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Angelerlebnisse 2007
Teil 5
Angeln im Altwasser der Donau bei Windorf vom 18.8. – 25.08.2007 Teil 2
Fortsetzung von Angelerlebnisse 2007 Teil 4
Am nächsten Morgen war es zwar bewölkt, aber von Regen war keine Spur zu erkennen. Gegen Mittag fuhren wir zuerst einmal nach Vilshofen um uns mit neuen Maden einzudecken. Auf der Rückfahrt nach Windorf kamen wir an dem Flugplatz vorbei.
Theoretisch wäre es möglich von unserem Segelflugplatz in Oerlinghausen mit einem Motorflugzeug nach Windorf zu fliegen. Einige Gäste reisen tatsächlich mit einem Flugzeug an.
Wir fuhren nicht direkt zur Wohnung zurück, sondern parkten unseren Wagen auf einem Platz, wo man zu Fuß auf die Insel kommt. Dort befindet sich auch der Schiffsanleger von Windorf.
Nach einer viertel Stunde knurrte mir der Magen: „Schatz, wollen wir irgendwo zu Mittag essen?“ Achim schaute mich an, als wenn ich in einer fremden Sprache geredet hätte: „Mittagessen?“
„Ja, Du weißt schon, das Zeug, das man zu sich nimmt, um am Leben zu bleiben“, antwortete ich.
„So richtig habe ich zwar noch keinen Appetit, aber wir können uns ja mal die Speisekarten anschauen und uns dann entscheiden, ob wir etwas essen.“ Kurz darauf saßen wir im Restaurant des Hotels „Zum Goldenen Anker“ und ließen uns ein frisch gezapftes Hefebier schmecken. Ich
entschied mich für einen Rehbraten mit Semmelknödeln und Rotkraut, während Achim einen Zwiebelbraten mit Speckbohnen und Bratkartoffeln wählte.
Das Essen mundete uns vorzüglich und auch der Preis war sehr ansprechend. Nachdem ich ein zweites Glas Hefebier getrunken hatte
fragte ich die Bedienung nach einem Hausprospekt und ob es möglich sei, das Hefebierglas käuflich zu erwerben. Seit dem letzten Jahr
sammle ich Hefebiergläser aus der Gegend, wo wir Urlaub machen. Die Bedienung brachte mir das Prospekt und in Zeitungspapier
eingewickelt das Glas mit den Worten: „Einen schönen Gruß von der Wirtin. Das Glas schenkt Sie Ihnen.“ Überglücklich steckte ich das Glas ein. Nun hatte ich schon weitere zwei!
Als wir gegen 13 Uhr in unserem Wohnzimmer saßen hörte ich draußen ein bekanntes Geräusch, das uns schon seit Mitte Juni nicht mehr loslässt. Es war wieder einmal am Regnen!
„Verdammt! Das muss doch nicht sein. Wir haben uns doch endlich ein paar schöne sonnige Tage verdient“ maulte ich. „Nun“, sagte Achim. „Daran können wir nichts ändern. Aber ich glaube das hört bald wieder auf.“
Tatsächlich hatte es um 14.30 Uhr aufgehört zu regnen, so dass wir unsere Angelsachen anzogen und ans Altwasser gingen. Unsere
Schirme hatten wir am Abend zuvor unter dem Boot liegen lassen, welches auf der Wiese lag.
Kaum hatten wir unsere Ruten ausgeworfen und auf unseren Stühlen Platz genommen, fing es wieder zu regnen an. Zwischendurch ließ
der Regen ein wenig nach, aber es dauerte über 2 Stunden, bis die Regenwolken endlich verzogen waren. Achim konnte sich nicht beklagen, denn er hatte schon 3 Brassen gefangen.
Meine Uhr zeigte 17.30 Uhr an, als das Glöckchen an meiner Rute bimmelte. Irritiert schaute ich schaute zur Rutenspitze und dann auf
die Rolle. Vielleicht hatte ich mich ja verhört? Aber nein, tatsächlich ging auch die Bremse. Als ich bei der Rute war, trat wieder Ruhe ein.
Gespannt starrte ich abwechselnd auf die Rutenspitze und die Rolle. Da, schon wieder wurde Schnur von der Rolle gezogen. Leise
schleichend ging ich zur Rute, schaltete den Freilauf aus, nahm die Rute hoch und schlug an. „Achim! Ich habe einen Fisch am Haken. Scheint kein Kleiner zu sein“, rief ich ihm zu. Als Antwort kam: „Ich auch!“
Vorsichtig und gefühlvoll drillte ich den Fisch zum Ufer. Ich spürte noch wie der Fisch sich im Wasser drehte, dann erschlaffte die Schnur.
„Was war denn das? Das gibt’s doch nicht. Der Fisch ist ab!“ Als ich die Montage anschaute stellte ich fest, dass wieder einmal der
Haken vom Vorfach abgegangen war. Schimpfend ging ich zu Achim um ihm von meinem Pech zu berichten: „So ein Mist. Es war wieder
mal der Haken, den ich auch am Neckar genommen habe. Da ist mir doch auch ein Fisch abhanden gekommen, weil er vom Vorfach abging.“
„Warte. Ich gebe dir gleich mal einen guten. Damit habe ich gerade die dicke Brassen und auch die anderen gefangen. Der hält was aus.“
Ich nahm den Haken und steckte einen Tauwurm und 2 Dendrobenas drauf. Immer noch wütend über den misslungenen Fang warf ich
den Köder aus. Kurz darauf bemerke ich einen Biss. „Jetzt nur nicht hektisch werden“, beruhigte ich mich. „Den Fisch will ich auf jeden Fall landen!“
Ich schaute mehr als irritiert, als ich das komische Wesen am Haken sah. So einen Fisch hatte ich noch nie gefangen und ehrlich gesagt,
wusste ich auch nicht, was es für einer war. Erst als ich in meinem Angelbuch nachschaute, wurde mir klar, dass es sich um eine Grundel handeln musste.
Gegen halb Acht fing es erneut zu regnen an. Rund um unsere Angelplätze raubte es, aber für unsere Köder interessierte sich kein Fisch
mehr. Wir blieben noch eineinhalb Stunden sitzen, dann packten wir unsere Sachen zusammen.
Sicher lag es an der vielen frischen Luft, die ich die letzten Tage eingeatmet hatte, dass ich am Dienstag (21.08.) fast drei Stunden länger
als sonst schlief. Als ich gegen 9.30 Uhr nach draußen schaute, waren zwar ein paar Wölkchen am Himmel aber es versprach ein schöner trockener Tag zu werden.
Gegen Mittag brachten wir unsere Angelsachen zum Wasser. Dieses Mal tauschte Achim seinen Platz gegen meinen, denn er wollte, dass
auch ich ein paar dicke Brassen fing. Sein Bedarf an diesen schleimigen Fischen war gedeckt.
Während ich auf einen Biss wartete wünschte ich mir jedoch keine Brasse sondern eher einen Karpfen am Haken. Bisher war die
Ausbeute an interessanten Fischen recht mager gewesen. Ich wünschte, wir wären wieder am Neckar. Dort konnten wir praktisch die
Uhr stellen, wann die verschiedenen Fische bissen. Hier war alles anders. Sicher wäre das Angeln in der Donau selbst auch interessanter
gewesen, aber dazu hätten wir wiederum erst unsere Angelsachen ins Auto packen und dann eine Angelstelle suchen müssen. In Rockenau lag uns der Neckar sozusagen zu Füßen.
Warum ging hier nicht einmal ein Aal, ein Karpfen, ein Zander oder ein Wels an den Haken? Immer nur Rotfedern, Lauben und Brassen! Langweilig.
Achim hatte seine Feederrute mit Futterkorb ausgeworfen und probierte zwischendurch mit einem kleinen Spinner an der Spinnrute einen der Räuber zu erwischen.
Der Angelplatz selber lag schön ruhig, weit ab von irgendwelchen Fremden, die vorbei kommen und dumm fragen: "Na, beißen sie denn
auch?" - aber ansonsten war ich enttäuscht. Auf der Sandbank gegenüber tummelten sich Enten, Möwen, Wasserhühner und ab und zu auch der Schwan mit seinen 4 Jungen.
Frustriert holte ich die Schwingspitzrute wieder rein und kontrollierte den Köder. Wie ich mir schon gedacht hatte, waren alle Würmer
abgefressen, ohne dass ich davon etwas bemerkt hatte. Dieses Mal steckte ich sogar 7 Dendrobenas auf den Haken. "Damit muss doch
etwas gehen! Schließlich machen die Würmer unter Wasser doch Radau und locken die Fische an. Sollten sie jedenfalls", ging es mir durch den Kopf.
Von unseren Vermietern erfuhren wir, dass unsere "Vorgänger" viele Fische gefangen und mitgenommen hätten. "Die ganze Kühltruhe
war voller Fischfilet." Ich überlegte: "Na, was können die schon gefangen haben? Sicher haben sie Brassen mitgenommen. Die gibt es hier
schließlich massenweise. Brassen sollen ja sehr gut schmecken - habe ich gehört. Aber bisher habe ich mich geweigert, eine mitzunehmen
." Als ich einen Blick zum Himmel warf sah ich, dass dunkle Wolken aufzogen. Aber nach Regen sah es nicht aus. Immer wieder
sprangen um unsere Angelplätze herum große Fische aus dem Wasser. Natürlich hielten sie sich dort auf, wo wir mit unseren Ruten nicht
hinkamen. Entweder waren sie zu weit draußen oder aber es stand ein Baum im Wege. Sch...
Die erste halbe Stunde fütterte ich mit Boilies und Hundefutter an. Kurz darauf fing Achim eine kleine Nase, die er vorsichtig wieder zurücksetzte.
Gelangweilt nahm ich meinen Thriller zur Hand und fing zu lesen an. Plötzlich ertönte das Glöckchen an der Feederrute. Und auch die
Schwinge der anderen Rute schnellte nach vorne. Bisse an beiden Ruten? Das konnte nicht sein. Oder doch? Das Glöckchen gibt keinen weiteren Ton von sich, aber die Schwinge bewegt sich weiterhin.
Verdammt du blöder Fisch! Jetzt pack doch mal richtig zu! Sicher ist ihm der Haken zu groß und deshalb zieht er nur vorsichtig an den Würmern, denke ich. Und weiter: Wie gerne würde ich mal
wieder einen Waller oder auch einen Aal fangen. Aber gibt es die hier überhaupt? Achim gingen nicht mehr so viele große Brassen an den Haken. Gegen 13.30 Uhr fing er eine größere Rotfeder.
Ich holte die Feederrute rein und wechselte den Futterkorb gegen ein 60 Gramm Blei aus. Etwas trotzig dachte ich, dass ich keine schleimige Brasse fangen will. Und tatsächlich fing ich kurz darauf keine Brasse.
Aber über die kleine Rotfeder war ich auch nicht gerade begeistert. Also holte ich erneut den Futterkorb aus meiner Angelkiste und füllte ihn mit Feederfutter.
Nach einiger Zeit kontrollierte ich die Schwingspitzrute. Natürlich waren sämtliche Würmer wieder abgefressen. Ich bestückte den Haken
mit einem Tauwurm und 6 Dendrobenas. Eigentlich hätte ich viel lieber meinen Thriller weiter gelesen, aber wenn ich die Schwinge nicht beobachte, verpasse ich die Bisse.
Als sich die nächsten 20 Minuten nichts tat lies ich das Angeln Angeln sein und widmete mich wieder meinem Thriller. Doch ich schaffte
es nicht einmal zwei Seiten zu lesen, weil das Glöckchen heftig bimmelte und auch Schnur von der Rolle gezogen wurde. Ich wartete
dieses Mal nicht, sondern nahm die Rute, schlug an und drillte – wie konnte es anders sein? – die nächste dicke Brasse.
Vielleicht sollte ich es einmal mit einem Boilie am Haken versuchen? Oder doch lieber mit Fischfetzen? Ich wusste einfach nicht mehr
weiter. Warum gelang es mir nicht einen dieser Räuber zu bekommen, die rund um uns herum den kleineren Fischen nachjagten?
Da ich absolut keine Brasse mehr fangen wollte, packte ich den Futterkorb wieder zur Seite. Und auch den Madenhaken tauschte ich gegen einen größeren Wurmhaken aus. Sollen sie doch die Würmer runter fressen!
Eine Stunde lang passierte absolut nichts. Mein Thriller wurde immer spannender. Ich vergaß alles um mich herum. Auf einmal wurde ich
durch das Bimmeln des Glöckchens in meiner Lektüre unterbrochen. Ich schaute zur Spitze – nichts! Aber was war das? Auch die
Schwinge bewegte sich. Endlich einmal etwas Vernünftiges, dachte ich vergnügt. Doch als der Fisch in die Nähe des Ufers kam und ich sah, dass es schon wieder eine Brasse war, wäre ich fast ausgerastet.
Es reichte mir! Statt Würmer nahm ich eine tote Laube und steckte sie auf den Haken. Wenn sich dafür einer interessieren sollte – wie schön, wenn nicht, auch egal.
Gegen Abend wurde es zunehmend schwüler. Die Sonne schien durch diesige Wolken. Achim hatte inzwischen seine lange Hose und
auch seine Schuhe ausgezogen und lief in T-Shirt und Slip herum. Ab und zu trat er im Gras auf einen Haken, den unsere Vorgänger einfach hatten liegenlassen. Schöne Schweinerei!
Wie nicht anders zu erwarten, drillte Achim in seiner Sommerbekleidung die nächste Brasse. Auch ihn frustrierte es inzwischen, dass wir keine anderen Fische fingen. Aber es war nun einmal nicht zu ändern.
Links von meinem Angelplatz stand eine große Weide. Immer wenn ein Schwarm Lauben dort vorbei zog schoss der Räuber hervor und
sie sprangen in Panik aus dem Wasser. Leider war es nicht möglich den Köder dort hin zu werfen, weil ein großer trockener Ast im Wege stand.
Die Idee mit der toten Laube am Haken war wohl für die Katz. Welcher Fisch sollte sich auch schon dafür interessieren?
Direkt neben meinem Stuhl wachsen Kleeblätter. Plötzlich fiel mir ein 4-blättriges auf. Ich pflückte es, legte es zwischen die Seite des Romans und überlegte, ob es mir wohl Glück bringen würde.
Da es immer schwüler wurde, entledigte nun auch ich mich meiner langen Hose. Zwei Angler in Unterwäsche! Was musste das für ein Anblick sein?
Gegen 17.30 Uhr entschloss sich Achim einen Köderfisch mit Hilfe unseres Bootes in die Nähe der Insel zu bringen. Während er immer
weiter ruderte beobachtete ich ob noch genügend Schnur auf der Rolle war. Aber sie reichte aus. Gemütlich ruderte Achim zurück zu seinem Angelplatz.
Als wir das Boot wieder auf der Wiese hatten, ging ich zurück zu meinen Ruten. An der Feederrute waren alle Würmer bis auf einen
kleinen Fetzen abgefressen. Wieder bestückte ich den Haken mit neuen Würmern in der Hoffung, endlich einmal einen Aal oder einen anderen Fisch an den Haken zu bekommen.
Während ich meine Schwinge und die Spitze der Feederrute beobachtete, kam von rechts ein Boot angefahren. Normalerweise kommen
dort keine Boote vorbei, aber dieses hat sogar einen Motor! Uns wurde gesagt, und so stand es auch auf dem Erlaubnisschein, dass
Boote mit Motor auf dem Altwasser verboten sind. Achim rief ihnen zu, dass er in ihrer Fahrtrichtung eine Montage im Wasser hätte. Als sie das hörten drehten sie Gott sei Dank wieder ab.
Nachdem sie aus meinem Blickfeld verschwunden waren konzentrierte ich mich wieder auf meine Ruten. Das konnte doch nicht sein!
Hatte ich mich verguckt oder bewegte sich die Schwinge tatsächlich nach vorne? Da, schon wieder. Gespannt wartete ich darauf, dass
Schnur von der Rolle gezogen wurde. Doch dem war nicht so. Nach 15 Minuten holte ich die Köderfischmontage rein. Eigentlich wollte
ich den Köderfisch teilen, aber das war nicht mehr nötig, denn die Hälfte war abgefressen! Wer hatte sich darüber hergemacht? Nach
dem zaghaften Ausschlagen der Schwinge vermutete ich, dass ein Krebs der Räuber gewesen war. Laut Erlaubnisschein durften Krebse
(auch Edelkrebse!) ab einer Länge von 12 cm mitgenommen werden. Aber das musste nicht unbedingt sein. Viel lieber hätte ich einen Zander am Haken.
Ich warf den halben Köderfisch erneut an die gleiche Stelle aus und beobachtete gespannt die Schwinge. Aber es tat sich nichts. Ruhig
hing sie da. Das heftige Bimmeln des Glöckchens durchbrach plötzlich die Stille. Meinen Blick auf die Rolle geheftet wartete ich darauf,
dass die Bremse geht. Als das Bimmeln nicht aufhörte schaltete ich den Freilauf aus, nahm ich die Rute hoch und schlug an. Sofort spürte
ich dass ein Fisch am Haken hing. Das ist sicher wieder eine Brasse, dachte ich. Doch es fühlte sich anders an. Was konnte das wohl sein
? Vorsichtig, damit ich den Fisch nicht verliere, drillte ich ihn zum Ufer. Kurz vorm Ufer erkannte ich, dass es ein Aal war, der sich das
Wurmbündel hatte schmecken lassen. Sein Pech! Warum musste er das Maul auch so voll nehmen. „Schatz! Schau mal was ich gefangen habe“, rief ich erfreut. „Ein Aal! Ein richtiger Aal. Endlich einmal keine Brasse.“
Sofort war Achim bei mir: „Gratuliere mein Schatz.“
Ich verzichtete auf den Kescher weil Aale so schleimig sind und hob ihn ans Ufer, was ihm gar nicht gefiel. Mit aller Kraft versuchte er
sich vom Haken zu befreien. Achim schoss schnell ein Foto von uns beiden, dann verstaute ich den Aal im Köderfischeimer. Ich
versicherte mich, dass der Deckel des Eimers fest verschlossen war, damit er nicht – wie am Neckar geschehen – wieder abhauen konnte.
Zufrieden ging ich zu meiner Rute zurück, beköderte sie erneut mit Tauwurm und Dendrobenas und warf aus. Kaum landete der Köder
im Wasser bimmelte schon wieder die Glocke. Dieses Mal bog sich nicht nur die Spitze Richtung Wasser, nein, fast wäre die ganze Rute
hineingezogen worden. Mit einem Sprung war ich bei ihr und hielt sie fest. Während ich die Montage rein holte war ich gespannt, wer
nach dem Köder geschnappt hatte. Doch irgendetwas stimmte nicht. Es fühlte sich nicht so an, als wenn ein Fisch dran wäre. Im selben
Moment fiel mir ein, dass ich vor Schreck vergessen hatte anzuschlagen. So konnte natürlich kein Fisch gehakt haben. Enttäuscht schaute
ich mir das angefressene Wurmbündel an und warf es wieder aus. Im selben Moment rief Achim mir zu, dass er einen Fisch am Haken
hätte. Um nicht immer wieder Brassen zu fangen hatte er dieses Mal mehrere Maiskörner auf den Haken gezogen. Doch was hing am Haken? Natürlich wieder einmal eine Brasse!
An diesem Abend war es unser letzter Fang. Um 21 Uhr packten wir unsere Sachen zusammen und brachten sie in die Garage.
„Schatz, was hältst du von einem Teller Erbsensuppe mit Würstchen?“ fragte ich ihn, als wir in der Wohnung waren. „Hm, klingt nicht schlecht“ antwortete er.
Während Achim uns ein Hefebier eingoss bereitete ich unser Abendessen vor. Wir schauten uns noch eine Dokumentarsendung an und
gingen gegen 23 Uhr zu Bett. Ich war gerade am Einschlafen, als ich bemerkte, dass Achim wieder aufstand. „Schatz, was ist los?“
„Mir ist schlecht“ hörte ich ihn sagen, dann stürmte er ins Bad. Als er nach einigen Minuten zurück ins Schlafzimmer kam erzählte er, dass
er die Erbsensuppe wieder von sich gegeben hätte. Zuletzt sei jedoch nur noch Blut gekommen! „Was hast du gesagt? Blut?“ fragte ich erschrocken und saß senkrecht im Bett.
„Ja. Aber jetzt geht’s mir besser. Leg dich wieder hin und schlaf.“ „Ich kann jetzt nicht schlafen. Es ist doch nicht normal, dass man Blut spuckt!“
Als wenn es das Normalste der Welt wäre antwortete Achim: „Ist doch schon okay. Ich bin müde. Leg dich hin und schlaf. Wenn du nicht schläfst, kann ich es auch nicht.“
Gehorsam legte ich mich wieder hin, aber an Schlaf konnte ich nicht denken. Es dauerte auch keine 5 Minuten, da stand er schon wieder auf. Mit den Worten „Ich muss pupsen“ verschwand Achim erneut im Bad.
Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich überlegte krampfhaft, was ich tun sollte. Als Achim nach 3 Minuten nicht zurück ins Bett kam stand ich auf, nahm mein Handy zur Hand und rief 112 an.
Zuerst meldete sich die Polizei. Nachdem ich mein Problem geschildert hatte, wurde ich mit der Rettungsleitstelle in Passau und dann mit
der Notärztin verbunden. Noch einmal schilderte ich um was für einen Notfall es ging, dann wurde ich gefragt, von wo ich anriefe. Vor
lauter Aufregung konnte ich nur antworten: „Aus Windorf. In der Nähe der Feuerwehr.“ „Sie müssen mir schon die Strasse nennen.“
In diesem Moment kam Achim aus dem Bad. „Schatz, weißt du wie die Strasse hier heißt?“ „Ja. Das ist die Passauer Strasse“, antwortete er. „Warum willst du das wissen?“
“Ich habe die 112 angerufen. Musstest du noch einmal brechen?“ “Nein“, antwortete er. „Jetzt habe ich auch noch Durchfall bekommen.“
Ich konzentrierte mich weiter auf das Telefongespräch, gab die Adresse an und sagte, dass ich draußen auf der Strasse auf den Notarztwagen warten würde.
Schnell zog ich mir meine Freizeitsachen an, steckte mir eine Zigarette an und ging auf die Strasse. Ich hatte die Zigarette gerade ausgeraucht, als ich den Notarztwagen mit Blaulicht kommen sah.
Zusammen mit der Notärztin und ihrem Helfer ging ich zu Achim in die Wohnung. Während ich in der Küche saß und dem Arzthelfer die
persönlichen Daten mitteilte, untersuchte die Notärztin Achim. Dann ging alles sehr schnell. Plötzlich war Achim aus der Wohnung
verschwunden. Ich ging die Treppe hinunter und sah, dass er im Rettungswagen lag, der inzwischen ebenfalls vor dem Haus stand. „Wir müssen Ihren Mann nach Vilshofen ins Krankenhaus bringen“, sagte mir die Ärztin.
Ich fragte, ob ich mitfahren könnte. „Natürlich“ war die Antwort. Ich rannte schnell in die Wohnung, zog mir Schuhe an, schnappte mir meine Handtasche, löschte das Licht und schloss die Wohnungstür
hinter mir. Während der Fahrt ins Krankenhaus merkte ich mir die Strecke, die der Rettungswagen fuhr. Gegen 0.30 Uhr kamen wir im
Krankenhaus an. Achim wurde von der Trage in ein Bett gelegt und in ein Mehrbettzimmer auf Station 1 gefahren. Dann kam eine
Schwester und überprüfte Puls, Blutdruck und Temperatur. Die Werte waren alle okay. Schon im Rettungswagen hatte er eine Infusion
bekommen, doch als ihm wieder übel wurde, bekam er eine weitere Tropfflasche. Einige Minuten später kam die Ärztin und untersuchte
ihn erneut. Für den Fall einer Notoperation wurde seine Lunge geröntgt und ein EKG gemacht. Als er zurück im Zimmer war meinte die
Nachtschwester, ich solle mich doch schlafen legen, denn da die Werte stabil seien, würde erst am nächsten Morgen eine
Magenspiegelung gemacht. Zuerst weigerte ich mich, doch nachdem ich eine Tasse Tee getrunken hatte, die mir die Nachtschwester
freundlicherweise brachte, ließ ich mir ein Taxi rufen und fuhr gegen 3 Uhr zurück in die Ferienwohnung.
Ich ging ins Schlafzimmer, holte mein Kissen und die Bettdecke und legte mich damit aufs Sofa. Da ich die Stille in der Wohnung nicht
aushielt und an Schlafen nicht denken konnte, schaltete ich den Fernseher ein. Ich kochte mir einen starken Kaffee, schaute mir ein paar
alte Schnulzen an und schaute immer wieder auf die Uhr. „Hoffentlich ist es bald 7 Uhr, das ich wieder zu Achim kann“, dachte ich.
Um 6.30 Uhr hielt mich nichts mehr in der Wohnung. Ich stieg in mein Auto und fuhr zum Krankenhaus. Als ich in das Zimmer kam, wo Achim lag, schaute er mich erstaunt an: „Was machst du denn schon so früh hier?“
“Ja glaubst du denn ich hätte schlafen können? Ich will wissen, was mit dir los ist. Und jetzt bleibe ich bei dir und warte auf das Ergebnis.“
Ein Pfleger kam und schob Achim in ein anderes Zimmer. Gegen 8.30 Uhr wurde er zur Magenspiegelung gefahren. Ich verließ das
Krankenzimmer, ging zu meinem Auto, setzte mich hinein und rief in Lippstadt bei meiner Schwägerin an. Noch völlig durcheinander
schilderte ich ihr, was in der Nacht geschehen war. Meinem Schwager und meiner Tochter hatte ich noch in der Nacht eine SMS geschickt.
Nachdem ich eine weitere Zigarette geraucht hatte ging ich wieder zurück in das Krankenzimmer. Achim war inzwischen wieder da und wach. „Weißt du schon was du hast?“ fragte ich ihn.
„Ja. Ich muss 14 Tage bleiben“ antwortete er schläfrig. Vor Schreck wäre ich fast auf den Boden gefallen. Während ich mich krampfhaft am Stuhl festhielt schossen mit innerhalb von Sekunden
tausend Fragen durch den Kopf: Wie sollte ich das Boot alleine aufs Autodach bekommen? Und überhaupt, wie sollte ich die ganzen
Sachen ins Auto bekommen? Packen war alleine Achims Sache. Wenn er stationär behandelt werden musste, dann würde ich dafür
sorgen, dass er nach Bielefeld ins Krankenhaus verlegt würde. Hatten wir nicht eine private Krankenversicherung? Würde die auch die Transportkosten übernehmen?
Achim riss mich aus meinen Grübeleien: „Keine Bange. Es ist nichts Schlimmes. Ich kann heute Mittag wieder nach Hause.“ Dann schloss er die Augen und schlief wieder ein.
Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte verließ ich erneut das Krankenzimmer und spazierte durch den Krankenhausgarten. Dort ließ ich meinen Tränen freien Lauf.
Ich haderte mit meinem Schicksal: War es nicht schon schlimm genug gewesen, dass meine Schwester im April starb? Und dass nun auch
noch mein Vater an Krebs erkrankt ist? Warum musste jetzt auch noch Achim krank werden? Wie soll ich dass alles durchhalten? Wenn
dieser Stress nicht bald ein Ende hat, breche ich zusammen. Kein Wunder, dass ich den Tinnitus nicht loswerde.
Immer wieder ging ich zurück zu Achim und wartete darauf, dass er endlich richtig wach würde. Doch die Schlafspritze wirkte noch immer.
Es war schon fast 13 Uhr, als wir zusammen das Krankenhaus verließen und zurück nach Windorf fuhren. Vorher hatte uns die Ärztin
eingeschärft, dass Achim sofort zurück ins Krankenhaus müsste, falls erneut Blutungen auftreten würden.Am liebsten hätte ich sogleich
alles zusammengepackt und den Urlaub abgebrochen. Aber Achim meinte, es ginge ihm bestimmt bald besser und wir sollten nichts überstürzen.
In Windorf hielten wir am Landgasthof an, setzten uns in den Biergarten und aßen etwas. So richtigen Appetit hatte Achim noch nicht, aber mir hing der Magen bis auf die Knie.
Ich fühlte mich total geschafft, was kein Wunder war, denn schließlich hatte ich die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Deshalb legten wir
uns sogleich ins Bett als wir in der Wohnung waren. Um 18.30 Uhr stand ich ausgeruht und relativ erholt wieder auf. Ich schaute mir im
Fernsehen das Fußballspiel der Frauen an und ließ Achim noch etwas schlafen. Als das Freundschaftsspiel England gegen Deutschland anfing war auch Achim auf.
Den ganzen Tag schien die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Die Temperaturen waren auf sommerliche 26° C geklettert. Und
Deutschland besiegte England im neuen Londoner Stadion mit 2:0. Es hätte so ein schöner Tag sein können!
In der Nacht schlief ich zwar ganz gut, aber mit einem Ohr horchte ich, ob es Achim auch tatsächlich wieder gut ging. Gegen 7.30 Uhr
hielt ich es im Bett nicht mehr aus und stand auf. Ich schaute aus dem Fenster und war enttäuscht, dass es so diesig war. Man konnte
kaum bis zum Altwasser gucken. Ich überlegte, ob ich schon einmal unsere Angelsachen zum Wasser bringen sollte (schließlich hatten wir
nur noch an 2 Tagen die Möglichkeit zum Angeln!), ließ es dann aber doch sein. Stattdessen las ich, während Achim noch schlief, in
meinem Thriller weiter. Gegen 9 Uhr rief mein Schwager an und fragte, ob er zusammen mit Heike nach Windorf kommen soll. Ich
bedankte mich für sein freundliches Angebot, sagte aber dass es Achim schon besser ginge und wir nun doch erst am Samstag zurückkommen würden.
Ich hatte gerade die zweite Kanne Kaffee gekocht, als Achim in die Küche kam. „Na mein Schatz. Wie geht es dir? Wollen wir gleich ans Wasser?“ fragte ich ihn.
Er schüttelte den Kopf: „Ich weiß noch nicht, ob ich heute angeln werde. Es geht mir zwar schon besser, aber ich fühle mich noch nicht so richtig gut.“
„Meinst du denn, dass wir nach Passau fahren und uns die Stadt ein wenig ansehen können?“ fragte ich zurück. „Ja. Das wird gehen.“
Gegen 11.30 Uhr saßen wir im Auto und fuhren zur Dreiflüsse-Stadt Passau. Unterhalb der Burganlage Niederhaus (die Veste war das
Oberhaus zur Zeit der Fürstbischöfe) fließen links die Ilz und rechts davon der Inn in die Donau. Das Wasser des Inns, das von den
Alpen kommt, ist grün, das der Donau blau und das der aus dem Moorgebiet kommenden Ilz ist schwarz.
Wir parkten unseren Wagen in einer Tiefgarage in der Nähe der Schanzlbrücke. Dann bummelten wir über den Bratfischwinkel und der
Kl. Klingergasse zum Domplatz. Der St. Stephans Dom ist sozusagen die Mutterkirche des Donau-Ostens. Wir setzten uns ein paar
Minuten auf eine Bank und ruhten uns aus. Der prunkvolle Dom steht am höchsten Punkt der Passauer Altstadt.
Er wurde nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahre 1662, als er fast völlig abgebrannt war, wieder aufgebaut. Im Dom steht die
größte Domorgel der Welt. Da sich sehr viele Touristen vor dem Dom befanden, verzichteten wir auf eine Besichtigung. Unser Weg
führte uns über viele Stufen zur Inn. Wir bummelten die Innpromenade lang und waren bald an der Spitze bzw. dem Dreiflüssedreieck.
An dieser Stelle sah es aus, als wenn nicht der Inn in die Donau, sondern die Donau in den Inn fließen würde.
Ein Stückchen weiter, an der Anlegestelle 1 für Kreuzfahrtschiffe, sahen wir einen Angler sitzen. Er hatte seinen Köder in Richtung
Zusammenfluss von Donau und Inn geworfen und wartete auf einen Biss. Wir bemerkten, dass sich ein Fisch für den Köder interessierte.
Aber der Angler wartete und schlug nicht an. Endlich hob er seine Rute hoch und schlug so kräftig an, dass der Fisch einfach ausschlitzen
musste. Als er die Montage aus dem Wasser hob war, wie konnte es auch anders sein, kein Fisch am Haken. Verdutzt schaute er drein. Als er den Haken neu beköderte und die Montage auswarf gingen wir grinsend weiter.
Ich schaute nach links und sah plötzlich einen Angelladen. „Achim, komm. Da ist ein Angelladen. Wir brauchen doch noch ein paar
Maden. Lass uns reingehen.“ Ich drückte auf die Türklinke, aber es war abgeschlossen. Enttäuscht sah ich, dass der Laden bereits um 12 Uhr schloss. Wir waren um ganze 10 Minuten zu spät gekommen.
Wir gingen zurück zur Fritz-Schäffer-Promenade und bummelten weiter. In der Traditionsgaststätte Ratskeller setzten wir uns in den
Biergarten. Ich bestellte mir ein „normales“ Hefebier und Achim ein Leichtes. Während wir genüsslich unser Hefebier tranken kam das
Kristallschiff vorbei gefahren. Es wurde am 5. Mai d.J. von Fiona Swarovski getauft und verkehrt im Sommer dreimal täglich im bayrisch
-oberösterreichischen Donautal. Leider hatten wir nicht genügend Zeit, aber eine Fahrt auf diesem interessanten Schiff würde mich schon mal reizen.
Neben uns hatten sich Gäste einen Schweinebraten bestellt, dessen Duft verlockend in meine Nase stieg. Achim jedoch verursachte es
Übelkeit und so gingen wir ohne etwas gegessen zu haben weiter. Vorher fragte ich an der Theke nach, ob ich ein Weißbierglas käuflich
erwerben könnte. Der Preis war zwar etwas übertrieben, aber ich kaufte es trotzdem für 3 €.
Wir schlenderten auf dem Bratfischwinkel zurück und waren bald wieder am Parkhaus. Wir überquerten die Schanzlbrücke und fuhren zurück nach Windorf.
Kaum waren wir in der Ferienwohnung hielt ich es vor Hunger nicht mehr aus. Ich schmierte uns ein paar Butterbrote, auf die auch Achim
inzwischen Appetit hatte. Während er es sich auf dem Sofa bequem machte, zog ich mir meine Angelsachen an und brachte schon einmal alle erforderlichen Dinge zum Angelplatz.
Die Sonne schien gnadenlos vom Himmel, so dass ich meinen Stuhl etwas abseits von meinen Ruten in den Schatten stellte. Als Achim
kurz danach ebenfalls zum Wasser kam setzte er sich neben mich. Außer einer Brasse und einer Rotfeder, die jeder von uns fing, ging Achim noch ein Kaulbarsch an den Haken.
Gegen 18.30 Uhr zogen die ersten dunklen Wolken auf. Kein Lufthauch war zu spüren und rundherum herrschte totale Stille. Eine halbe
Stunde später fing es zu regnen an. In der Ferne sahen wir die ersten Blitze am Himmel.
Meine Feederrute hatte ich gegen eine 3,60 m Grundrute mit Kampfbremse ausgetauscht. Ich wählte einen Zanderhaken und steckte ein
Stück Fischfetzen drauf. Kurz nachdem ich den Köder ausgeworfen hatte bemerkte ich ein Zupfen. Zuerst glaubte ich, dass ich mich verguckt bzw. geirrt hätte, doch schon wieder bemerkte ich einen Zupfer.
Achim kontrollierte gerade seine Ruten als ich ihm zurief: „Achim, hier zieht einer am Fischfetzen.“
Kurz darauf stand Achim mit der Kamera in der Hand neben mir. Er wollte gerade wieder an seinen Platz gehen, als auch er den Zupfer
bemerkte. Ich nahm die Rute hoch und wartete nicht mehr sondern schlug sofort an. Aber es war kein Fisch am Haken. „Du hättest warten sollen bis der Fisch damit abzieht“, meinte Achim.
„Das ging doch nicht. Ich habe keine Freilaufbremse. Das ist die Shimanorolle mit Kampfbremse.“ „Schade. Na gut, dann musst du eben den Bügel aufmachen.“
Ich beköderte den Haken neu und warf ihn an die gleiche Stelle. Als Bißanzeiger hängte ich ein Glöckchen in die Schnur. Wenn ich
vermerken sollte, dass sich ein Fisch für den Köder interessierte, so dachte ich, würde ich den Bügel aufmachen so dass er mit dem
Köder abziehen kann. Doch soweit kam es nicht mehr, denn plötzlich setzte starker Regen ein. Schnell packten wir unsere Sachen zusammen und flüchteten in die Ferienwohnung.
Die ganze Nacht hatte es geregt. Als ich morgens um 7 Uhr aus dem Fenster schaute war es sehr diesig. In aller Ruhe trank ich eine
Tasse Kaffee und las in meinem Thriller weiter. Nach einer Stunde überlegte ich, ob ich nicht schon unsere Angelsachen zum Altwasser
bringen sollte. Schließlich blieb uns nicht mehr viel Zeit zum Angeln. Am späten Nachmittag mussten sie im Auto sein, denn am nächsten Tag stand die Rückfahrt bevor.
Ich schlich mich leise ins Schlafzimmer, zog meine Angelsachen an und brachte schon einmal meine Gerätekiste und den Eimer mit den
Boilies und dem Hundefutter zum Wasser. Dann ging ich wieder in die Wohnung, kochte eine weitere Kanne Kaffee und füllte ihn in
meine Thermoskanne um. Aus der Garage holte ich meine Rutentasche und machte mich erneut auf den Weg zum Wasser. So langsam
lichtete sich der Nebel, aber die Sonne ließ sich immer noch nicht sehen. Über dem Wasser flogen die Schwalben und schnappten nach
Insekten. Außer einigen Rapfen (oder waren es Hechte?) die raubten waren kaum Bewegungen auf dem Wasser zu sehen. An den Haken der Schwingspitzrute steckte ich einen Tauwurm und ein paar Dendrobenas.
Statt eines Futterkorbes wählte ich ein 40-Gramm-Blei für die Feederrute. Auf den Haken steckte ich 3 Maden. Dann setzte ich mich auf
meinen Stuhl, holte meinen Thriller aus der Tasche und las darin. Es waren nur noch 150 Seiten bis zum Ende. Über eine Stunde tat sich absolut nichts. Nicht einmal einen Zupfer konnte ich bemerken.
Bevor ich die Wohnung verließ hatte ich das Walkie Talkie eingeschaltet und auf den Wohnzimmertisch gelegt. Ich beköderte gerade den
Haken der Feederrute neu als sich Achim meldete: „Guten Morgen, mein Schatz. Bist du schon am Wasser? Tut sich was?“ fragte er. „Bisher nicht.“ „Ich dusche jetzt und dann komme ich auch.“
Ich wechselte das Blei wieder gegen einen Futterkorb aus und warf aus. Keine 3 Minuten waren vergangen, als das Glöckchen bimmelte.
Sogleich ging auch Schnur von der Rolle. Ich nahm die Rute hoch, schlug an und wunderte mich überhaupt nicht, als ich wieder einmal eine Brasse landete.
„Scheiße. Immer nur diese blöden Brassen“, schimpfte ich. „Nun schimpf doch nicht. Besser eine Brasse als gar keinen Fisch“ hörte ich plötzlich Achim hinter mir sagen.
„Hallo, mein Schatz. Stimmt zwar, aber ich hätte doch so gerne mal einen Karpfen oder einen weiteren Aal gefangen. Jetzt sind auch noch die Maden alle.“
Statt eines Wurmbündels steckte ich eine halbe Made auf den 12er Haken. Kurz darauf landete ich – wie konnte es auch anders sein – die nächste Brasse!
Achim hatte ebenfalls einen Fisch am Haken, und zwar eine Grundel.
Inzwischen ließ sich die Sonne wieder blicken und es wurde so warm, dass ich mich wieder in den Schatten verzog. Kurz nach 13 Uhr
bekam ich eine Meldung auf Tauwürmer. Als ich sah, dass Schnur von der Rolle gezogen wurde, stand ich auf, schaltete den Freilauf aus
und schlug an. Dieses Mal, dass spürte ich sofort, war keine Brasse am Haken. Aber was konnte das wohl sein? Gespannt und vorsichtig
drillte ich den Fisch zum Ufer. Als ich ihn aus dem Wasser hob fiel mir zuerst auf, dass er kaum Schuppen hatte. Irgendwie sah er
komisch aus? Ich rief Achim zu: „Schatz, komm doch mal. Ich habe einen komischen Fisch gefangen.“ Achim grinst mich an: „Weißt du nicht mehr wie ein Waller aussieht?“
Verdutzt schaute ich erst ihn und dann den Fisch an. Es war tatsächlich ein Wels! Wieso hatte ich ihn nicht sofort erkannt? Wahrscheinlich weil ich mit einem Wels niemals gerechnet hätte.
„Na siehst, du mein Schatz, da hast du ja doch noch deinen Waller gefangen. Wenn es auch nur ein kleiner ist. Aber es ist immerhin ein Wels.“
Für den Abschluss war es wirklich ein schöner Fang. Kurz darauf hatte ich keine Lust mehr zum Angeln und wir packten unsere Sachen zusammen.
Zuerst fuhren wir nach Vilshofen und brachten das Leergut zurück zum Getränkeladen. Dann fuhren wir nach Windorf zurück, stellten
unser Auto auf dem Hof ab und gingen zu Fuß zum Restaurant „Zum Goldenen Anker“. Wir setzten uns in den Biergarten und genossen die letzten Stunden unseres Urlaubs.
Dann hieß es den Wagen zu beladen. Am späten Nachmittag waren alle Sachen wieder im Auto verstaut. Die letzten Stunden an diesem
Freitag verbrachten wir vor dem Fernseher. Am Samstagmorgen klingelte gegen 7 Uhr der Wecker. In aller Ruhe packten wir die
restlichen Sachen ein, verabschiedeten uns von den netten Vermietern und machten uns gegen 9.30 Uhr auf den Heimweg.
Ade schöne blaue Donau. Vielleicht kommen wir ja noch einmal wieder. Aber nur, wenn keine Brassen da sind!!!
Oerlinghausen, den 06.09.2007
hier gehts weiter zum 6.Teil Angelerlebnisse 2007..........
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