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Reisebericht Bali
Bali liegt acht Grad südlich des Äquators und es herrscht Tagundnachtgleiche. Die Hauptstadt von Bali ist Denpasar.
Geschichtliches
Auf Bali, der legendären „Insel der Götter“, lebten schon vor 500 000 Jahren (!) menschliche Wesen, wie mit Hilfe der
Radiokohlenstoff-Zeitbestimmung Wissenschaftler nachwiesen. Vor etwa 12 000 Jahren soll auf Bali bereits eine erste
steinzeitliche Kultur entstanden sein, deren Tradition sich bis in 3. Jahrtausend zurückverfolgen lässt, in eine Zeit, in der die Arier
nach Indien einwanderten und die ersten Proto- und Deuteromalaien aus Yünnan (Südchina) auf den Malaiischen Archipel
vordringen. Sie gelten als die ältesten Vorfahren des malaiischen Volkes und übernehmen gegen 300 v.Chr. die aus dem Bereich
des heutigen Vietnam kommende Dogson-Kultur und damit die Kunst der Bronzeverarbeitung, wovon der berühmte „Mond von Bali
“, der größte vorgeschichtliche Bronzegong der Welt, zeugt. Eine kulturelle Revolution bringt erst die Eisenzeit, wahrscheinlich
von indischen Kaufleuten ins Archipel getragen, die dort schon im 2. Jahrhundert v.Chr. erste Handelsplätze angelegt haben sollen.
Ab dem 1. Jahrhundert n.Chr. ist indischer Einfluss nachgewiesen. Später kommen Mönche und Priester ins Land, und ab 400 n
.Chr. entstehen zumindest auf Sumatra und Java erste buddhistische und hinduistische Fürstentümer. Im 7. Jahrhundert beginnt das
buddhistische Großreich Srivijaya mit Sitz auf Sumatra seinen Einfluss auf ganz Südostasien auszudehnen, und auch auf Bali hinterlässt der Buddhismus seine Spuren.
Im 8. und 9. Jahrhundert entstehen auf Java der gewaltige hinduistische Prambanan-Tempel und in direkter Nachbarschaft der
buddhistische Borobodur. Auf dem Gunung Penulisan wird eine buddhistische Einsiedelei gegründet, wie die frühesten Inschriften
aus dem 10/11. Jahrhundert in altbalinesischer Sprache beweisen. In dieser Zeit verlagert sich auch das Machtzentrum im Archipel
nach Ostjava. Hindu-javanische Einflüsse sind in allen Bereichen des balinesischen Lebens verstärkt festzustellen.
Um 1500 dringt der Islam machtvoll vor, und der letzte König von Majapahit flieht mit allen Angehörigen der javanischen
Aristokratie sowie den Priestern und Künstlern nach Bali, wo er die Gelgel-Dynastie begründet, die die Insel bis 1651 von
Klungkung aus regiert. In der Zwischenzeit ist der Archipel von portugiesischen Seefahrern entdeckt worden und Portugiesen sind
es auch, die 1511 – auf den Molukken – die Kolonialära einleiten. 1596 bereits errichten deren Konkurrenten im „Gewürzrennen“, die Niederländer, erste Stützpunkte auf Java.
Mehr und mehr Reiche werden von den militärisch überlegenen Europäern aufgesogen oder durch Bündnisse abhängig gemacht.
Auf Bali bemühen sich 1817 die Niederländer um erste Bündnisverträge, die nicht zustande kommen. 1843 landen sie auf
Lombok, 1846 erfolgt ihr erster Angriff auf Bali, wo sie aber erst 1848 Fuß fassen. 1882 erhält Singaraja den Status der
Hauptstadt von ganz Nusa Tenggara (dem Inselreich zwischen Bali und Timor), doch noch immer gelingt es den Invasoren nicht,
die Insel vollständig einzunehmen. Den Haag rüstet zum Krieg. 1906 kommt es in Badung zur größten rituellen
Selbstvernichtungsschlacht der Geschichte. 1908 fällt auch Klungkung in holländische Hände, doch erst 1913 gilt Bali als völlig
kolonialisiert. Schon ein Jahr später kommen die ersten Touristen. 1918 beschließt die Kolonialregierung, Bali – das selbst als ihr
Paradies erscheint – vor äußeren Einflüssen und vor wirtschaftlicher Ausbeutung zu bewahren.
So bleibt auf der „Insel der Götter“ fast alles beim alten, bis 1942 die Japaner im Archipel landen und Indonesien innerhalb
weniger Wochen okkupieren. Es folgen drei Jahre brutalster Schreckensherrschaft des „Brudervolkes“. Hunderttausende
Indonesier sterben an Hunger und durch Massenexekutionen, und als sich die Söhne Nippons am 15. August 1945 den Alliierten
ergeben, erfasst ein Freudentaumel das Land. Sukamo und Dr. Hatta verkünden zusammen die „Unabhängigkeit der einheitlichen,
demokratischen und sozialistischen Republik Indonesien“, doch die Holländer wollen die Zeichen der Zeit immer noch nicht
verstehen und erkennen die neue Regierung nicht an. Sie landen drei Wochen später von Australien aus auf Java, um ihren
„Besitz“ zurückzufordern. Die indonesische Regierung flieht, auf Bali kommt es zu heftigen Kämpfen, aber im Januar 1948 werden
die Niederlande von der UNO an den Verhandlungstisch gezwungen und am 27. Dezember 1949 endlich muß Den Haag Indonesien als föderative Republik anerkennen.
Am 17. August 1950 löst Sukamo diese Struktur auf und ersetzt die Föderation durch den Einheitsstaat Republik Indonesia, der noch heute besteht.
Allgemeine Informationen
Währung
Die indonesische Währung ist die Rupiah und 4.711 Rupiah entsprachen damals 1 DM
Für eine Reise nach Bali sollte man auf keinen Fall sein Geld schon in Deutschland in die einheimische Währung Rupiah
umtauchen, denn die Balinesische Währung ist eine sehr schwache. Auf Grund der sehr starken Währungsschwankungen kann es
schnell vorkommen, daß das Geld plötzlich nur noch die Hälfte seines ursprünglichen Wertes besitzt. Grund für diese Tatsache ist
die instabile wirtschaftliche und politische Situation in Bali. Am besten fährt man, wenn man sich im Voraus Traveller-Scheck
(Reiseschecks) in Dollar zulegt. Der Dollar ist die harte Währung in Bali und bietet einen gewissen Schutz gegen die Inflation und
gilt damit auch als bessere Alternative zum (heutigen) Euro. Diese Traveller-Schecks kann man überall in Bali in Rupiah umtauchen, meist hängen die Kurse aus.
Klima
Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen das ganze Jahr über bei 30°C. Um die Mittagszeit sollte man sich schon im
Schatten aufhalten, ansonsten ist einem ein Sonnenbrand sicher. Nachts kühlt es sich kaum ab. Von Oktober bis März ist die
Niederschlagsmenge am höchsten. Meistens regnet es aber nachts, so dass man auch unbesorgt im deutschen Winter nach Bali fliegen kann.
Hauptstadt Denpasar
Denpasar ist eine ganz durchschnittliche Allerweltsstadt, absolut unbalinesisch, und man hält es nicht für möglich, dass hier
Tradition und moderne Zivilisation koexistieren können. Doch plötzlich kommt der Verkehr zum Erliegen, Leute steigen aus ihren
Autos, Polizisten verlassen ihre Verkehrsinsel, Bankangestellte ihre Schalter. Über frenetischem Geschrei und ausgelassenem
Gelächter umringen sie zum lauten Rhythmus von Gong und Trommeln den reich geschmückten und von vielen Männern
getragenen Prunkturm einer Prozession. Auf dem Turm sitzt eine goldgekleidete lächelnde Schönheit, und vorweg reitet auf einem
schwarz gestrichenen Holztier, ein lachender junger Mann. Aus den Fenstern der umliegenden Häuser flattern bunte Papierschnipsel herab, und eimerweise wird Wasser auf die ekstatische Menschenmenge geschüttet.
Ein Totenfest, das wichtigste Freudenfest der Balinesen, ist der Anlass für die Prozession. Die Freude der Teilnehmer kommt von
Herzen, sonst hätte es die Seele des Verstorbenen schwer, unbekümmert ihren Weg in die jenseitige Welt zu nehmen. Getrauert
wird auch auf Bali, und zwar direkt nach dem Tod, wenn der Verstorbene beerdigt wird. Aber Monate gehen ins Land, mitunter
auch Jahre, bis die astrologischen Zeichen günstig stehen und die erforderlichen finanziellen Mittel aufgebracht sind, um dieses Fest
begehen zu können. Ist der Zeitpunkt gekommen, werden die sterblichen Überreste ausgegraben, ins Innere eines Prunkturmes
gebettet und in einer Prozession zum „Krematorium“ geführt. Dort wird ein hölzernes Verbrennungstier geöffnet – hier war es der
Stier, auf dem der Sohn des Verstorbenen ritt -, die Gebeine werden hineingelegt und zusammen mit dem Prunkturm dem Feuer
überlassen. Die Materie verwandelt sich zu Asche, die Seele aber, seit dem Tod des Körpers zur Fron in der Unterwelt verdammt
, wird nun frei und geht über in eine andere, nichtmaterielle Form des Seins, aus der heraus sie später wieder reinkarnieren kann.
Betteln ist auf Bali traditionell verpönt, doch seitdem bekannt ist, dass kleine Kinder damit in einer Stunde mehr verdienen können
als ein Reisbauer in einem mühsamen Tag, kommt es verstärkt vor, dass sich Balinesen über das Tabu hinwegsetzen. Auch wenn
es einem schwerfallen mag, sollte man „hart“ bleiben, denn sonst leistet man genau derjenigen Entwicklung Vorschub, deren Anfänge man schon sieht und bedauert.
Balinesische Bräuche
Bali ist nicht nur landschaftlich, sondern auch auf sozialer Ebene sehr kontrastreich. Als Tourist begegnen einem viele alltäglichen
Sitten und Gebräuche der Inselbewohner. Jeden Tag bringt z.B. die Frau Opfergaben zu ihrem Haustempel, um die Götter gnädig
zu stimmen. Es gibt verschiedene Zeremonien, die in unterschiedliche Kategorien fallen. Das bhuta yadnya Ritual besänftigt böse Kräfte und befreit die Menschen von ihrem Einfluss. Mansua yadnya sind Übergangsrituale. Sie sorgen für das persönliche
Wohlsein der Balinesen.
Wenn auf Bali ein Kind auf die Welt kommt, schwebt es drei Monate lang auf Wolken – immer in den Armen der Mutter. Die
Kinder gelten als heilige Wesen und erhalten einen vorläufigen Namen. Nach 105 Tagen findet ein Fest statt, denn erst jetzt dürfen
sie die irdische Welt betreten. In einer besondern Zeremonie werden sie behutsam auf den Boden gestellt – versehen mit allen
guten Wünschen für ein Leben auf eigenen Füßen. Damit geht das Kind von der göttlichen in die menschliche Sphäre über. Als
vollwertiger Bürger erhält es nun einen neuen Namen. Am 210. Tag hat das Kind nach dem balinesischen Kalender seinen ersten
Geburtstag. Ihm werden die Haare geschnitten und die Mutter bringt Opergaben in den Tempel. Es ist ein sehr wichtiger Tag für
die Balinesen, aber für sie schwer zu merken, da das Datum mit dem gregorianischen Kalender nicht übereinstimmt. Daher wissen
viele alte Balinesen nicht, wie alt sie sind, da sie irgendwann mit dem neuen Kalender, der parallel eingeführt wurde, durcheinander gekommen sind.
Weitere Rituale werden bei dem Durchbruch des ersten Milchzahnes und auch bei dem des Dauerzahnes gefeiert. Die Zahnfeilung matatah ist ein schmerzhaftes Übergangsritual im Leben eines Balinesen. Ein Priester schleift die 4 oberen Schneidezähne und die
Eckzähne, die als animalisch gelten, gleichmäßig ab. Damit sollen die 6 Laster (Habgier, Eifersucht, Zorn, Dummheit, Wollust und
Unbeherrschtheit) reguliert werden. Dieses Ereignis wird mit einem großen Familienfest gefeiert. Da es immer mehrere Kinder in
einer Familie gibt, wartet man aus Kostengründen, bis mehrere Kinder das passende Alter haben. Heute wird die Feilung zwar
auch noch durchgeführt, aber um den jungen Menschen ihre Zähne gesund zu erhalten, wird es meistens nur noch angedeutet.
Die linke Hand gilt in Bali als unrein, deshalb sollte man nichts mit der linken Hand annehmen oder reichen. Das könnte sonst als Beleidigung aufgefasst werden.
Nusa Dua, das Paradies des Exklusivtourismus
In Nusa Dua, 25 Kilometer weiter südlich und am Ortsrand der Halbinsel Bukit Badung, hat sich der Exklusivtourismus ein
abgeschirmtes Paradies geschaffen. Motorisierte Sicherheitsbeamte wachen über die weitgezogenen Areale der Luxushotels, von
denen keines weniger als fünf Sterne nach internationaler Klassifikation zählt. Straßen- und Strandhandel sind verboten, Balinesen
sieht man nur als Statisten, und auf wohlgetrimmten Rasenflächen verlustieren sich die Jetsetter beim Golfen. Doch was dem einen fade scheint, vermittelt anderen Höchstmaß an Urlaubslust.
Der Komplex ging aus einem Masterplan hervor, dessen Ziel es war, den Touristenstrom zu kanalisieren und gegen Bali
abzugrenzen, und zwar nicht, um die Touristen zu schützen, sondern vielmehr die balinesische Tradition vor den Auswirkungen des
Tourismus. Eben deshalb versteht sich jede Hotelanlage als eine autarke Ferieneinheit mit allem, was ein verwöhntes Herz begehrt.
Auch mit Kultur, denn die wird „importiert“, so dass gewährleistet ist, dass der Gast, um Bali kennenzulernen, das Urlaubsghetto eigentlich gar nicht erst verlassen muß.
Die enorme Anlage besteht aus acht First Class Hotels im landestypischen Stil mit riesigen Gartenanlagen. Alle Hotels gruppieren
sich wie an einer Perlenschnur aufgereiht entlang des Strandes. Aufgeteilt werden sie durch den Galleria Complex, einer Zone mit
Geschäften, Restaurants und einer Arena für Aufführungen in einen nördlichen (Club Mediterranné, Nusa Dua Beach, Sheraton
Nusa Indah Resort, Sheraton Lagoon, Melia Bali Sol) und südlichen Bereich (Grand Hyatt Bali, Putri Bali und Bali Hilton).
Karte: Mit freundlicher Genehmigung von www.bali-travel.de
Der gesamte Komplex, dem auch noch die entsprechenden Serviceeinrichtungen angegliedert sind, ist von einer hohen Mauer umgeben, durch welche es nur 3 bewachte Eingänge gibt. An die Hotels angeschlossen sind zudem noch 2 große Golfplätze.
Einheimische, die nicht in den Hotels arbeiten, hatten keinen Zutritt. Zum Strand gab es für Balinesen nur einen öffentlichen Weg,
der im Bereich zwischen dem nördlichen und südlichen Hotelkomplex verlief. Das Betreten der Hotelstrände war strikt verboten.
In einem gewissen Abstand waren Zäune, die ins Meer ragten, angebracht. Diese Regelung führte dazu, daß sich die
unvermeidlichen fliegenden Händler am Strand direkt an die Grenze zu den Hotels setzten und nur darauf warteten, daß ein Tourist
den hoteleigenen Strandbereich verließ. Sofort wurde er massivst bedrängt, bunte Sarongs, T-Shirts, Früchte oder ähnliches zu kaufen.
Sonntag, 27. 10. 96
Wir landeten bei herrlichem Wetter um 19.05 Uhr auf dem Flughafen Ngura Rai International Airport. Der Flughafen ist
winzig mit nur einer Start- und Landebahn. Die Anzahl und Größe der Flugzeuge passt überhaupt nicht zu dem kleinen Flughafen. Es stehen ganze Reihen von Jumbos, 777 und A330 auf dem Rollfeld.
In der Ankunftshalle angekommen schlug uns als erstes eine feucht-warme Tropenluft entgegen. Neben dem Flughafenausgang
gab es Schalter zum Geldwechseln. Das kann man auch schon in der Ankunftshalle machen, aber dort bekommt man bedeutend
weniger ausbezahlt. Aufpassen muß man auf jeden Fall, denn es wird immer wieder versucht die Touristen übers Ohr zu hauen.
Als wir alle versammelt draußen standen und auf unseren Bus warteten, kamen auf uns Balinesinnen zu, den jedem einen weißen
Blütenkranz um den Hals legten. Bisher hatte ich das nur von Tahiti oder Hawaii gehört.
Schon während der Fahrt zu unserem Hotel, dem Sheraton Lagoon in Nusa Dua, war ich erstaunt. Es bot sich uns wieder ein total
anderer Eindruck. Wieder wurden wir von hübschen Balinesinnen begrüßt.
Die Zimmer im Hotel waren selbstverständlich voll klimatisiert und daher sehr angenehm. Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt
hatten treffen wir uns alle wieder in der Hotelhalle. Wir gehen gemeinsam in einen Konferenzraum, wo uns zur Begrüßung ein Glas
Sekt angeboten wird. Danach erfahren wir etwas über die Insel und die bevorstehenden Ausflüge.
Wieder in unserem Zimmer überlegten wir, was wir jetzt wohl als erstes unternehmen sollten. Die Koffer sind ausgepackt (dieses
Mal vollständig, denn wir blieben ja bis zum Rest der Reise hier) und ich trat auf den Balkon, um einen Blick auf die
Lagunenlandschaft zu werfen. Als ich wieder ins Zimmer kam, war alles beschlagen. Draußen war eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit obwohl die Sonne schien.
Wir entschlossen und zur „Abkühlung“ und Erfrischung erst einmal in die Pools zu steigen. Aber welch ein Schock! Das Wasser
war warm wie in einer Badewanne. Wir schwammen trotzdem unsere Runden und nach einigen Minuten fühlten wir uns auch
etwas erfrischt. Die meisten Pools waren miteinander verbunden. Es gab auch Brücken unter die wir herschwammen und – was
mir besonders gefiel, einen Wasserfall. Ich mich stellte mich darunter und ließ mich „berieseln“. Es war ein herrliches Gefühl.
Danach trocknete ich mich ab und legte mich auf den weißen Sand. Mein Blick fiel zum Sternenhimmel, der über mir leuchtete. Da
wir uns auf der anderen Seite der Erde befanden sah er natürlich ganz anders aus als in Deutschland.
Auf Bali war ebenfalls nur das Frühstück im Reisepreis enthalten. Also überlegten wir uns, wo wir jetzt noch essen gehen konnten.
Zur Hotelanlage gehörten zwar mehrere Restaurants, aber sie waren auch sehr teuer (was eigentlich logisch war, denn schließlich
wohnten wir in einem Fünf-Sterne-Hotel). Es war schon relativ spät und wir entschlossen uns dann doch für ein Restaurant, welches unter der Hotelanlage lag und wo es auch internationale Gerichte gab.
Montag, 28. 10. 96
Wir hatten die Nacht wunderbar geschlafen und machten uns auf den Weg zum Frühstück. Es wurde in einem Restaurant serviert,
von welchem man einen schönen Blick auf einer der Pools hatte.
Als ich die Auslagen sah, die uns schon zum Frühstück geboten wurden, traute ich meinen Augen kaum. So eine reichhaltige
Auswahl wie man sie uns hier bot, hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Es gab alles, was das Herz begehrte. Eier, Wurst,
Fleisch, Fisch, Geflügel - alles wurde frisch und auf die verschiedensten Arten zubereitet. Selbstverständlich gab es auch Obst
(viele Sorten kannte ich nicht) und Obstsäfte. Ich kann im Nachhinein gar nicht aufzählen, was uns dort alles angeboten wurde.
Als wir vom Frühstück zurückkamen, waren schon die Zimmer gesäubert und die Betten gemacht. Auf jedem Kopfkissen lag eine
frische Orchideenblüte und auf einem Tablett standen Getränke und Obst. Das war jeden Tag so.
Am ersten Tag auf Bali war erst einmal Faulenzen angesagt. Das war auch dringend nötig, denn schließlich mußten die vielen
Eindrücke der letzten Woche erst einmal innerlich verarbeitet werden. Für Neues war noch gar kein Platz. Und etwas Relaxen tat
auch sehr gut. So schlenderten wir an diesem Morgen zum Strand um etwas im Meer zu schwimmen. Auf dem Weg dorthin
brauchten wir nur in eine der Kisten greifen, die überall an den Pools und auf dem Weg zum Strand standen, um uns dort
Handtücher zu nehmen, die wir auf dem Rückweg auch dort wieder abgaben. Ein schöner Service.
Der Strand im südlichen Bereich der Hotels war um einiges schöner, feinsandiger und viel breiter als der im nördlichen Bereich. Es gab auch alle üblichen Wassersportmöglichkeiten.
Sehr begehrt von den Hotelgästen waren die großen Plattformen mit Dach am Strand. Hier lag man auf Matratzen und konnte sich, wenn man wollte, von einer Balinesin massieren lassen.
Mittags besichtigten wir erst einmal ausgiebig die Hotelanlage und auch die von den anderen, neben uns liegenden Hotels. Das
Mittagessen nahmen wir an einem Essstand ein, der an der Strandpromenade lag. Danach machte ich es mir mit einem Buch in Liegestuhl am Strand bequem.
Den Abend verbrachten wir mit dem Wandern von einem Hotel zum anderen. Die Auswahl war ja nun wirklich groß genug.
Irgendwo aßen wir oder erfreuten uns an abendlicher musikalischer Unterhaltung.Danach verließen wir die Hotelanlage um uns ein
wenig in dem Ort umzusehen. Die Bevölkerung in Nusa Dua zeigte sich nicht gerade von ihrer besten Seite. Auch die Bewohner
von Bualu Village, einer dem Hotelkomplex vorgelagerten Ortschaft, zeichneten sich in erster Linie durch entsetzliche
Aufdringlichkeit beim Verkaufen von beispielsweise gefälschten Markenuhren etc. aus. Überhaupt machte der gesamte Ort, selbst
unter Berücksichtigung, daß wir uns in den Tropen aufhielten, einen ziemlich ungepflegten Eindruck. Somit waren wir sogar ganz froh darüber, daß die Hotels so abgeschottet waren.
Dienstag, 29. 10. 96
Unser erster Ausflug führte uns von Nusa Dua nach Denpasar, wo wir ausstiegen um ein paar Fotos machen zu können. Wir
bestaunten das Wahrzeichen (oder ist es ein Mahnzeichen?) Tanah Lapang Puputan, welches mitten im Zentrum steht.
Die heroisch-blickenden Mensch-Skulpturen sollen den Todesmut derer darstellen, die zur Selbsttötung bereit sind. Die Lanzen
und heiligen Krise erhoben, stehen sie hier stellvertretend für die zwei- bis viertausend Balinesen, die an eben dieser Stelle im Jahre 1906 den rituellen Amokangriff Puputan
gegen die Holländer praktizierten. „Stirb und werde“: Die gesamte Familie und das Gefolge des Raja von Badung, wie Denpasar damals noch hieß, sah angesichts der übermächtigen holländischen
Kolonialarmee, angerückt zu einer Strafexpedition gegen den ungehorsamen Herrscher, nur diese Lösung. Es blieben uns ein paar
Minuten zum Nachdenken, dann holte uns die Wirklichkeit zurück. Ein paar Meter weiter, am Schnittpunkt der Jalan Mada mit der Jalan Veteran
dröhnte der Verkehr auf mehrspurigen Straßen, und mittendrin stand etwas verloren die riesige Götterstatue Batara Guru.
Er gilt als die Erscheinungsform von Shiva, „der große Lehrer“. Von dort gingen wir weiter und hatten bald den Pura Jagatnatha
, ein dem Weltenherrscher geweihtes Heiligtum, erreicht. Bei all dem Verkehrslärm rundherum kam bei mir beim besten Willen keine sakrale Atmosphäre auf, wie in anderen Tempel, die ich besichtigt hatte.
Ein paar Hinweise zu den Göttern:
Brahman ist der Oberste der Götter. Vishnu ist der Gott des Guten, der Sonne. Shiva ist der Gott des Bösen, der Nacht.
Daneben gibt es viele andere Götter, z.B. Dewi Sri, die Göttin der Fruchtbarkeit und Dewi Lakshmi, die Göttin des Glücks. Da
die Götter von Tempel zu Tempel ziehen, findet nach hinduistischem Kalender in jedem Tempel alle 210 Tage ein großes Tempelfest statt.
Wir stiegen wieder in unseren klimatisierten Bus und fuhren weiter nach Gianyar Batubulan.
Unterwegs erzählte uns der Reiseführer, dass es auf Bali mehr Tempel als Häuser gäbe. Das kommt daher, weil jedes Haus einen
eigenen Tempel mit Hausaltar besitzt. Auch überall am Wegesrand sah man die kleinen Opfergaben zu Ehren der Götter und zur
Besänftigung der Dämonen. Sie werden täglich neu angefertigt und sehen teilweise wie kleine Kunstwerke aus. Manchmal
bestehen sie auch nur aus einem Bananenblatt mit ein paar Reiskörnern. Oder es handelt sich um eine kleine Schale, die neben
dem üblichen Reisopfer auch noch einen kleinen Kuchen, ein Palmblatt und ein paar bunte Blüten enthält. Der Rauch, der dazu angezündeten Räucherstäbchen, überträgt die Essenz des Opfers zu den Göttern.
Dort auf der Freilichtbühne wurde der Barong (s. Tempeltanz Barong am Ende des Berichts) vorgeführt. Es war ein äußerst
farbenprächtiges Schauspiel. Den Zuschauern wurde vorher ein Zettel ausgehändigt, damit sie das Tanzdrama verfolgen konnten.
Noch etwas aufgewühlt von der Tanzvorführung bestiegen wir den Bus, der uns nach Celuk brachte, wo wir eine Silberschmiede
besuchten. Es waren wirklich Künstler, die dort den Schmuck (Ringe, Armreifen, Ketten usw.) herstellten. Da ich mir jedoch in Hongkong 2 Ringe und in Bangkok 3 Paar Ohrringe gekauft hatte, war mein Bedarf gedeckt.
Weiter ging es nach Butuan, wo viele Holzschnitzer ihr Handwerk ausüben. Wir kauften uns zwei typische thailändische
Frauenköpfe, die aus schwarzem Holz bestanden und die wir später an die Wand anbrachten.
Nach einer kurzen Pause in einem einfachen Esslokal, wo es sehr geschmackvolle Reisgerichte gab, fuhren wir weiter nach Klungkung.
Unterwegs sahen wir überall am Straßenrand Plastikplanen oder geflochtene Matten auf denen Vanille und
Gewürznelken getrocknet oder in Beuteln zum Verkauf angeboten wurde. Unser Reiseführer zeigte uns auch die oftmals direkt an
der Straße stehenden Vanille- und Gewürznelkenbäume, die uns gar nicht aufgefallen waren. Es war sehr interessant, die Früchte, die wir nur getrocknet kennen, „in Echt“ zu sehen.
Klungkung ist die Bezirkshauptstadt von Ostbali. Sie blickt auf eine reiche Vergangenheit zurück. Gleich rechts neben der
Durchgangsstraße gab es einen farbenprächtigen Markt. Er lockte mit verführerischen Düften, die aus den unzähligen einfachen Esslokalen (Warungs)
kamen. Hier bekam bzw. bekommt man zwar keine europäische Küche, dafür aber typische Gerichte wie
Nasi Goreng und Nasi Campur. Die Preise für die Gerichte waren sehr niedrig, kaum eines hatte mehr als 2 DM (1 €) gekostet. Im Gegensatz dazu mußte man in Kuta oder Sanur
verhältnismäßig tief in die Tasche greifen. Hier gab es kein Gericht unter 8 DM (4 €).
In einer kleinen Parkanlage in Klungkung steht dem Tor gegenüber eine große Halle, umgeben von einem Wassergraben, der schwimmende Pavillon Bale Kembang
. Vom Stil, der Kamasan- oder Wayang-Malerei her gleich, zeigen die Malereien im schwimmenden Pavillon Bale Kembang ganz andere Motive als im Kerta Gosa. In mehreren Reihen werden kalendarische
Beobachtungen und Berechnungen, Szenen aus dem historischen balinesischen Alltag und verschiedene Sagen und Mythen erzählt.
In der Kolonialzeit diente diese Halle als Warteraum für das Gericht. In vielen Reiseführern wird der Bale Kembang irrtümlich als
die eigentliche Gerichtshalle abgebildet, vermutlich ist das Bild der Halle mit dem Wassergraben imposanter.
Rechts vom Eingang des Bale Kembang, in der Ecke des Geländes, steht als zweites Gebäude die Gerichtshalle Kerta Gosa
aus dem 18. Jahrhundert, in der u.a. noch einige alte Holzmöbel zu finden sind.
Besonders sehenswert fand ich die Wayang-Malereien. Sie sind wohl einzigartig u. zeigten die Qualen der Hölle und die Wonnen des Himmels. Stand früher z.B. ein Angeklagter im
Kerta Gosa vor den jeweils drei Richtern und Beisitzern, so zeigte schon ein Blick zur Decke, welche Strafen ihn bei einer Verurteilung erwarteten.Die meisten zu erwarteten Handlungen waren sehr
drastisch dargestellt. Ehebrechern wurden da die Genitalien abgebrannt, Frauen mußten beim Gang durchs Feuer in die Gesichter
ihrer abgetriebenen Säuglinge schauen und Diebe wurden in Kesseln mit siedendem Öl zu Tode gequält.
Die Gerichtshalle, die von einem Wasserbecken umgeben ist, war ebenso wie die anderen Gebäude auf dem Gelände einst
Bestandteil des ehemaligen Raja-Palstes. Bei der Zerstörung durch die Holländer blieb außer dem Eingangstor nur die
Gerichtshalle und der schwimmende Pavillon erhalten. Die Anlage ist mittlerweile wieder restauriert worden und stellt eine
Touristenattraktion dar. Sie liegt etwas erhöht direkt am verkehrsreichsten Kreisverkehrs von Klunkung.
Der offizielle Parkplatz lag direkt gegenüber dem Eingang, wo wir schon beim Aussteigen von zahlreichen Händlern umlagert wurden.
Der Ort Klungkung spielte in der balinesischen Gesichte eine wichtige Rolle. Als Sitz des Dewa Agung, des nominell ranghöchsten der vielen balinesischen Radschas, hatte
Klungkung immer einen besonderen Platz in der Geschichte der Insel. Die Paläste der Edelleute waren Zentren der Kunst: Malerei, Musik und Tanz wurden hier gefördert. Im 15. Jahrhundert fanden die
Flüchtlinge des javanischen Majapahit-Reiches im 3 km südlich gelegenen Ort Gelgel eine neue Heimat. Der Sohn desMajapahit
-Herrschers erklärte sich selbst zum König von Bali und begründete die Gelgel-Dynastie. Die Macht des Raja von Klungkung
fand erst ein Ende, als die Holländer 1908 zu einer Strafexpedition ansetzten. Der Raja, seine Familie und viele Getreue verübten rituellen Selbstmord (s. auch Tanah Lapang Puputan)
und der Königspalast wurde fast ganz zerstört.
Die Bewohner von Klungkung gelten auf Bali aufgrund ihres aristokratischen Erbes als besonders stolz, konservativ und traditionell.
Auf Karten und im Sprachgebrauch trägt die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Klungkung ebenfalls diesen Namen, obwohl sie seit 1992 offiziell wieder Semarapura
heißt. Die meisten Strassesschilder sind mittlerweile auch schon abgeändert. Die bekannteste Sehenswürdigkeit dieser ansonsten nicht sehr anziehenden Stadt ist das alte Gerichtsgebäude. Direkt daneben liegt
das riesige Monument des Puputan, eine Stupa aus Vulkangestein, mit dem an den Selbstmord des Königshofes von 1908 erinnert wird.
Hier endete unsere erste Informationsreise. Die nächsten beiden Tage haben wir zum Teil faul am Stand verbracht oder sind im
Ort Nusa Dua spazierengegangen. Viel gab es dort jedoch nicht zu sehen. An einem Abend gingen wir in ein Restaurant, dessen Inhaber ein Schweizer war und aßen dort Wiener Schnitzel.
Mittwoch, 30. 10. 96
Heute fuhren einige von unseren Reiseteilnehmern in den Affenwald. Diesen Ausflug machten wir jedoch nicht mit, denn das Klima
hatte mir sehr zu schaffen gemacht und ich kämpfte mit Kreislaufproblemen. Als wir morgens zum Frühstück gingen, spürte ich ein
leises Beben unter meinen Füßen. Ich dachte zuerst, es käme von der Malariaprophylaxe, denn sie verursachte auch immer wieder
leichte Schwindelgefühle bei mir. Aber dann kam mir in den Sinn, dass es wohl doch etwas anderes gewesen sein mußte. Ein
Erdbeben! Als ich meine Vermutung meinem Mann gegenüber äußerte, lachte er mich aus. Ein deutsches Ehepaar, welches einen
Tisch vor uns saß, meinte jedoch, dass es wirklich an dem gewesen sei. Sie waren schon länger als wir hier auf Bali und hatten Tage zuvor schon einmal einen Erdstoß miterlebt.
Den Tag über verbrachten wir wieder am Strand. Das Baden im Meer brachte zumindest kurzfristig eine leichte Abkühlung. Trotz
der schattigen Palmen war es sehr heiß und so gingen wir am Nachmittag wieder in unser klimatisiertes Zimmer um uns etwas abzukühlen.
In jedem Zimmer (der Raum vor dem Bad) gab es einen Tresor, wo die Kamera, Papiere und Wertsachen eingeschlossen werden
sollten. An diesem Morgen hatte ich nach dem Frühstück vergessen den Tresor abzuschließen. Als wir an unserem Zimmer
ankamen, fand ich einen Zettel im Tresor vor, wo draufstand, dass ich mich an der Rezeption melden sollte. Ich glaubte im ersten
Moment, dass zuhause etwas passiert sei und ich deshalb gerufen wurde. Aber es war etwas anderes. Das Zimmermädchen,
welches morgens zum Bettenmachen kam, hatte den Tresor offen vorgefunden. Um nicht des Diebstahls verdächtigt zu werden,
hatte sie sofort jemanden als Zeugen hinzugeholt. Zusammen gingen sie dann zur Rezeption um den Vorfall zu melden und ihn
nachträglich abschließen zu lassen. Ich mußte dann bestätigen, dass ich nichts vermisste. Für diese Freundlichkeit bedankte mich großzügig bei dem Zimmermädchen.
An diesem Abend war die Hotelanlage mit bunten Fähnchen geschmückt, denn es fand eine Veranstaltung statt. Wir aßen auch
dieses Mal wieder in einem hoteleigenen Restaurant und schauten uns von der Terrasse aus balinesische Tänze an, die von hübschen Mädchen vorgeführt wurden.
Donnerstag, 31. 10. 96
Unser nächster Ausflug führte uns durch Ubud und vorbei an Reiseterrassen nach Bangli. Unterwegs sahen wir Bauern mit ihren
Wasserbüffeln bei ihrer Arbeit in den Reisfeldern. Bis der Reis auf den Tellern landet, sind unzählige Arbeitsschritte notwendig.
Dazu zählt u.a. auch das Umpflügen der Felder nach der Ernte. Maschinen können auf den kleinen Parzellen, die oft auch noch
terrassenartig angelegt sind, nicht eingesetzt werden. So wird nahezu jeder Arbeitsschritt in Handarbeit ausgeführt. Lediglich beim
Umpflügen der Felder können die Bauern die gutmütigen und extrem willigen Rotrinder zur Hilfe ziehen.
Auf der Weiterfahrt nach Redang begegnete uns auch typisches „Transportmittel“ Balis: ein Eselskarren und auch ein Tuk-Tuk, wie wir es schon in Bangkok gesehen hatten.
Die Fahrt ging weiter durch eine Bilderbuchlandschaft. Alle Hänge, und seien sie noch so flach gewesen, waren terrassiert.
Kokospalmen und Bambus standen Spalier, und darüber schwebte der Kegel des Vulkans Gunung Agung. An diesem Tage lag er
ausnahmsweise, wie der Reiseführer meinte, nicht im dichten Nebel. Der Berg gilt als symbolischer Mittelpunkt des Universums
und als „Sitz der Götter“. In seiner Macht, so glauben die Balinesen, läge es, Katastrophen zu bringen. Zum letzten Mal hat es
1963 einen Vulkanausbruch gegeben. Einige wenige Kilometer außerhalb von Klungkung erinnert am rechten Straßenrand ein
Lavafeld daran. Erst am nahen Meer, beim Fischerort Kusamba, kam seinerzeit der glutflüssige Brei zum Stillstand. Die Strände dort wären von schwarzer Farbe, erzählte uns der Reiseführer.
Zum Gunung Agung selber fuhren wir nicht, sondern zum Pura Besakih. Vorher jedoch machten wir inPutung Cottage eine
Mittagspause. Vom Restaurant hatte man einen wunderschönen Überblick über die Insel. Den Tisch hatte unser Reiseführer schon
vorher für uns bestellt. Das typisch thailändische Essen mundete uns auch dieses Mal wieder sehr gut.
Gesättigt und zufrieden ging es weiter zum wichtigsten und heiligsten Tempel Balis, dem Pura Besakih. Die Balinesen nennen ihn
auch den „Muttertempel“. Er liegt auf einer Höhe von 950 Metern an den Hängen des Gunung Agung, der mit 3.142 Metern der
höchste Berg Balis ist. Die Anlage erstreckt sich über sieben Terrassen und wird stetig weiter vergrößert. Vom obersten Tempelkomplex hatten wir eine imposante Fernsicht über den Süden Balis.
Der Bus hielt auf einem Parkplatz, wo es wieder viele Souvenirgeschäfte gab. Die letzten Kilometer mußten wir zu Fuß bewältigen
. Steil und flankiert von unzähligen Shops führte die Prozessionsallee hangaufwärts, aber bevor wir sie beschreiten konnten, kam ein Wächter herbei und bat um eine Spende.
Bevor wir uns jedoch dem Heiligtum nähern konnten, mußten die Frauen mit einem Sarong bekleidet sein. Die meisten
Tempelanlagen dürfen nur mit diesem Kleidungsstück betreten werden. Dies erzählte uns jedoch der Reiseführer schon am Abend
vor der Fahrt. Ich entschloss mich also an Ort und Stelle einen Sarong (einheimischer Wickelrock) zu kaufen. Gleich am Fuße des
Tempelkomplexes gab es dazu extra Läden, die auf Tourismus eingerichtet waren. Es war eine gute Investition, denn den Sarong habe ich danach umgewickelt, wenn ich an den Strand zum Baden bzw. Sonnen ging.
Es waren nicht viele Menschen dort, lediglich ein paar Touristen und auch Balinesinnen, die ihre Opfer (Körbe mit frischem Obst
und Blumen die sie auf dem Kopf trugen) brachten um sie dort niederzulegen.
Freitag, 01. 11. 96
Unseren letzten Tag auf Bali verbrachten wir hauptsächlich am Strand und ab und zu auch einmal in den Pools. Gegen Abend
packten wir mit etwas wehmütigem Herzen unsere Koffer. Obwohl die Luft die ganze Woche über sehr heiß gewesen und mir auf
den Kreislauf gegangen war, wäre ich doch gerne etwas länger auf Bali gewesen. Es gab ja noch so viel zu besichtigen, wozu wir nicht gekommen sind bzw. was vom Reiseverlauf her nicht vorgesehen war.
Samstag, 02. 11. 96
Heute konnten wir noch einmal dieses wunderbare Frühstück im Hotel zu uns nehmen, dann hieß es sich von Bali zu
verabschieden. Der Bus brachte uns zum Flughafen. Um 12.40 Uhr flogen wir mit Singapore Airline (Flug SQ 143) erneut nach
Singapur. Dort kamen wir gegen 15 Uhr an. Da der Rückflug nach Frankfurt mit Singapore Airline (Flug SQ 26) erst um 23.55
Uhr vorgesehen war, lud uns Alexander auf Kosten des Reiseveranstalters noch einmal zu einem Essen ein. Einige der
Reiseteilnehmer zogen es jedoch vor, auf dem Flughafengelände zu bleiben. Mit einem Bus fuhren wir also noch ein letztes Mal in
die Stadt, und zwar in ein chinesisches Viertel am Hafen. Das Restaurant, in welches Alexander uns führte, war voll besetzt und
wir mußten erst eine Zeitlang warten, bis wir endlich einen Tisch bekamen. Es gab ein typisches chinesisches Essen mit vielen
Gängen (Hühnchen, Ente, Shrimps, Haifischflossensuppe, Satay, Nudeln mit Meeresfrüchten u.a.). Besteck gab es in diesem
Restaurant nicht, es mußte mit Stäbchen gegessen werden, was uns allen Spaß gemacht hatte.
Etwa 3 Stunden, nachdem wir gestartet waren, erklang durch den Lautsprecher der Ruf nach einem Arzt. Er sollte dringend ins
Cockpit kommen. Die meisten Fluggäste waren am Schlafen, aber ich war noch zu aufgedreht und fand keinen Schlaf. Nachdem
ich hörte, dass nach einem Arzt verlangt wurde, konnte ich erst recht nicht schlafen. Was war passiert? Ging es dem Kapitän nicht
gut? Hatte vielleicht der Pilot einen Herzanfall? Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf. Wenn wir nur heile nach Hause
kommen! Ich konzentrierte mich wieder ein wenig auf das Buch, das ich während des Fluges las und vergaß den Vorfall. Eine
Stunde später erfolgte erneut ein Ruf nach dem Arzt. Es ging aber alles ganz ruhig zu, es war auch von Seiten der Stewardessen
und Stewards keine Aufregung bzw. Nervosität zu merken. Der Arzt wurde dann, ca. eine Stunde vor der Landung, noch ein
drittes Mal ins Cockpit gerufen. Als wir in Frankfurt ankommen und gelandet waren, mussten wir alle erst einmal mit dem
Aussteigen warten. Auf dem Rollfeld stand ein Krankenwagen, in dem eine liegende Frau transportiert wurde. Dann endlich
erfuhren wir den Grund: Eine Japanerin, die auf dem Weg nach New York war, hatte während des Fluges ein Kind zur Welt gebracht! Ob es jetzt wohl „Singapore Airlines“ heißt?
Der Barong-Tanz
Der Barong ist ein mythisches Wesen, welches die auf der Erde existierenden Kräfte repräsentiert. Daneben gibt es Rangda, die
Königin der Hexen, die das Böse verkörpert. Der Balinese glaubt, dass Gut und Böse nebeneinander existieren. Deshalb gibt es in
der folgenden Geschichte, die sich um Barong und Rangda rankt, keinen Sieger. Der Tanz beginnt mit einem Vorspiel, welches
eigentlich keine Verbindung zur eigentlichen Geschichte hat. Es soll lediglich den Barong vorstellen. Nach dem Vorspiel tanzen zwei Mädchen den legong, und dann beginnt die eigentliche Geschichte:
1. Akt
Zwei Diener der Königin besprechen das Schicksal ihres geliebten Herrn, des Prinzen Sadewa, der an diesem Tag der Todesgöttin Batari Durga geopfert werden soll. Ihre Unruhe wird verstärkt, als eine der Hexen- sie ist eine Schülerin von Batari
Durga – erscheint. Sobald sie wieder verschwunden ist, schicken sie dem Premierminister eine Nachricht, dass er schnell kommen möge.
2. Akt
Der Premierminister kommt, gefolgt in einigem Abstand von der Königin, der Mutter Sadewas. Die Königin ist tief verstört bei dem Gedanken, ihren Sohn opfern zu müssen. Die Hexe besorgt, die Königin würde sich umentschliessen, verhext sie. Verwirrt,
beginnt die Königin ihren Sohn zu schlagen und endlich befiehlt sie dem Premierminister, ihn zu dem Friedhof zu bringen, in dem die Todesgöttin lebt.
3. Akt
Der Premierminister, der Sadewa wie seinen eigenen Sohn liebt, weigert sich den Befehl der Königin auszuführen. Doch als die Hexe auch über ihn einen Fluch ausspricht, bringt der Premierminister Sadewa zum Friedhof, wo er ihn vor dem Haus des
Todesgottes an einen Baum bindet.
4. Akt Der Gott Shiva erscheint in Gestalt eines Priesters, sieht Sadewa und hat Mitleid mit ihm. Er macht Sadewa unsterblich.
5. Akt Batari Durga erscheint, sieht Sadewa und möchte das Opfer unverzüglich annehmen. Doch Sadewa ist unsterblich und Batari
Durga, die dies erkennt, erklärt sich geschlagen. Um erlöst zu werden und in den Himmel zu kommen, bittet sie Sadewa, sie zu töten.
6. Akt Auch Batari Durgas Hauptschülerin Kaleka möchte erlöst werden. Doch Sadewa weigert sich ihr zu helfen. Mit Hilfe ihrer
magischen Kräfte verwandelt sich Kaleka in einen wilden Eber, wird jedoch von Sadewa geschlagen. Auch als sie sich in einen
riesigen Vogel verwandelt, wird sie von Sadewa besiegt. Als sie jedoch die Gestalt der schwarzen Hexe, der mächtigen Rangda
annimmt, kann Sadewa sie nicht mehr schlagen. In einem erneuten Versuch, sie zu überwinden, verwandelt Sadewa sich in den
Barong. Sie kämpfen miteinander, da sie aber von gleicher Kraft sind, kann keiner den anderen besiegen. Der Barong ruft seine Anhänger zur Hilfe.
7. Akt Die Anhänger des Barong erscheinen, ausgerüstet mit Krise (Kris: eine Art von Dolch) von magischer Kraft. Sie greifen die
schwarze Hexe an, die sie jedoch mit Hilfe ihrer Hexenkünste in einen Gemütszustand versetzt, in dem sie sich ärgerlich gegen sich selbst wendet und ihren Körper mit den Krise durchbohren (in diesem Augenblick können sich die Tänzer tatsächlich in einem
Trancezustand befinden). Der Barong erscheint und löscht den Einfluss der schwarzen Hexe aus.
Bemerkung: Am Ende der Vorstellung bringt der Tempelpriester einige sakrale Opfer. Er besprengt die Tänzer mit heiligem
Wasser, um sie wieder aus ihrem Trancezustand zu lösen.
Legong
Die junge Tänzerin verharrt fast bewegungslos, mit niedergeschlagenen Augen und abgewinkelten Füßen. Nur die Fingerspitzen
vibrieren, hauchzart wie die Flügel eines Schmetterlings.
Der Legong ist Balis anmutigste Hommage an die Götter. Ein klassischer Hoftanz, welcher der Legende nach von himmlischen
Nymphen aufgeführt wurde. Heute übernehmen dies junge Mädchen, in enge golddurchwirkte Brokatkleider gehüllt, mit
vergoldeter, blumengeschmückter Lederkrone im Haar. Jede Kopf- und Handbewegung ist rituell festgelegt. Sogar das Spiel der
Augen ist einstudiert: Sie werden erst nach rechts, dann nach links gerollt und in dramatischen Momenten groß und starr aufgerissen. In der klassischen Form eröffnet die Condong, eine höfische Gesellschaftsdame, das Ballet und übergibt dann zwei
jungen Mädchen die Fächer zum Weiterspielen. Früher durften den Legong nur Mädchen tanzen, die ihre Pubertät noch nicht erreicht hatten.
Der echte Legong wird in grünem oder pinkfarbenem Kostüm getanzt und die Stoffe sind gemustert.
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