tempel. Wollte man Tempel mit Geschäftsleben vergleichen, dann wäre der
Wong-Tai-Sin-Tempel ein Supermarkt. Vor dem Eingang gab es Verkaufsstände mit papiernen Opfergaben, Kerzen und
Räucherwerk. Ich ließ es mir, nachdem wir den Tempelkomplex wieder verlassen hatten, nicht entgehen, ebenfalls ein „Komplettpaket“ für zuhause zu kaufen.
Hohe Wohnsilos umragten diesen großen, 1973 in chinesischem Stil erbauten Tempel. Er ist dem Schafhirt Wong Tai Sin
gewidmet, den ein taoistischer Unsterblicher in die Heilkunst einweihte und der später selbst in den Kreis der Unsterblichen aufstieg. Seitdem bittet man Wong Tai Sin
um Hilfe bei Krankheiten und im „modernen“ Hongkong sogar um Glück im Geschäftsleben und im Spiel.
Der riesige Komplex umfasst den Haupttempel mit Darstellungen des Wong Tai Sin. Außerdem gibt es Teiche mit Schildkröten
(die später für Arzneien gebraucht werden), Bibliotheken und natürlich Apotheken. Ein reges Treiben herrscht immer an den
Ständen der Wahrsager. Die Art der Anlage soll eine Harmonie der fünf Elemente (Holz, Metall, Wasser, Feuer, Erde) schaffen. Der Yue-Heung-Schrein verkörpert das Feuer und die Erde, der Luen-Pavillon
mit dem Porträt des Wong Tai Sin das Metall, die Bibliothekshalle das Holz und der Brunnen das Wasser.
Es gibt auch eine Konfuzius-Halle, so dass auch Konfuzianer dort ihren Gebeten nachgehen konnten. Die Buddhisten huldigen dem weiblichen Bodhisattva Kuan Yin in der
Halle der Drei Heiligen, in der auch die taoistische Acht Unsterblichen sowie Kwan Tai vertreten sind.
Danach besuchten wir den Tempel der Zehntausend Buddhas. Die Fahrt dorthin ging durch Felder und Bambushaine und war
eine schöne Abwechslung. Hier angekommen mussten wir 431 Stufen (!) bezwingen, bis wir auf dem Hügel waren, auf dem der Tempel stand.
Der kanonische Name dieses buddhistischen Schreins ist „Man Fat Sze“. Er wurde in den 50er Jahren erbaut. Spenden frommer
Buddhisten haben ihm seine über 10.000 kleinen Buddha-Statuen eingetragen. Keine der schwarzen oder goldblattbedeckten Figuren gleicht der anderen. Sie ziegen en Buddha in den verschiedensten Körperhaltungen.
Vom Rande des Tempels hatten wir einen wunderbaren Blick aufSha Tin. Im Hof stand eine Stufenpagode und Statuen einiger
Schüler des Buddhas. Dahinter lag ein weiterer Komplex mit vier Tempels. In einem steht Hongkongs zweitgrößte Buddha-Statue
, in einem anderen befindet sich der einbalsamierte und mit Blattgold überzogene Leichnam des Mönches und Tempelgründers Yuet Kai.
Die letzte Station unserer Fahrt ging zur Temple Street, einem alten chinesischen Viertel mit allerlei Märkten und kleinen Tempeln. Berührt ist der Jademarkt.
Das Markttreiben in der Temple Street, sie liegt zwischen Jordan Road und Market Street, beginnt erst gegen 19 Uhr. Zum
günstigen Angebot zählen T-Shirts, Seidenhemden, Jeans, Lederwaren, Trödel und vieles mehr, aber keine „folkloristischen“
Souvenirs. Dies ist kein Touristenmarkt. Hier kauften vor allem die Einheimischen und gerade darin liegt der „exotische“ Reiz. Ab
etwa 19.30 Uhr ist die Straße für den Verkehr gesperrt, so dass man sich dort unbekümmert bewegen kann. An der Kreuzung in
der Mitte des Marktes stellen dann zwei Fischrestaurants ihre Stühle und die Schaukästen auf, in denen die lebendige Speisekarte
zappelt: alles erdenkliche Meeresgetier wird hier frisch zubereitet. Doch dort wollten keiner von uns essen.
Nachdem wir wieder im Hotel angekommen und uns etwas frisch gemacht hatten, hieß es, dass wir gemeinsam in eine ganz in der Nähe der Nathan Road
gelegenen Goldschmiede gehen wollten. Genau wie in Singapur gehörte es wohl zum „Programm“.
Dieses Mal sträubte ich mich nicht und ging auch mit hinein. Vielleicht hätte ich es doch nicht tun sollen, denn als wir wieder
hinausgingen, war ich um einige DM leichter. Ich hatte mir 2 Ringe gekauft, der eine war mit einem Jadestein versehen und der andere mit einem kleinen Rubin.
Abends gingen wir mit einigen Reiseteilnehmern noch etwas spazieren. Wir kamen auf eine Strasse, wo uns schon von Weitem ein
Schild entgegenleuchtete, dass wir alle lesen konnten: „Biergarten – Bitburger“. Ein deutsches Bier in Hongkong, das war jetzt
genau das Richtige. Spontan entschlossen wir uns hineinzugehen und eine Erfrischung zu uns zu nehmen. Wir hatten viel Spaß miteinander und gingen anschließend in ein Restaurant in der Nathan Road
, wo wir dann noch gut zu Abend aßen.
Mittwoch, 23. 10. 96
An diesem Morgen ist der Hafen von Aberdeen unser erstes Ziel. Die Fahrt dorthin geht durch den langen Cross Habour Tunnel. Der Hafen von Aberdeen
liegt am Südsaum der Insel Hongkong und ist Hongkongs Hauptattraktion. Essen, Schlafen, Arbeiten – all das findet in diesem überbevölkerten Labyrinth auf den Booten statt.
Zahllose Menschen wohnen hier auf Dschunken und Sampans, die sie nur selten für Landgänge verlassen. Im Hafen liegen
außerdem die weltweit größten schwimmenden, auf Meeresfrüchte spezialisierte Restaurants vor Anker. Die Fähren setzen einen kostenlos über.
Besonderen Spaß machte mir die Hafenrundfahrt mit einem Proviantboot, welches von einer alten Frau gesteuert wurde. Sie hatte
zwar keine Zähne mehr im Mund, dafür aber viele Goldringe an den Fingern. Die ganze Fahrt über grinste sie uns fröhlich an, weil
sie sich wohl ein gutes Trinkgeld ausrechnete. Wir sahen auf der Fahrt u.a. Boote, auf deren Deck Tausende von Tintenfische zum Trocknen aufgehängt waren.
Zurück an Land schlenderten wir noch ein wenig über den Fischmarkt. Hier standen viele Lieferwagen, die mit Plastiksäcken
voller Muscheln und Körbe mit lebenden Fischen, Krebsen und anderen „Köstlichkeiten“ beladen wurden. Der Asphalt, auf dem
wir liefen, war sehr nass. Die Meerestiere und Fische, die in großen Behältern auf den langen Holzbänken standen, wurden, um sie etwas kühl zu halten, ständig abgespritzt
Bevor wir weiter zum Victoria Peak fahren, halten wir noch einmal an dem Strand, wo eine große Buddhastatue stand. Es war
mehr ein Vergnügungsviertel, wie ich fand, als eine Andachtsstätte. Unser Reiseführer erzählte, dass man sich etwas wünschen
könnte, wenn man den braunen Elefanten über den Po streichen würde – was natürlich viele von uns taten.
Danach besichtigten wir den Central Market. Er liegt zwischen der Kreuzung Queen Victoria Street und Des Voeux Road.
Eigentlich sollte man den größten Lebensmittelmarkt Hongkongs ganz frühmorgens aufsuchen, aber dazu war keiner von uns bereit. Wir bekamen in den letzten Tagen sowieso nicht genügend Schlaf.
Der Markt war übersichtlich gegliedert: in einem Stockwerk lagen Geflügel und Fisch, in einem anderen Rind- und Lammfleisch, in
wieder einem anderen Gemüse aus. Zu den Gaumenfreuden zählten für uns ungewöhnliche Tiere wie Salamander und Seegurke.
Manches mutete uns Westeuropäern barbarisch an, vor allen Dingen das Schlachten von Schildkröten und das Häuten der lebendigen Schlangen.
Lachend erzählte uns der Reiseführer von der Wirkung der Schlangensuppe. Besonders die Männer müssten sich vorsehen, denn
sie steigert erheblich die Potenz. (Das meinte er im Ernst). Es gibt wohl nichts, was die Chinesen nicht essen. Sogar riesige Haifischflossen hingen an den Wänden der Stände.
Ähnlich schockierend waren auch die „Henkersstätten“ bei den Fischständen. Es gab keine toten Tiere. Die Chinesen kaufen nur
lebendige und ich fand es eine Tierquälerei wie man damit umging.
Als wir dann in der Fleischhalle waren, erzählte uns unser Reiseführer, dass zu den von Chinesen bevorzugten Delikatessen
Innereien, Ohren, Zungen und Hoden zählten. Ebenso würden Hühnerfüße in Senf gekocht sehr geschätzt. Auch die Hühner liefen
zwischen den Ständen herum und Frauen, die zum Einkaufen hierher gekommen waren, zeigten auf das Huhn, welches sie haben wollten. Es wurde dann an Ort und Stelle in ihrem Beisein geschlachtet.
Beim Weitergehen rümpfte ich die Nase, denn von unten stieg ein penetranter Geruch auf. Meine erste Vermutung war, dass es
sich um eine defekte Gasleitung handeln würde. Aber das war nicht die Ursache, wie uns der Reiseführer sagte. Der komische Geruch kam von den riesigen, gezackten Durians
, die sich an den Obstständen stapeln. Ihr Geschmack sei irgendwo zwischen Knoblauch und Vanille anzusiedeln.
Auf dem Weg zum Bus kamen uns einige Menschen entgegen, die einen Vogelkäfig bei sich trugen. Sie wollten im Central Market einen Papagei oder ähnlichen exotischen Vogel kaufen.
Es war sehr heiß und wir waren froh, wieder in unserem klimatisierten Bus zu sitzen, der uns dann zum Victoria Peak brachte.
Der Victoria Peak ist die höchsten Erhebung Hongkongs. Manche Leute pilgern, so erzählte uns der Reiseführer, zweimal zum
Peak: einmal bei Tage, um bei klarem Wetter Hongkong wie ein stark vergrößertes, hart umkämpftes Monopoly-Spielbrett zu
erleben und dann noch einmal bei Dunkelheit (was für den Abend geplant war), wenn die Lichter der Stadt einen majestätischen Glanz verleihen.
Der Victoria Peak ist eine überraschend grüne Oase in Hongkongs Betondickicht. Er ist auch Wohnsitz der Reichen und
Berühmten und ein einladender Fleck zum beschaulichen Spazieren. Sogar ein paar Jogger waren dort anzutreffen. Der Anblick
der über den Hafen schwirrenden, in Kai Tak startenden und landenden Flugzeuge beeindruckte mich schon.
Wir hielten uns hier nicht sehr lange auf, denn am Abend sollten wir ja noch einmal dorthin fahren, dann jedoch mit der Kabelbahn
Peak Tram. Sie fährt täglich von 7.00 bis 24.00 Uhr alle 10 bis 15 Minuten. Es kann nur passieren, dass man stundenlang anstehen muß, denn sie wird sehr stark genutzt.
Wieder im Hotel angekommen hatten wir ein wenig Zeit uns auszuruhen. Als es dunkel wurde stiegen wir wieder in den Bus, der uns zur Peak Tram-Station
brachte und mit der wir noch einmal zum Victoria Peak rauffuhren. Inzwischen war es stockdunkel
und uns bot sich ein wunderbarer bunter Anblick der Stadt. So gefiel mir Hongkong am besten! Nichts war hier von dem Lärm zu hören, kein Schmutz zu sehen.
Als wir zurück waren, schlug uns der Reiseleiter ein schönes chinesisches Restaurant im Viertel Tai Kok Tsui (also ganz in der
Nähe unseres Hotels)vor, dessen Koch vor den Augen der Gäste geschickt mit den Spaghettis jonglierte. Es war auch nur ein
kurzer angenehmer Spaziergang dorthin und zum letzten Mal sahen wir die bunten Lichter von Hongkong. Am nächsten Morgen ging es schon relativ früh weiter nach Bangkok.
Hier einige Bücher, die ich Ihnen empfehlen kann: Mehr Informationen erhalten sie bei meinem Partner AMAZON.DE durch klicken auf das entsprechende Cover
|
|
Diesen handlichen Reiseführer erhielt ich vor der Reise. Er hat mir bei der Rekonstruktion der Reise große Dienste geleistet. Der Reiseführer enthält u.a.
einen übersichtlichen großen Stadtplan, viele Hinweise auf Sehenswürdigkeiten, Tipps zum Einkaufen und Essengehen, Reiseroutenvorschläge und vieles mehr.
|
|
|
Der handliche Reiseführer enhält eine praktische, übersichtliche Karte zum Herausklappen. Außerdem bekommt man einen Hinweis auf kaum bekannte
Sehenswürdigkeiten, günstige Einkaufsmöglichkeiten, originelle Restaurants, Kneipen und Diskotheken. Besonders wichtig sind die Informationen, wie man sich als Gast in Hongkong
verhalten und was man tunlichst unterlassen sollte.
|
|
|