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Angelerlebnisse 2008
Teil 4
Ostseeträume - Ostseeschäume
Auf unseren Kurztrip vom 02. bis 06.Oktober 2008 an die Ostsee freute ich mich sehr. Doch als ich hörte, dass Michael mit uns abends
mit dem Kutter zum Angeln rausfahren wollte, war ich davon überhaupt nicht begeistert.
Ich bin noch nie bei Dunkelheit mit einem Boot gefahren und daher malte ich mir in meiner Phantasie zusammen, was draußen auf dem
Meer bei Dunkelheit alles passieren könnte. Eigentlich bin ich kein Angsthase, aber vor dieser geplanten nächtlichen Ausfahrt fürchtete ich
mich doch ein wenig. Und außerdem, was sollte der ganze Quatsch. Die Meeresfische bissen doch tagsüber genauso gut. War es nicht
auch so, dass sie in der Dunkelheit in die Nähe der Küste kamen? Was sollten wir dann draußen auf dem Meer? Und war Michael denn schon einmal im Dunkeln mit dem Kutter draußen gewesen?
Ich war also nicht besonders glücklich über diese geplante „Nachtfahrt“ und sagte es auch Achim. Statt mich zu beruhigen antwortete er
etwas ungehalten: „Du kannst ja in Dahme bleiben und fernsehen, während ich mit Michael raus fahre.“
Das kam natürlich überhaupt nicht in Frage! Ich wollte doch nicht ein eventuelles interessantes Erlebnis verpassen. Und überhaupt, wer
fährt schon nachts mit einem Kutter auf der Ostsee rum und fängt dabei – so hoffte ich jedenfalls – Fische? Die Nachtfahrt war, so hatte Achim es mit Michael abgemacht, für Freitagabend (3. Oktober) geplant.
„Okay. Ich bin mit der Nachtfahrt einverstanden“, sagte ich zu Achim, „aber ich möchte auch noch eine Ausfahrt am Tage mit dem
Kleinboot machen. Wenn wir Freitagabend rausfahren und erst spät wieder in Dahme sind verschlafen wir den Samstagmorgen bestimmt.
Also lohnt es sich nicht für den restlichen Tag ein Kleinboot zu mieten. Mit dem Kleinboot will ich aber auf jeden Fall rausfahren. Da bleibt
also nur noch der Sonntag übrig. Montag fahren wir ja schon wieder zurück.“ Gleich am anderen Tag rief Achim in Neustadt an und ließ für uns ein Boot reservieren. Wegen dem verlängerten Wochenende waren
schon sehr viele Boote ausgebucht und wir hatten Glück überhaupt noch eins zu bekommen.
Vier Wochen vorher bestellte ich mir bei Angelsport Schirmer eine neue Rutentasche und die Seacor 7 Pi von Cormoran, eine Freilaufrolle
, hinter der ich schon lange her war. Seit sie auf dem Markt war versuchte ich sie zu bestellen, aber jedes Mal war sie gerade nicht mehr auf dem Lager, d.h. ausverkauft. Fast hatte ich es schon aufgegeben.
Doch dieses Mal klappte es tatsächlich. Ich ließ sie auch gleich mit einer monofilen Schnur bespulen. Außerdem standen im Sonderprospekt Watwurmhaken in verschiedenen Größen, die ich ebenfalls mitbestellte.
Ein paar Tage später kam das Paket an. Beim Ausräumen meiner „alten“ Rutentasche staunte ich nicht schlecht, als ich plötzlich vier
meiner Angelrollen darin fand, die ich schon seit längerem vermisste. Fazit: Öfter mal in den Taschen nachsehen und nicht gleich den Partner verdächtigen, dass er sie genommen hat!
Ein paar Tage später erzählte mir Achim, dass er im Anglerboard gelesen hatte, dass ein Treffen in Dahme stattfinden sollte. Initiator wäre
eine Ute, die in Grube wohnt. „Das ist ja toll. Vielleicht können wir uns mit ihr mal in Dahme treffen”. Achim antwortete, dass er Ute schon
eine PN geschrieben hätte um ihr mitzuteilen, dass wir Anfang Oktober in Dahme sind und nachgefragt habe ob wir uns einmal treffen könnten. Ute antwortete sofort, dass das in Ordnung ginge.
Als ich Achim sagte, dass er sie doch fragen sollte, ob sie nicht mit uns die Nachtfahrt auf dem Kutter mitmachen möchte, sagte er, dass
hätte er schon getan und sie hätte auch schon geantwortet, dass sie sich auf die Kutterfahrt freuten würde. Als ich das las, freute auch ich mich, denn nun hatte ich weibliche Unterstützung an Bord.
Am Sonntag vor unserer Reise schaute ich mir im Internet die Wetterprognose für Dahme an.
Sie sah überhaupt nicht gut aus. Für die nächsten Tage waren Temperaturen um 10°C angesagt mit dicken Wolken, Schauern und gegen
Abend könnte es sogar Gewitter geben. Außerdem war ein starker Wind aus westlicher Richtung angesagt. Ich befürchtete, dass wir
Freitagabend vielleicht, aber am Sonntag auf gar keinen Fall mit dem Boot rausfahren könnten, denn dann sollte es sogar Sturmböen geben.
Während Achim am Tag unserer Abreise noch bis zum Mittag arbeitete, hatte ich mir diesen Tag frei genommen. Als Achim kam war ich
mit dem Packen der restlichen Sachen fertig und wir konnten kurz darauf losfahren.
Gegen 14.45 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Dahme. Schon auf der A 2 bei Veltheim kamen wir in einen Stau. Der nächste war
auf der A 1 Richtung Hamburg. Und auch hinter Hamburg war es nicht anders. Als wir ca. 30 km vor Lübeck waren rief Michael auf dem
Handy an und fragte, ob wir gut angekommen seien. Achim antwortete, dass wir noch unterwegs wären und gerade im nächsten Stau von
22 km Länge steckten und nicht wüssten, wann wir in Dahme wären. Dann fragte er Michael, ob es etwas mit der Kutterfahrt am nächsten Tag werden würde.
“Klar doch. Für Abends ist Wind Stärke 2 bis 3 angesagt. Wir können jedoch erst ab 17 Uhr rausfahren, wenn der Kutter zurück ist. Ute und Stefan fahren auch mit.“ Es war schon nach 20.30 Uhr, als wir endlich in Dahme ankamen. Gott sei Dank hatte es auf der ganzen Strecke nicht geregnet, sonst wären wir noch langsamer vorangekommen.
Schnell brachten wir unsere Sachen ins Häuschen, machten uns etwas frisch und gingen dann zum Essen ins Restaurant „Zum Goldenen Anker“.
Auf dem Weg dorthin wanderte mein Blick sogleich zur Seebrücke, wo schon einige Angler standen. Es wehte nur noch ein leichtes
Lüftchen. Zum Angeln waren das nicht gerade gute Bedingungen, aber ich hätte es trotzdem gewagt, wenn wir nicht spät in Dahme
angekommen und vom langen Sitzen im Auto kaputt gewesen wären. So wurde nichts mehr daraus.
Freitag
Als ich morgens aufstand war es trocken, nur der Himmel war bedeckt. Da uns auf der Fahrt eine Lampe vom Auto kaputt gegangen war,
fuhren wir zu einer Tankstelle um eine neue zu besorgen und die kaputte auszuwechseln. Gerade in dem Moment fing es zu regnen an.
Während Achim die Lampe wechselte und ich wartend im Auto saß, rief Michael an. Er fragte, ob wir uns schon gegen 14 Uhr in
Neustadt treffen könnten, denn der eine Kutter sei nicht rausgefahren. Ute hätte er schon Bescheid gesagt und ihr würde der neue Termin gut passen. Lediglich Stefan hatte wegen Rückenproblemen nun doch abgesagt.
Bevor wir uns zum Angeln umzogen fuhren wir nach Kellenhusen, wo wir im Restaurant „Passat“ zu Mittag aßen. Da gerade
Hubertuswoche war, bestellten wir uns jeder einen Wildschweinbraten. Ich muss sagen, dass er einfach köstlich schmeckte. Auch das relativ kleine Restaurant gefiel uns sehr gut.
Um 13.30 Uhr rief Michael erneut an. Wir sollten um 15 Uhr in Neustadt sein. In aller Ruhe packten wir unsere Angelsachen, zogen uns der Witterung entsprechend warm an und fuhren dann nach Neustadt, wo wir
gegen 14.45 Uhr ankamen. Michael war schon da und begrüßte uns freudig. Kurz darauf erschien Ute.
Für unsere Ausfahrt am Sonntag hatte Achim Watwürmer bestellt, aber nicht für Freitag. Doch wir hatten Glück und bekamen noch
welche. Als wir den Hafen verließen war die See relativ ruhig, doch mit der Zeit nahm der Wind zu und das Boot schaukelte recht heftig.
Immer wenn Michael auf dem Echolot einen Fischschwarm oder auch einzelne große Fische ausmachte hielten wir an und versuchten unser
Glück. Ute und Michael angelten mit einem Pilker, Achim versuchte es mit einem Buttlöffel und Naturköder und ich hoffte mit einem Heringsvorfach wenigstens ein paar Wittlinge oder Heringe an den Haken zu bekommen.
Doch alle unsere Bemühungen blieben erfolglos. An einer weiteren Stelle hatte Michael das Glück zwei schöne maßige Dorsche zu fangen.
Doch Achim, Ute und ich bekamen keinen Fisch an den Haken. Wir probierten alle möglichen Köder aus, doch die Fische wollten ihn nicht nehmen.
Kurz bevor wir uns auf den Rückweg in den Hafen machten – der Wind hatte immer mehr zugenommen, so dass wir kaum im Boot stehen
konnten ohne von einer Ecke in die andere getrieben zu werden – wurde Ute übel. Sie kämpfte zwar tapfer dagegen an, aber irgendwann ging es nicht mehr und sie erbrach sich über der Reling.
„Das letzte Mal, als jemand sein Essen über Bord gespuckt hatte, haben wir sehr gut gefangen“, meinte Achim grinsend.
Das war jetzt leider zu spät, denn wir hatten unser Geschirr schon zusammen gepackt. Ich war sehr traurig und frustriert, dass uns
überhaupt kein Fisch an den Haken gegangen war. Ute wollte noch am selben Abend auf die Seebrücke in Dahme, aber dazu hatte ich nun keine Lust mehr. Bei den Windverhältnissen (Süd-West) war es sowieso zwecklos.
Samstag Da wir noch einige Sachen einkaufen mußten, fuhren wir erst einmal nach Grube. Hier gibt es einen Aldi und Edekamarkt Bei dieser Gelegenheit schauten wir uns den Oldenburger Graben einmal genauer an. Für dieses Angelgewässer gibt der Angelverein Reetkiekers
Grube und Umgebung e.V. an einigen Ausgabestellen Erlaubnisscheine aus (siehe Foto). Eine Tageskarte kostet 7 Euro, und eine
Monatskarte 40 Euro. Nachtangeln ist allerdings nur für Mitglieder erlaubt. Im Oldenburger Graben werden Karpfen, Aale, Hechte,
Schleien, Döbel, Brassen, Rotfedern und Rotaugen gefangen, Zander gibt es leider nicht. Zwischen den beiden Brücken am Ortsausgang
von Grube fanden wir einige schöne Angelstellen. Dies ist vielleicht mal eine Alternative, falls der starke Wind ein Angeln an der Küste oder vom Boot unmöglich macht.
Mittags fuhren wir dann bei herrlichem Sonnenschein erneut nach Kellenhusen um uns die neue Seebrücke anzuschauen. Fürs Angeln, so stand dort zu lesen, war sie bis Ende Oktober gesperrt.
Wir aßen noch einmal im Restaurant Passat. Dieses Mal wählten wir ein Steinbeißerfilet, welches uns ebenfalls sehr gut mundete.
Als sich der Himmel zuzog und die ersten Tropfen vom Himmel fielen machten wir uns auf den Rückweg zur Ferienwohnung.
Wir beschlossen am Abend auf die Seebrücke zum Angeln zu gehen. Gegen Nachmittag rief der Inhaber vom Angletreff in Neustadt an
um uns mitzuteilen, dass wir am anderen Tag nicht rausfahren könnten. Es war Wind um Stärke 7 angesagt. Das hob meine Stimmung
natürlich kein bisschen, im Gegenteil ich war wütend. „Hätte ich gewusst, dass wir nicht Freitagnacht bzw. –abend rausfahren, sondern viel
früher und schon gegen 20 Uhr wieder im Hafen sind, dann hätten wir auch für Samstag ein Kleinboot chartern können. Irgendwie läuft dieses Mal alles schief.“
Gegen 19.30 Uhr waren wir auf der Seebrücke, wo sich am Brückenkopf schon viele Angler befanden. Dort wollten wir sowieso nicht
stehen. Wir suchten uns einen Platz knapp hinter dem Knick der Brücke. Bei auflandigem Wind braucht man nicht weit hinaus zu werfen,
denn dann kommen die Fische in der Dunkelheit nahe an den Strand. Doch die Bedingungen stimmten nun überhaupt nicht und ich war sehr gespannt, ob wir etwas fangen würden. Die Zeit verging, ohne das sich etwas tat.
Im Laufe der Stunden blies uns der Wind immer stärker in den Rücken. Wir angelten jeder mit zwei Ruten und unterschiedlicher Montage,
doch kein Fisch wollte beißen. Lediglich die Würmer waren ständig abgefressen. Gegen 22.30 Uhr hatte ich die Nase voll. „Komm lass
uns einpacken und gehen. Bei den schlechten Windverhältnissen tut sich sowieso nichts. Und auch die anderen haben bisher nichts gefangen“, sagte ich zu Achim.
Auch Achim glaubte nicht mehr an einen Erfolg und so packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren zurück in unsere Ferienwohnung.
Wir sahen bis nach Mitternacht noch etwas fern und legten uns dann schlafen. Als ich am anderen Morgen aufwachte war es schon 10.30
Uhr. Draußen schüttete es aus Eimern und der Wind wiegte die Bäume hin und her. Die Wettervoraussage war voll eingetroffen!
Wir überlegten was wir bei diesem Mistwetter tun könnten und entschieden uns dann zum Timmendorfer Strand zu fahren. Dort gingen wir
ins Sea Life Centre. Dort bestaunten wir auf einer Fläche von 1.500 qm einheimische und tropische Fische und anderes Meeresgetier.
Auch Haie, Drückerfische, Doktorfische, Rochen und Lippenfische waren zu sehen. In zwei großen Becken konnte man die Fische „streicheln“, wenn sie an die Oberfläche kamen.
Da wir den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatten, beschlossen wir auf der Rückfahrt schon relativ früh zum Abendessen ins Kum Luk
zu fahren. Wie schon einige Male zuvor wählten wir aus der riesigen „Schnitzelkarte“ aus.
Als wir am anderen Morgen aufstanden war am Himmel nicht eine einzige Wolke zu sehen. Ich war schon gegen 4.30 Uhr wach geworden
und wäre sehr gerne noch einmal mit dem Kleinboot rausgefahren. Aber Achim hatte den Wecker auf 8 Uhr gestellt, denn wir wollten um spätestens 10 Uhr die Heimreise antreten.
Dieses Mal brauchten wir für die Strecke nicht so lange. Lediglich an der Baustelle kurz vor Hamburg ging es nur langsam voran. Als wir
hinter Hamburg waren hielten wir auf einem Rastplatz an. Ich schüttete mir einen Becher Kaffee ein, als ich sah, wie eine Wespe ins Auto
wollte. Ich vertrieb sie und setzte den Kaffe gerade zum Trinken an, als ich einen Stich hinten im Hals verspürte. Ich schrie vor Schmerz
auf. „Scheiße! Jetzt hat mich die Wespe gestochen“ brüllte ich los. Sofort holte Achim aus der Kühlbox einen Eisbeutel, den ich gleich auf
die Stelle legte. Außerdem holte er unsere Medikamententasche aus dem Reisegepäck, so dass ich mich mit einer Kortisonsalbe einreiben
konnte. Die ganze Fahrt und auch danach drückte ich die Eispackung auf meinen Hals und Nacken. Trotzdem schwoll die Stelle um den Stich so dick an, dass ich am nächsten Tag zum Arzt gegangen bin.
Statt mit Fischen in der Truhe nach Hause zu fahren, habe ich „einen dicken Hals“ bekommen! Schöne Ostseeträume!
Oerlinghausen, den 14.10.2008
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