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Angelerlebnisse 2003
Teil 2
Spiegelkarpfen im Doppelpack
Anfang der Woche rief Lutz (ein Arbeitskollege und Freund von Achim) an und sagte ihm, dass er und Heidi (seine Partnerin, die ich bislang noch nicht kennengelernt hatte) uns einmal beim
Angeln zuschauen wollten. Vor einiger Zeit, als es tierisch heiß war, hatten sie ganz in unserer Nähe eine wunderschönen „Badesee“ gefunden, bei dem es
sich, wie sich dann rausstellte, um den Sennesee handelte, wo Baden, Bootfahren und Campen ausdrücklich untersagt bzw. verboten ist. Hier, an diesem See, wollten wir
uns am Wochenende treffen. Unser Angelfreund Willi wollte am Wochenende ebenfalls angeln und fragte, ob wir auch Lust hätten. Klar hatten wir die! Wir sagten
ihm, dass wir uns mit Lutz und Heidi am Freitagabend am Sennesee verabredet hätten. Wenn er dort auch angeln wollte, dann würden wir ihm eine Tageskarte besorgen.
Eine Stunde später rief Willi erneut an und sagte uns, dass Christian ebenfalls mitfahren würde. Auch gut. „Und wo wollen wir uns treffen?“ fragte Achim ihn. „Wir
würden gerne zum Industriehafen in Minden oder an die Weser fahren“, meinte Willi. Also rief Achim Lutz an und fragte ihn, ob sie auch nach Minden mitkommen würden.
Lutz sagte zu. Freitagmorgen rief Willi erneut an und sagte, dass er erst am Samstagabend zum Angeln fahren könnte, da seine Frau Samstagfrüh das Auto
bräuchte. (Wir wollten nämlich über Nacht bleiben). Freitagmorgen rief Willi nochmals an und sagte zu Achim, dass Christian nun doch nicht zum Angeln fahren würde, da es
ihm gesundheitlich nicht so gut ginge. Er, Willi, wolle am Samstagnachmittag mit Ulla nach Minden fahren. Da wir uns auf Freitagabend eingestellt hatten, fuhren wir um 18 Uhr alleine zum Sennesee, wo kurz nach uns
Lutz und Heidi eintrafen. 
Vor uns waren schon ein paar Angler da, die ebenfalls über Nacht bleiben wollten. Nachdem wir uns einen schönen Platz ausgesucht hatten, wo wir
auch das Zelt aufbauen konnten, bestückten wir unsere Haken mit Maden und Mais und warteten auf die Dinge, die das passieren würden. Aber es tat sich
anfangs nicht viel. Lediglich einen kleinen Barsch und eine winzige Laube ging mir an den Haken. Es war so gegen 22.30 Uhr, als ich zum Auto ging, um
meinen Schlafsack und eine weitere Liege zu holen. Kaum war ich am Wagen angekommen, rief mir Lutz hinterher: „Uschi, komm sofort zurück. Achim hat
einen Fisch dran. Du musst deine Rute aus dem Wasser holen.“ Vollgepackt machte ich mich so schnell es ging auf den Rückweg. Meine Pose war
inzwischen in die Schnur von Achims Rute getrieben und behinderte ihn beim Drillen. „Ich glaube, ich habe einen Karpfen daran“, meinte Achim zu mir. „Bist du sicher?“ fragte ich zurück. „Klar, so wie der zieht, kann es nur ein Karpfen sein.“ Gespannt sahen wir drei Achim beim Drillen zu. Es dauerte
vielleicht 15 Minuten, dann war der Fisch in der Nähe des Ufers und Lutz kescherte ihn. Wahrhaftig! Ein Karpfen! „Was macht ihr jetzt damit?“ fragte
uns Lutz. „Den setze ich wieder rein“, antwortete Achim ihm. Nachdem Achim den Spiegelkarpfen gemessen und gewogen hatte (er wog 3,5 kg und
war 57 cm groß), setzte er ihn vorsichtig wieder in sein Element zurück. Auf diesen wunderschönen Fang stießen wir erst einmal an. Nachdem ich
vergeblich auf einen Biss an meiner Schwingspitz-Rute gewartet hatte (ich hatte sie auf Grund gelegt und den Haken mit 3 Rotwürmern bestückt) holte
ich sie wieder rein und nahm nun einen goldenen 6er Haken den ich 3 Maiskörnern bestückte. Achim sagte zu mir, dass ich ca. 50 m weit rauswerfen sollte, denn dort ständen die Karpfen. Also warf
ich die Rute in die Mitte des Sees, in der Hoffnung, dass sich dort ebenfalls ein Karpfen für meinen Köder interessieren würde.
So gegen 23.30 Uhr fuhren Lutz und Heidi nach Hause. Zuvor sagten sie uns noch, wie interessant und auch aufregend es gewesen sei und das sie sicher wieder einmal mitkommen würden.
Die anderen Angler hatten sich schon schlafen gelegt und auch wir wurden langsam müde. Ich hatte es mir gerade in dem Schlafsack bequem gemacht, als
der elektronische Bissanzeiger losbrüllte. Da Achim sich ebenfalls hingelegt hatte und seine Liege vor meiner stand, dauerte es eine Weile, bis wir beide
wieder unsere Schuhe angezogen hatten und an der Rute waren. Der Fisch hatte schon über 100 m von der Rolle gezogen. Durch das laute Gepiepse des
Bissanzeigers waren nun auch die anderen Angler wach geworden. Gespannt sahen sie zu uns rüber. Es hat mich ganz schön viel Kraft gekostet, den Fisch
zu drillen, aber nach 20 Minuten konnten wir ihn keschern. Als ich den Haken aus dem Maul lösen wollte, schaute ich erstaunt zu Achim hoch. „Ich kann
keinen Haken sehen. Da ist keiner im Maul“, Beim näheren Hinsehen, sah ich dann, dass der kleine Haken seitlich im Fisch steckte. Es grenzte für mich im
nachhinein an ein Wunder, dass ich es geschafft hatte, den Fisch zu landen. Es war ebenfalls ein Spiegelkarpfen von 58 cm und 4 kg. Auch ihn setzten wir
anschließend vorsichtig wieder zurück. Dann endlich konnten wir ein paar Stunden schlafen.
Als ich gegen 6 Uhr wieder wach wurde, hörte ich es rundherum platschen. „Das kann nur ein Hecht sein, der am Rauben ist“,
dachte ich bei mir. „Vielleicht mag er ja den kleinen Barsch zum Frühstück.“ Ich montierte ihn an meine Rute mit der 9g-Pose und
warf sie dorthin, wo ich es immer wieder Platschen hörte und den Hecht vermutete. Doch ich hatte keinen weiteren Erfolg mehr.
Auch an Achims Ruten tat sich nichts weiter, so dass wir gegen 9 Uhr unsere Sachen packten und nach Hause fuhren.
Oerlinghausen, den 25.08.03
Kurzurlaub in Dietfurt-Töging
Als wir unsere Schwedenreise buchten, hätte ich nicht geglaubt, in diesem Jahr Dietfurt wiederzusehen. Der Grund, warum wir
noch einmal hinfuhren, war, weil Achims Eltern Ende April ihre goldene Hochzeit feierten und wir Kinder ihnen eine kleine Reise
schenken wollten. Nach längeren Überlegungen kam uns der Gedanke, mit ihnen gemeinsam ins Altmühltal zu fahren. So planten
wir unsere gemeinsamen „Hochzeitsreisen“ (Achim und ich hatten am 4. Juli geheiratet) für Ende August. Ein Anruf bei Familie Daubner in Töging ergab, dass die Ferienwohnung vom 30. August bis 07. September gerade frei war und wir dort wieder gerne
erwartet würden. Am Samstag, dem 30.08. fuhren Achim und ich schon morgens gegen 5 Uhr los, denn wir wollten am Ort noch für das
Wochenende einkaufen. Unsere Eltern starteten ca. 1 ½ Stunden später. Gegen 10 Uhr waren Achim und ich in Töging
angekommen. Das Ehepaar Daubner begrüßte uns sehr herzlich, so dass wir uns sofort wieder wie zuhause fühlten. Frau Daubner
hatte gerade einen Pflaumenkuchen in den Ofen geschoben und brachte uns später ein paar Stücke davon und dazu noch eine
halbe Himbeertorte mit einem Schälchen Sahne. Sie hatte sich daran erinnert, wie gerne ich Kuchen esse.
Unsere Eltern waren noch nicht in Dietfurt-Töging angekommen und so fuhren wir erst einmal nach Dietfurt um ein paar
Lebensmittel, zwei Kästen Hefebier und unsere Angelkarten zu holen. Auf dem Rückweg zur Wohnung hielten wir an „unseren“
alten Angelstellen an. Alles war noch so, wie wir es in Erinnerung hatten und ich konnte es kaum erwarten, nach so langer Zeit dort wieder einmal zu angeln.
Gegen 13.30 Uhr trafen unsere Eltern ein. Auch sie wurden von der Familie Daubner herzlichst begrüßt. Nachdem die Autos
ausgeladen und die Koffer ausgepackt waren, hielten wir alle erst einmal ein kurzes Mittagsschläfchen. Danach, es war schon später Nachmittag, fuhren wir vier zum Essen ins Gasthaus „Zur Sonne“ in Köttingwörth (kurz vor Beilngries). Das Gasthaus
kannten wir von früheren Besuchen. Es ist ein für seine großen Portionen bekannt und wird nicht nur von den Einheimischen,
sondern auch von vielen Ausflüglern gerne besucht. Gesättigt und glücklich, wieder im Altmühltal zu sein, spürte ich, wie ich immer
unruhiger wurde. Was war das? Sollte sich etwa so früh schon wieder das Angelfieber bei mir bemerkbar machen? Es muss wohl
so gewesen sein, denn plötzlich wollte ich nicht länger in der Gaststätte rumsitzen, sondern zum Fischen. Als ich mich endlich
traute Achim zu fragen, ob wir nicht gleich, wenn wir wieder in der Ferienwohnung wären, zum Angeln fahren könnten, war er von
meiner Idee nicht so begeistert. Das hatte ich schon befürchtet. Ich brummelte ein wenig vor mich hin. Zum Spazierengehen hatte
ich nun absolut keine Lust. Ich wollte ans Wasser. Achim merkte meine Unzufriedenheit und schlug vor, dass wir unseren Eltern
erst einmal unsere bevorzugten Angelstellen in der Gegend zeigen sollten. Angeln, so meinte er, könnte wir in den nächsten Tagen
noch genug. „Aber wir haben doch schon für heute bezahlt. Da wäre es schade, den Tag verfallen zu lassen“, nörgelte ich nun.
„Du kannst ja gerne alleine angeln. Pack eine Rute und ein paar Köder ein, die nehmen wir dann mit ins Auto. Wir setzen dich
dann am Wasser ab und gehen in der Zwischenzeit ein bisschen am Kanal spazieren“, sagte Achim. Und das tat ich dann auch.
Als die drei nach einer Stunde wieder an meiner Angelstelle waren, konnte ich ihnen keinen Fang vorzeigen. Die Fische wollten
immer noch nicht beißen. Achim fuhr unsere Eltern zurück zur Ferienwohnung zurück und kam dann wieder zu mir, angelte aber
selber nicht. Er schaute mir noch ca. eine Stunde zu, doch nachdem ich fast zwei Stunden lang meine „Köder gebadet“ hatte, packte ich meine Sachen etwas enttäuscht wieder zusammen.
Am nächsten Tag (Sonntag) fuhren wir nach Beilngries, wo wir im Historischen Gasthof „Stern“ zu Mittag essen wollten. Es ist das
älteste Wirtshaus in Beilngries und schaut auf eine 500-jährige Gasthaustradition zurück. Anlässlich der 950-Jahrfeier der Stadt
Beilngries und des bevorstehenden Umzuges um 14 Uhr war der Gasthof bis auf den letzten Platz belegt. Im hinteren Zimmer (es
war die Mälzerei) bekamen wir dann aber doch noch einen Platz. Das Essen (die gute bayrische Küche) schmeckte wieder einmal
ausgezeichnet. Gegen 13.30 Uhr stellten wir uns an die Straße, um den Umzug mitzuerleben. Zwischendurch regnete es zwar
immer ein wenig, aber der Umzug hat uns allen trotzdem sehr gut gefallen. Besonders lustig fand ich die Art, wie sich der
Fischereiverein Beilngries präsentierte. Auch die alten Trachten und Fahrzeuge, die vorgeführt wurden, kamen bei allen Besuchern gut an.
Nachdem wir in unserer Ferienwohnung den köstlichen Kuchen, den uns Frau Daubner tags zuvor gebracht hatte, zum Kaffee
gegessen hatten, packten Achim und ich (endlich!) unsere Angelsachen. Wir fuhren an eine unserer begehrten Stellen, nämlich dort
, wo die Altmühl in den Main-Donau-Kanal fließt und ich tags zuvor auch schon gesessen hatte. Zuerst bot ich Maden und
Rotwürmer als Köder an, später wechselte ich sie gegen eingefrorene Köderfische aus. Wie wir es schon wochenlang zuhause
erlebt hatten, interessierten sich auch hier die Fische nicht für unsere Köder! „Morgen holen wir uns frische Köderfische aus dem
Altwasser“, sagte Achim zu mir. „Vielleicht mögen sie die lieber.“ Gegen 21.30 Uhr packten wir unsere Sachen und fuhren heim.
Am Montag besuchten wir zuerst das Kristallmuseum in Riedenburg. Achim und ich hatten es zwar schon bei unseren letzten Besuchen im Altmühltal
besichtigt, aber da es für unsere Eltern neu war, gingen wir noch einmal mit hinein und bestaunten erneut die größte Bergkristallgruppe der Welt. Noch
ganz gefangen von den vielen glitzernden Steinen und der schönen Atmosphäre im Museum fuhren wir anschließend weiter nach Essing. Dort
zeigten wir unseren Eltern die längste Holzbrücke Europas. Bevor wir zurückfuhren bummelten wir noch ein wenig durch den schönen kleinen Ort
mit seinen alten Fachwerkhäusern und engen Straßen. Zuhause angekommen packte ich sofort unsere Angelsachen zusammen, während Achim sich ein leichtes Hefeweizenbier schmecken ließ und mir schmunzelnd zuschaute.
Gegen 17 Uhr fuhren wir erst einmal zum Altwasser um dort ein paar Köderfische zu fangen. Aber auch sie waren nicht so richtig in Beißlaune. Nachdem es uns dann doch gelungen war, ein paar
Lauben und Rotaugen zu fangen, fuhren wir zurück zu der Stelle, wo wir tags zuvor gesessen hatten. Achim hatte an seiner
Grundrute ein paar Rotwürmern angeboten und schaute erwartungsvoll aufs Wasser, als mein Handy klingelte. 
Es war Sabine. Sie rief zurück und bedankte sich für die Glückwünsche zu ihrem Geburtstag, die ich morgens per SMS verschickt hatte. Da beide
(Christian und Sabine) auch angeln, war sie natürlich neugierig, ob wir schon etwas gefangen hätten. Ich verneinte es. In diesem Moment meldete sich das
Glöckchen an Achims Rute. Ich beendete das Gespräch und sagte, enn es etwas Größeres sei, würde ich sie davon unterrichten. Dann schaute ich
gespannt zu Achim rüber. Als er den Fisch gelandet hatte, sah ich, dass es „nur“ um eine Güster handelte. Schade! Wie gerne hätte ich Sabine berichtet,
dass wir einen großen Aal oder einen anderen Raubfisch gefangen hätten. Es verging keine halbe Stunde, da hing an Achims Haken die nächste Güster.
Den ersten Fisch hatten wir behalten, um später daraus Fischfetzen zu schneiden. Die zweite wollten wir nicht und so setzte Achim sie vorsichtig wieder rein.
Da sich an meinen Ruten überhaupt nichts tat, probierte ich es bei Einbruch der Dunkelheit mit je einem Fischfetzen. Doch auch
diesen Köder wollten die Raubfische nicht schlucken. Das es dort im Wasser genügend gab, merkten wir an dem ständigen
Platschen rund um uns herum. „Morgen fahren wir zum Altwasser. Ich möchte – wenn sich sonst nichts tut – wenigstens einen
schönen Drill mit einem dicken Karpfen haben“, sagte Achim zu mir. „Hm, wenn du möchtest, komme ich mit. Aber Karpfen
möchte ich eigentlich nicht fangen. Viel lieber möchte ich mal wieder einen Zander oder auch einen Aal dran haben“, antwortete ich ihm.
Am nächsten Tag (Dienstag) fuhren wir nach Regensburg um uns den Dom und ein wenig von der Stadt anzusehen. Der St. Peters Dom stellt eine bedeutende Leistung der Gotik in
Bayern dar. Besonders eindrucksvoll sind die farbenprächtigen Glasfenster aus dem 13./14. Jahrhundert. Der Kreuzgang, einst Begräbnisstätte Regensburger Bürger und
Domherren, wird vorrangig durch das gotische Kreuzrippengewölbe aus dem 15. Jahrhundert geprägt. Als wir wieder zum Parkplatz gingen, kamen wir an einem Angelladen vorbei. Ich ging
hinein, um mir die Zeitschrift „Fisch & Fang“ zu kaufen. Die Verkäuferin sagte, dass der „Blinker“ und der „Raubfisch“ auch neu wären. „Die habe ich beide abonniert. Aber der
„Raubfisch“ kommt doch erst Ende des Monats“, antwortete ich. „Der „Raubfisch“ ist auch ganz neu“, klärte sie mich auf. „Darf ich mir die Zeitung einmal ansehen. Da sollte von
mir ein Bericht drin stehen“. Und tatsächlich! Mein Bericht, den ich nach unserem Schwedenurlaub als Leserbericht hingeschickt hatte, war veröffentlicht. Die Verkäuferin
staunte nicht schlecht, als sie mein Foto in der Zeitschrift sah. Und ich selber war stolz, dass man meinen Bericht tatsächlich abgedruckt hatte. (Hier der Bericht) Vor lauter
Freude, kaufte ich dann auch noch diese Zeitschrift, obwohl sie zuhause bestimmt schon im Briefkasten lag.
Wieder im Auto sitzend, überlegten wir uns, was wir noch unternehmen könnten. Auf der Straßenkarte sah ich, dass die
„Walhalla“ ganz in der Nähe war. Also fuhren wir nach Donaustauf um sie zu besichtigen. Die „Walhalla“ ist ein großes
Säulengebäude, welche König Ludwig I. als Ruhmeshalle zum Gedenken an berühmte Deutsche erbauen ließ. Von dort oben hatten wir einen wunderschönen Blick ins Donautal.
Wieder in unserer Ferienwohnung angekommen tranken wir schnell eine Tasse Kaffee und zogen uns anschließend zum Angeln
um. Im Stillen hoffte ich, dass es sich Achim doch anders überlegt hatte und wir statt ans Altwasser an den Kanal hinter der
Dietfurter Schleuse fahren würden. Aber er wollte unbedingt seinen Karpfen fangen. Also fuhren wir zum Altwasser, wo Achim
am Tage vorher, als wir die Köderfische holten, schon mit Boilies angefüttert hatte. Links von unserem Angelplatz stellten wir
jeder eine Rute mit einem Boilie am Haarvorfach ganz dicht am Ufer auf. Achim bestückte seine zweite Rute ebenfalls mit einem
Boilie und warf ihm in die Mitte des Wassers. Ich dagegen bot eine kleine Pellkartoffel als Köder an, obwohl ich wusste, dass die Karpfen hier eher auf Boilies beißen.
Als es dunkler und auch etwas kälter wurde, ging Achim zurück zu unserem
Auto, um sich seine Thermosachen anzuziehen. Er war gerade wieder am dem Rückweg zur Angelstelle, als ich durch das Geräusch seines elektrischen
Bissanzeigers aus meinen Träumen wachgerüttelt wurde. Als ich dann auch noch sah, wie die Schnur von der Rolle gezogen wurde, schaute ich, wo Achim blieb. Ich sah, dass er gerade auf dem Rückweg war und schwenkte
wie wild meine Arme. „Komm schnell. Deine Rolle geht!“ rief ich ihm zu. Aber er war noch zu weit weg, um mich zu verstehen. Dann deutete ich ihm
mit den Fingern an, dass er einen Fisch am Haken hatte. Das hatte er verstanden. So schnell er mit den dicken Sachen laufen konnte, rannte er nun
zu seinem Angelplatz. Ich hatte derweil nur angstvoll auf die Rolle geschaut, von der immer mehr Schnur gezogen wurde. Natürlich hätte auch ich den Fisch drillen können, aber es Achims Rute war, rührte ich sie nicht an. Das ist
ein ungeschriebenes Gesetz unter uns. Jeder ist für seine eigene Rute verantwortlich. Endlich war er da und schlug auch sofort an. Nach einigen Minuten hatte er den Karpfen so nahe am Ufer, dass man ihn im Wasser
erkennen konnte. Er wehrte sich zwar heftig, aber schon bald lag der Spiegelkarpfen im Kescher. Mit dem roten Boilie im Maul sah er einfach
drollig aus. Bevor Achim ihn wieder ins Wasser zurück setzte, wollte ich noch ein paar Fotos machen. Achim nahm den Karpfen in seine beiden Hände und
streckte ihn ein wenig vor. Doch er hielt nicht still. Immer wieder drehte er sich in Achims Händen um, so dass ich mich mit dem Fotografieren beeilen
musste. Bevor der Fisch wieder zurückgesetzt wurde, wogen und maßen wir ihn: 63 cm, 5,5 kg. Dann endlich durfte er in sein nasses Element zurück.
Der Drill hatte Achim so viel Spaß gemacht und er wollte gerne, dass auch ich einen schönen Drill hätte. Deshalb meinte er, ich solle doch die Kartoffel (die
mögen die Karpfen hier nicht) gegen einen Boilie auswechseln. Ich holte ich meine „Kartoffelrute“ rein und tat wie er es mir empfohlen hatte. Aber wir bekamen trotzdem keinen weiteren Karpfen an den Haken.
Am nächsten Morgen (Mittwoch) war ich etwas brummelig. Jetzt blieben uns nur noch 3 Tage zum Angeln und es hat sich immer
noch nichts besonderes getan, d.h. ich hatte keinen Raubfisch gefangen. Am liebsten wäre ich gar nicht mit nach Kehlheim gefahren, sondern lieber zum Angeln gegangen. Aber die Sonne schien so schön vom Himmel und wir hatten gleich zu Beginn unserer Reise gesagt, dass wir einen Tag mit dem
Schiff durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg fahren wollten. Und an diesem Morgen bot sich uns die Gelegenheit. Durch die Trockenheit führte auch die
Donau weniger Wasser und die Ausflugsschifffahrt war eingeschränkt worden. Als wir in Kehlheim ankamen, holten wir uns einen Fahrplan um die Abfahrtszeit nach Weltenburg zu
wissen. Wir gingen erst einmal in die Brauerei Schneider und tranken ein Bierchen. Anschließend bummelten wir durch die Stadt und waren dann pünktlich am Anleger unser
Schiff zu bekommen. Meine schlechte Laune hatte sich zwar ein wenig gelegt, aber ganz zufrieden war ich immer noch nicht. Das brachte ich auch zum Ausdruck, als ich sah, dass
das Schiff, welches eigentlich erst in 5 Minuten hätte losfahren sollen, schon abgelegt hatte. An der Kasse fragte ich, warum das Schiff nach Weltenburg schon losgefahren sei. Nach
dem Fahrplan hätte es erst in 5 Minuten losfahren sollen. „Wir haben heute andere Fahrzeiten als im Fahrplan“, bekam ich zur Antwort. „Das kann doch wohl nicht wahr sein
! Wir holen uns extra einen Fahrplan und richten uns danach und dann wird er nicht eingehalten?“, gab ich erbost zur Antwort. „Das können Sie doch nicht machen.“ „Doch.
Haben Sie nicht das Kleingedruckte gelesen. Da steht >Änderungen< vorbehalten“, erwiderte die Dame. „Das macht doch nichts. Dann warten wir hier eben 45 Minuten, bis das nächste Schiff kommt.
Außerdem scheint die Sonne so schön und wir haben genügend Zeit“, versuchte mich Achim zu beruhigen. „Schöne Sch.....“, dachte ich bei mir.
„Diese Zeit würde ich lieber am Wasser verbringen.“ Als dann endlich das Schiff kam und wir uns einen sonnigen Platz auf dem Oberdeck gesucht hatten
, hatte sich meine schlechte Laune ein wenig gelegt. Ich genoss die Fahrt auf der Donau und dann das Essen im Kloster Weltenburg. Und natürlich das dort
gebraute Bier. Anschließend besichtigten wir noch die schöne Klosterkirche (Abteikirche St. Georg). Auf der Heimfahrt sagte ich zu Achim, dass ich heute abend nicht wieder zum
Altwasser wollte, sondern gerne mal hinter der Schleuse in Ottmaring angeln möchte. Dort hatten wir letztes Jahr mehrere Barsche, einen Aal und einen Hecht gefangen. Vielleicht hätten wir ja dieses Mal auch Erfolg.
Es war schon nach 17.30 Uhr als wir dort ankamen. Kein anderer Angler weit und breit. Wir konnten uns also einen guten Platz
aussuchen. Zuerst baute ich wie immer meinen Stuhl auf, dann steckte ich die Rutenhalter zwischen die Steine und machte meine
beiden Ruten fertig. Hier am Kanal wollte ich keine Hänger riskieren und montierte an jede Rute statt Grundblei ein Tiroler
Hölzchen. Die erste Grundrute lag mit einem Bündel Rotwürmer im Wasser und ich war gerade dabei an dem Wirbel der anderen
Rute einen Köderfisch zu hängen, den ich aufgezogen hatte, als das Glöckchen an der ersten Rute wie wild zu bimmeln anfing. Im
selben Moment ging auch schon die Bremse der Freilaufrolle. „Uschi! Deine Bremse geht!“ rief mir Achim zu. „Ja, gleich. Ich will
erst die andere fertig machen“, antwortete ich. Aber als ich sah, wie viel Schnur schon von der Rolle war, legte ich meine zweite
Rute doch zur Seite und schlug an. Der Fisch hatte schon ganz schön viel Schnur genommen und versuchte mal nach links und
dann wieder nach rechts abzuhauen, was ich jedoch verhindern konnte. Als ich ihn am Ufer hatte kam Achim mit dem Kescher
und half mir den Fisch zu landen. Ich freute mich sehr, als ich sah, dass es ein großer Barsch war. Er war 39 cm groß und wog ca.
900 g! So einen großen Barsch hatte ich bisher noch nicht gefangen. Am liebsten hätte ich meine Rute sofort wieder reingeworfen,
aber Achim wollte unbedingt ein paar Fotos von mir und dem Fisch machen. Es dauerte ca. 10 Minuten bis ich die Rute wieder
mit neuen Rotwürmern bestückt aufwerfen konnte, aber die Barsche, die danach anbissen, waren nur zwischen 12 bis 15 cm groß. Die „Brocken“ hatten sich inzwischen verzogen.
Rechts neben Achim hörten wir immer wieder einen Fisch rauben. Letztes Jahr saßen wir an der gleichen Stelle und Achim hatte
dort einen Hecht gefangen. Auch dieses Mal glaubten wir, dass es ein Hecht sei, der dort raubte. Und als der elektronische
Bissanzeiger von Achims Rute einen Biss meldete, freuten wir uns schon beide auf den Raubfisch, der den Köderfisch genommen
hatte. Es gelang Achim, ihn bis ca. 1,5 m ans Ufer zu drillen. Dann schüttelte sich der Fisch (ich habe den Kopf kurz über Wasser
gesehen und bin sicher, dass es ein Zander war) und der Köder löste sich aus seinem Maul. Das war sehr ärgerlich. Endlich hatte
mal ein Fisch gebissen und dann bekam Achim ihn nicht gelandet! Wir angelten noch ca. 2 Stunden, dann wurde es uns doch zu
kalt und wir packten unsere Sachen ein. „Morgen fahren wir wieder hier hin“, sagte ich zu Achim. „Hier beißen sie wenigstens wieder.“
Am nächsten Morgen war ich schon sehr früh wach und wäre am liebsten gleich wieder nach Ottmaring gefahren. Leider musste
ich mich tagsüber gedulden, was mir aber nicht so schwer fiel, denn der schöne Fang vom Vortag hielt meine gute Laune aufrecht und ich freute mich schon auf den nächsten Fang am Abend.
Wir überlegten gemeinsam, was wir unternehmen sollten und entschlossen uns dann nach Riedenburg zu fahren, um das Schloss
Prunn zu besichtigen. Es ist zwar eine verhältnismäßig kleine Anlage, aber sie zählt zu den bekanntesten Burgen Bayerns. Der
älteste Besitzer dieser ehemaligen Burg hieß Wernherus de Prunne und wurde das erste Mal 1037 in den Urkunden genannt. Ein
Jahrhundert später gehörte die Burg den mit den Babonen verwandten Geschlecht von Laaber und Breitenbrunn.
Auf diese Zeit gehen die ältesten erhalten gebliebenen Teile der Burg – vor allem auch der massige 31 Meter hohe Bergfried –
zurück. Im Lauf der Jahrhunderte hat die Burg, die später zum Schloss ausgebaut wurde, mehrere verschiedene Besitzer gehabt.
Von 1338 bis 1567 war sie im Besitz der Ritter von Frauenberg. In der Hinterlassenschaft der Frauenberger fand 1569 der
Humanist Wiguläus Hundt eine Handschrift des Nibelungenliedes. Der sogenannte „Prunner Codex“ wird heute in der Bayerischen
Staatsbibliothek aufgewahrt. Im Schloss selber hängt nur eine Fotokopie. Nach der Burg- bzw. Schlossbesichtigung aßen wir eine Kleinigkeit im nebenan gelegenen Restaurant und traten dann die Rückfahrt an.
Wir waren ca. eine Stunde früher als sonst zurück und packten auch sofort unsere Angelsachen um bei herrlichstem Sonnenschein
wenigstens noch ein paar Barsche fangen zu können. Doch heute ließen sich die Großen einfach nicht blicken bzw. an den Köder locken. Lediglich die kleineren Barsche waren gefräßig wie immer.
Achim und ich wunderten uns, dass wir den Fischereiaufseher des ansässigen Angelvereins noch nicht getroffen hatten. Letztes
Jahr hatte er uns sogar gesucht, als er unser Auto einmal am Kanal parken sah. „Vielleicht ist er inzwischen ja gestorben“, sagte
Achim. „Das glaube ich nicht. Wir haben uns sicher nur immer verpasst“, antwortete ich ihm.
Gegen Abend kamen ein einheimischer Angler auf uns zu. Er hatte aber keine Angelsachen dabei. Wir kamen ins Gespräch und
erzählten ihm u.a., dass wir jetzt schon das 3. Jahr hier wären und den früheren Fischereiaufseher vermissen würden. Daraufhin
sagte er uns, dass dieser tatsächlich gestorben war. Er sei vor ca. 2 Monaten beim Rasenmähen tot umgefallen sei. Das
bedauerten wir sehr, denn wir hatten uns schon auf ein Wiedersehen gefreut. Etwas betrübt saßen wir noch ca. 1 Stunde am Wasser. Da sich weiter nichts tat, packten wir unsere Sachen und fuhren heim.
Für Freitagabend hatte uns die Familie Daubner um 17.30 Uhr zum Grillen
eingeladen. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Kipfenberg und suchten das alte Römerkastell. Als wir es endlich fanden, waren wir etwas enttäuscht. Auf
dem Platz, wo das Kastell einmal gestanden hatte, war eine kleine Kirche gebaut worden. Ansonsten gab es nichts mehr zu sehen. Keine Mauern oder sonstige Reste weit und breit.
Wir drehten um und fuhren wieder in die Ortsmitte von Kipfenberg. Im Gasthof „Zur Post“ aßen wir zu Mittag. Da wir an diesem Abend (leider!)
nicht zum Angeln gehen konnten und uns noch genügend Zeit bis zum Grillen blieb, fuhren wir noch zum „Mittelpunkt Bayerns“, der ganz in der Nähe lag. Dann ging es zurück nach Töging.
Familie Daubner hatte sich wieder einmal große Mühe gemacht. Das Fleisch, die Salate, das Bier – und vor allem der selbstgemachte Himbeerschnaps - , alles schmeckte wunderbar. Als es dunkel und somit
auch kälter wurde, zündete Anton noch ein „Lagerfeuer“ an. Es sah nicht nur schön aus, sondern gab auch eine angenehme Wärme ab. Es gefiel uns so gut, dass wir bis 22.30 Uhr zusammensaßen.
Am Samstag, unserem letzten Ferientag, wollte ich mir nicht mehr die Gegend anschauen (das meiste kannten wir ja auch schon),
sondern noch einmal zum Angeln. Dazu mussten wir uns noch jeder eine Tageskarte kaufen. Bei sengender Sonne setzten wir uns
an die Altmühl. Achim war nicht so gut drauf, denn er hätte lieber entweder am Altwasser auf Karpfen gefischt oder wäre nach
Riedenburg zum „Tag der offenen Schleusentür“ gefahren, wie er mir später sagte. Aber er ging mit, um mir diesen Wunsch zu erfüllen.
Mir selber ging es an diesem Morgen mir nicht so gut. Ich hatte ständig mit Kreislaufstörungen zu kämpfen und als sich nach 3
Stunden an den Ruten immer noch nichts getan hatte (ich gebe die Hoffnung ja selten auf und erinnerte Achim daran, dass ich hier
letztes Jahr mittags um 2 Uhr einen Zander gefangen hatte), packten wir unsere Angelsachen endgültig ein. Adieu schönes Altmühltal. Bis zum – vielleicht – nächsten Jahr.
Oerlinghausen, den 16.09.2003
Arbeitseinsatz und Abangeln am Südstadtteich
Der Wettergott hatte es eigentlich viel zu gut mit uns gemeint, denn am Samstag, dem 20. September, der Tag, an dem unsere
Gemeinschaftsarbeit des ASV-Dalbke angesagt war, kletterte die Temperatur noch einmal auf fast 30 Grad. Gut, bei Kälte und
strömendem Regen hätte es auch keinen Spaß gemacht, aber an einem so schönen sonnige Tag arbeiten zu müssen, gefiel uns
auch nicht besonders. Das mussten wohl auch einige andere Vereinsmitglieder gedacht haben. Jedenfalls hatte ich gehofft, dass mehr Leute gekommen wären.
Der Vereinsvorsitzende hatte uns in nach dem Alphabet in drei Gruppen eingeteilt: die erste sollte von 8 bis 11 Uhr, die zweite von
11 bis 14 Uhr und die dritte von 14 bis 17 Uhr da sein. Für das Entkrauten des Teiches war der Wasserstand einige Tage vorher
um ca. 50 cm gesenkt worden. Wir wurden gebeten Kübel, Haken, Heckenscheren etc. mitzubringen und wer eine Wathose besaß, sollte sie ebenfalls mitbringen.
Achim und ich gehörten der zweiten Gruppe an, so dass wir noch in aller Ruhe frühstücken konnten. Trotzdem waren wir schon
eine halbe Stunde früher da und blieben dann auch fast bis zuletzt. Eine Woche vor dem Termin hatte sich Achim von Christian
eine Wathose ausgeliehen. Christian besaß sie seit 3 Jahren, hatte sie aber niemals getragen. Heute sollte sie beweisen, ob sie
„dicht hielt“. Da beide Männer die gleiche Schuhgröße haben, passte sie Achim wie angegossen. Am Teich angekommen zog er
sich auch gleich um und stieg sofort damit ins Wasser. Wie gerne hätte ich mitgeholfen, aber das ging leider nicht. Zwei Tage
vorher bekam ich einen Hexenschuss. Trotz zweier Spritzen, die mir der Arzt am Donnerstag gab und diverser Tabletten, hatte
ich nach wie vor große Schmerzen. Trotzdem zog ich meine Gummistiefel an und half zeitweise mit, wenigstens am Rand das
abgestorbene, vor sich hintreibende Kraut einzusammeln. Aber meinem Rücken tat das gar nicht so gut.
Zwei Boote waren auch mitgebracht worden. In einem saßen zwei Jungangler. Sie paddelten mit einem der Boote auf den Teich
hinaus und brachten einen 3m breiten Rechen ins Wasser, den die am Ufer stehenden Männer mit vereinten Kräften durch den
schlammigen Untergrund wieder ans Ufer zogen. Selbstverständlich sammelten sie dabei nicht nur das Kraut ein, sondern brachten
u.a. ein versenktes Fahrrad, eine weggeworfene Geldkassette (vielleicht von einem Raubüberfall?), einen Ohrenschutz, den ein
Schütze wohl am oder im Wasser verloren hatte, zwei größere Blechkisten und viele Flaschen und Dosen ans Ufer. Ein toter Aal von fast einem Meter war auch dabei.
Den ganzen Teich haben wir leider nicht freibekommen, dazu hätten mehr Leute in Wathosen hineinsteigen müssen. Aber man
sieht jetzt wenigstens einen kleinen Erfolg. Wie ich gehört habe, soll diese Aktion nächstes Jahr im Mai und im September
wiederholt werden. Vielleicht kann ich dann auch etwas mithelfen, was mir ja dieses Mal wegen meines Hexenschusses nicht möglich war.
Dieser Arbeitseinsatz hatte natürlich auch einen Vorteil für uns. Denn dadurch, dass Achim bis in die Mitte des Sees gewatet war,
wusste er nun, wo sich einige „Löcher“ im Untergrund befanden (dort stehen vermutlich die großen Fische) und das sich dort auch
Aale aufhalten. Einer flüchtete noch gerade unter Achims Stiefel her, bevor er ihn plattgemacht hätte.
Am Sonntag darauf war es zwar viel kälter (tagsüber waren es höchstens 17 Grad), aber es war wenigstens trocken. In der
Woche hatte es ab und zu geregnet und auch für den Sonntag war nicht so gutes Wetter angesagt worden. Allen Prognosen zum Trotz schien dann aber im Laufe des Vormittags sogar ab und zu die Sonne.
Ich hatte den Eindruck, dass zum Abangeln mehr Leute gekommen waren, als zum Anangeln. Nun, so langsam neigte sich ja auch
die Angelsaison dem Ende zu. Nur noch 3 Monate blieben uns, um auf Raubfisch zu angeln, dann begann an fast allen unseren Gewässern wieder die lange Schonzeit. Daran mochte ich jetzt aber noch nicht denken.
Wie immer wurden die Angelplätze per Los verteilt – aber dieses Mal hatten wir Glück: Wir bekamen einen Platz nebeneinander
und dieser auch viel besser als beim Königsangeln, d.h. es waren neben uns keine Bäume, so dass ich gut auswerfen konnte.
Der Südstadtteich hatte wieder seinen „Normalstand“ erreicht und machte einen relativ „sauberen“ Eindruck. Auf der Oberfläche war jedenfalls kaum noch Kraut vorhanden.
Als es um 8 Uhr hieß, dass wir anfangen könnten, lagen schon einige Ruten im Wasser. Unser Jugendwart Arno saß uns
gegenüber auf der anderen Seite des Teiches und wir konnten beobachten, wie er einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser
zog. Spaßeshalber sagte ich zu Achim, dass er bestimmt gewusst hätte, welchen Platz er ziehen würde und dort schon ein paar
Tage vorher angefüttert hatte. Natürlich stimmt das nicht, dafür glaube ich Arno schon recht gut zu kennen. Aber immerhin holte er
an diesem Tag die meisten Fische raus und belegte somit den ersten Platz. Die anderen lästerten, als er sich als Preis einen
Setzkescher aussuchte, dass er bald einen Angelladen aufmachen würde, denn das wäre heute sein 40. Kescher. Ich gehe eher davon aus, dass er seinen Preis jedesmal wieder zur Verfügung stellt.
Achim und ich fingen lediglich 3 bzw. 4 Rotaugen zwischen 18 und 20 cm. Also nichts Überwältigendes. Neben mir saßen 2
Jungangler, die auch nur ein paar Rotaugen fingen. Der größte Fang an diesem Tag war eine Brasse. Eine Schleie oder einen
Karpfen bekam keiner von uns an den Haken. Vielleicht waren die Fische vom Arbeitseinsatz noch etwas irritiert und hielten sich
hinter der Rinne auf, wo wir das Kraut nicht rausholen konnten. Natürlich hätte ich auch gerne mal einen der Plätze belegt, aber
das war eigentlich nebensächlich. Der gute Zusammenhalt der Vereinsmitglieder und die Geselligkeit sind es, die uns so gut gefallen.
In 14 Tagen, genauer am 11.10. um 7.00 Uhr, findet das Abangeln vom Fischereiverein Minden am Gevattersee II statt. Dafür
werden in der Woche davor wieder Forellen eingesetzt. Hoffentlich fangen wir dieses Mal ein paar. Beim Anangeln tat sich ja
absolut nichts (s. meine Berichte). Aber so erging es uns ja im letzten Jahr auch. Beim Anangeln nichts – beim Abangeln viele Fische.
Oerlinghausen, den 30.09.2003
Ein unfreiwilliges Bad im Gevattersee
Abangeln bedeutet für mich, dass die Angelsaison auf Raubfische schon bald wieder zu Ende geht und die lange Schonzeit beginnt
. Andererseits heißt Abangeln am Gevattersee, dass zum zweiten Mal in diesem Jahr Forellen eingesetzt wurden und alle ganz heiß
darauf sind, möglichst gleich am ersten Tag so viele wie möglich zu fangen. Erlaubt sind zwar pro Angler nur 4 Stück, aber
manche kriegen den Hals nicht voll, d.h. sie wechseln, nachdem sie ihre 4 gefangen haben, ihren Angelplatz und fangen erneut an.
So erzählte es uns auch an diesem Samstag ein Fischereiaufseher, der an unserem Angelplatz gegen 11 Uhr vorbei kam. Achim
und ich waren gegen 6.15 Uhr am Gevattersee, um noch einen einigermaßen guten Platz zu finden. Pünktlich um 7 Uhr warfen ca. 50 Angler ihre Köder ins Wasser.
Vom Wetter her gab es nichts zu beanstanden: es war trocken, relativ „warm“ (ca. 8 Grad) und es wehte ein leichter Wind. Zu
Beginn warf ich eine Rute mit einer vorbebleiten Pose aus. Am Haken befestigte ich 2 Mehlwürmer und eine künstliche, rote
Made. Einen Tag vorher waren wir im Anglertreff, um uns Maden zu holen. Am Tresen standen verschiedene Gläser mit
künstlichen Würmern und auch Maden. Dirk, der Besitzer vom Anglertreff, meinte, dass die roten Maden ein superfängiger Köder
seien. Ob es an der Farbe oder am Geruch läge, könne er nicht sagen, aber die Forellen würden darauf positiv reagieren. Trotz
des relativ hohen Preises (das Glas kostete ca. 6 €), nahmen wir eines mit. Scherzhaft meinte ich zu Dirk: „Wenn die Forellen
darauf nicht beißen, bringe ich es dir wieder und verlange mein Geld zurück.“ „Wetten nicht. Die beißen wie verrückt darauf“, war seine Antwort.
Die zweite Rute legte ich auf Grund. Als Köder hatte ich ebenfalls 2 Mehlwürmer und eine künstliche rote Made gewählt.
Achim, der rechts neben mir saß, hatte ebenfalls eine Posenmontage im Wasser und da der Wind von rechts blies, trieb sie immer
wieder zu mir herüber. Alle 3 bis 5 Minuten mussten wir unsere Posen wieder reinholen und erneut auswerfen. Rechts von Achim
saßen zwei andere Angler. Auch bei ihnen tat sich die ersten 2 Stunden nichts. Plötzlich sagte Achim zu mir, dass einer der Beiden
gerade eine Forelle gefangen hätte. „Wie denn? Mit Pose oder auf Grund?“, fragte ich ihn. „Mit einer Wasserkugel. Warum
machst du denn nicht auch eine dran. Du hast doch eine in deiner Angelkiste“, fragte mich Achim. „Och, dann muss ich ja wieder
umbauen. Dazu habe ich keine Lust. Außerdem tut sich hier sowieso nichts“, war meine Antwort. „Du hast doch noch eine andere
Rute mit. Mach sie dir in Ruhe fertig und probier es mal mit einer Wasserkugel“, meinte Achim. Nun, ja, probiere könnte ich es ja,
überlegte ich. Ich holte meine dritte Rute aus der Rutentasche und suchte in der Angelkiste nach einer Wasserkugel. Ich entschied
mich für die kleine gelbe. Als die Montage fertig war, fehlte nur noch ein wenig Wasser in der Kugel. An der Stelle, wo ich saß,
war eine Kante von ca. 30 cm und ich überlegte, wie ich an das Wasser kommen könnte. Bücken ging nicht, also setzte ich einen
Fuß (ich hatte meine dicken Thermostiefel an) ins Wasser. Kaum berührte dieser den Boden, da zog es mich nach unten. Ich
wollte meinen Fuß heben, aber der Stiefel versackte immer tiefer im schlammigen Grund. Und plötzlich fiel ich seitlich ins Wasser.
„Achim, hilf mir! Ich versinke!“, rief ich in Panik. „Ja, gleich“. „Nein, sofort! Ich versacke hier!“, brüllte ich rüber. Es kam mir vor
wie eine Ewigkeit, bis Achim endlich bei mir war und mir aus dem Wasser half. „Was machst du denn da im Wasser?“, fragte er
mich. „Baden bestimmt nicht! Ich wollte die Wasserkugel mit Wasser füllen. Dazu musste ich ins Wasser steigen“, antwortete ich
wütend. Bei meinem Sturz ins Wasser hatte ich mit dem linken Stiefel den Rutenständer ganz schön verbogen. Aber dadurch blieb
dieser am Rutenständer hängen und der Stiefel wurde nicht auch noch nass. Aber meine Thermohose und -jacke waren
klitschenass geworden und ich musste sie ausziehen, um mich nicht zu erkälten. Intuitiv muss ich diesen Badeunfall wohl geahnt
haben, denn ich hatte zusätzlich zu den Thermosachen noch meine Regenhose und –jacke mit eingepackt: Außerdem hatte ich noch ein drittes Paar dicke Socken in meinen Rucksack gesteckt.
Während wir auf einen Biss warteten setzte sich eine wunderschöne Libelle auf Achims Thermostiefel
Ich ging also zum Auto und zog die nassen Sachen aus. Dabei musste ich feststellen, dass mein rechter Stiefel voll Wasser gelaufen
war. Und auch die Jogginghose, die ich unter der Thermohose trug, war bis zum Knie nass geworden. Eine schöne Bescherung!
Über die nasse Jogginghose zog ich nun die Regenhose. Den nassen Stiefel musste ich leider wieder anziehen, aber mit den zwei
dicken Socken, die ich übereinander zog, ging es einigermaßen. Gottseidank war die Thermoweste, die ich unter der Jacke
getragen hatte, trocken geblieben. Lediglich der rechte Ärmel meines Sweatshirts war dreckig und nass geworden. Aber unter der
Regenjacke konnte es trocknen. Eine Viertelstunde später schien auch die Sonne und es wurde richtig warm.
Der Fischereiaufseher, der gegen 11 Uhr bei uns vorbei schaute, riet uns den Angelplatz zu wechseln: „Gegenüber von euch
fangen sie wie verrückt. Gestern abend sind dort die Forellen eingesetzt worden. Ich hatte nach einer halben Stunde meine 4 und
musste mit dem Angeln aufhören. Geht doch da hin. Hier tut sich doch nichts. Es ist schade, wenn ihr hier so lange vergeblich
rumsitzt.“ Ich schaute Achim fragend an, aber er hatte keine Lust, die ganzen Sachen wieder einzupacken, ins Auto zu laden, um
den See zu fahren und dann erneut wieder alles aufzubauen. „Nächstes Wochenende, nach der Gemeinschaftsarbeit am
Vereinssee, fahren wir wieder hier hin und dann gehen wir an die andere Stelle“, meinte er zu mir. „Das ist eine gute Idee. So richtige Lust, alles wieder ein- und auszupacken habe ich auch nicht“, antwortete ich. Inzwischen sahen wir auch ein paar Forellen springen. Vielleicht waren ja jetzt
welche in unsere Richtung geschwommen. Aber es tat sich weiter nichts. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass wir gegen 10 Uhr wieder zu Hause wären
und ich mich noch einmal ins Bett legen könnte. Schließlich waren wir schon um 4.15 Uhr aufgestanden, um früh genug hier zu sein. Und da sich absolut nichts tat, machte
sich bei mir auch die Müdigkeit bemerkbar. Außerdem war ich sauer, dass die Angler uns gegenüber so gut fingen und wir immer noch ohne Fisch da saßen. Vor
lauter Frust fing ich ein Selbstgespräch mit Petrus an: „He, du Patron der Fischer. Das finde ich aber ungerecht! Die anderen fangen laufend und wir hier nichts. Schick
mal welche über den See und lass uns wenigstens eine (!) fangen.“ Das muss er wohl gehört haben. Ich hatte gerade für einen Moment meine Augen zu
gemacht und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen, als Achim rief: „Ich habe eine dran!“. Sofort war ich hellwach und ging zu ihm rüber, holte die digitale Kamera aus
seinem Rucksack und machte ein paar Bilder. „Ich habe den Köder an der Wasserkugel wahrscheinlich der Forelle direkt vors Maul geworfen“, meinte Achim.
„Und was für einen Köder hast du genommen? Mehlwürmer?“, fragte ich zurück. „Nein. Maden.“ Hm, sollte ich vielleicht auch mal probieren. Auf Mehlwürmer scheinen sie dieses Mal nicht zu stehen. Ich
freute mich unheimlich für Achim, als er die Forelle kescherte. Sie war zwar nur 32 cm groß und wog 390 g (wie wir später zuhause feststellten), aber
immerhin hatten wir endlich einen Fisch gefangen und blieben keine Schneider. Nachdem die Fotos gemacht waren, holte ich meine Wasserkugel wieder rein
und bestückte den Haken ebenfalls mit Maden. Außerdem tat ich eine künstliche rote dran. Der Wind hatte inzwischen nachgelassen und die Wasserkugeln trieben nicht mehr so schnell ab. Ich hatte die Grundrute schon
vor einiger Zeit reingeholt und nur mit der Wasserkugel geangelt. Etwas müde, aber doch konzentriert schaute ich zu meiner Wasserkugel. Inzwischen war
eine Stunde vergangen, seit Achim seine Forelle gefangen hatte und ich fing ein neues Gespräch mit Petrus an: „Hör mal, das war ja nett von dir, dass Achim eine Forelle fangen konnte. Aber wenn das alles war, dann bist du für mich längstens der Schutzpatron der Angler gewesen. Dann grüße ich in
Zukunft nicht mehr mit >Petri<, sondern sage nur noch >Guten Fang<!“ Ich hatte kaum mein Selbstgespräch beendet, als meine Wasserkugel ein kleines
bisschen abtauchte, aber sofort wieder oben war. Vielleicht habe ich mich ja verguckt, dachte ich. Aber nein! Sie tauchte schon wieder ab und kam erneut
hoch. Dieses Spiel wiederholte sich drei Mal, dann schlug ich an. Tatsächlich! Es war nicht zu glauben: Ich hatte eine am Haken! Auch diese Forelle war
nicht besonders groß (35 cm, 460 g), aber ich freute mich sehr über diesen Fang. Nun wollte ich noch nicht nach Hause, sondern noch weitere fangen.
Doch als sich wieder nichts tat, packten wir um 15 Uhr unsere Sachen und fuhren nach Hause. Zwei Forellen in fast 9 Stunden zu fangen, ist bestimmt kein Erfolg. Aber immerhin besser als gar nichts.
Abends bereitete dann Achim die Forellen für uns zu. Achim stellte den Teller mit der größeren vor mich hin, aber ich tauschte die
Teller. Er schaute mich groß an. „Ist schon okay so. Du isst meine und ich deine. Dann können wir uns gegenseitig fragen >Na, wie schmeckt dir meine Forelle?<“
Das taten wir dann nach einigen Bissen auch und die Antwort war: „Einfach lecker!!!“
Oerlinghausen, den 13.10.2003
Ein bisher schlechtes Angeljahr!
Wenn ich so auf das Jahr zurückblicke, dann war es, was unser Hobby betrifft, sehr enttäuschend für uns. So wenige Fische,
haben wir schon lange nicht mehr gefangen. Auch in Schweden lief es nicht so gut, wie es uns unser Vermieter Ulli vorher
prophezeit hatte: täglich mindestens 6 Hechte. Ganze 14 gingen uns in fast 18 Tagen an den Haken! Auch beim An- und Abangeln am Gevattersee II (April und Oktober) fingen wir nur eine einzige Forelle.
 Im Frühjahr, als wir an die Weser
zum Barbenfangen fahren wollten, war sie mal wieder übergelaufen, sprich: es war Hochwasser. Und im Sommer, als es brütend heiß war, „trocknete“ sie fast aus. Außerdem hörte man von allen Seiten, dass die
Fische ebenfalls unter der Hitze leiden und nicht beißen würden.. Also sind wir erst gar nicht hingefahren. Einige gute Fänge machten wir am
Südstadtteich, aber auch dort ging nichts mehr, als sich die Hitze und damit das Kraut breit machte. Lediglich der Sennesee blieb fast krautfrei. Und dort fuhren wir auch nach
Feierabend oder am Wochenende hin, um Schleien oder Karpfen zu fangen, was uns ab und zu auch glückte. Aber wenn wir dort ankamen, mussten wir erst einmal die vielen
Badegäste fortschicken, die allesamt Analphabeten waren – jedenfalls konnte keiner die Schilder mit dem Badeverbot lesen.
Auch auf unserer Hochzeitsreise im Altmühltal gingen wir abends angeln und kamen (bis auf den Fang von einem 900g-Barsch und einem Spiegelkarpfen von 5,5 kg) enttäuscht zurück.
Nachdem wir am Samstagnachmittag, dem 1. Nov., vergeblich am Sennesee gefischt hatten (Achim wollte mit Blinker einen
Hecht fangen – ich versuchte es mit Maden und Würmern auf Barsche oder Schleien), fuhren wir am Sonntag, dem 2. Nov.,
gegen Mittag an den Mittellandkanal. Wir hatten uns vor einigen Tagen neue Ruten zugelegt (Achim 2 Spinnruten von je 3 m; ich
eine Matchrute von 3,9 m und eine Feederrute von 3,6 m), die wir unbedingt ausprobieren wollten. Die Sonne schien vom
Himmel, aber es blies ein sehr kräftiger und kalter Wind. Trotzdem montierte ich an meine neue Matchrute – die sich übrigens
wunderbar auswerfen lässt – eine kleine Pose. Bei dem Wind auf dem Wasser schaukelte sie jedoch wie ein alter Kahn und es
war manchmal schwer zu sehen, wo sie sich gerade befand. Aber ich war mir an diesem Tage sehr sicher, dass ich – wenn schon
nicht einen Zander – wenigstens ein paar Barsche fangen würde. Während ich vergeblich auf das Abtauchen meiner Pose wartete,
ging Achim mit seiner neuen Spinnrute am Kanalufer auf und ab und probierte verschiedene Kunstköder aus: Blinker, Spinner, Wobbler, Gummifische. Doch auch bei ihm tat sich absolut nichts.
Gegen 16.30 Uhr –meine Augen taten mir schon weh vom ewigen Starren auf meine Pose – packten wir wieder ein. So ein Mist!
Ich hatte mich schon so sehr auf ein schönes Zander- oder Barschfilet gefreut. Daraus wurde also wieder nichts.
Auf der Heimfahrt beschlossen Achim und ich, dass wir dann eben auf einen tiefgefrorenen Hecht zurückgreifen würden. Diesen
hatten wir schon am Vorabend zum Auftauen rausgenommen – man kann ja nie wissen! Und so war es ja auch gekommen = ein Angeltag ohne Fang.
Achim ist ein hervorragender Koch und überrascht mich immer wieder mit neuen Gerichten. Den Hecht hat er als „Pflückhecht mit
Kapernsoße“ zubereitet. Ich kann gar nicht sagen, welche der vielen Fischgerichte mir bisher am besten gemundet haben. Sie sind jedes Mal einfach köstlich.
Wer Interesse hat dieses Gericht nachzukochen, findet am Ende des Berichts das Rezept.
Im Frühjahr hatten wir uns einmal die Angelstelle am Kraftwerk in Möllbergen angesehen und wir entschlossen uns kurzerhand am
Donnerstag und Freitag (6. und 7. Nov.) Urlaub zu nehmen und es einmal dort zu probieren. Unser Angelfreund Willi hatte ebenfalls Urlaub und wir starteten zusammen gegen 12 Uhr Richtung Möllbergen.
Wieder saßen am gegenüberliegenden Ufer viele Angler, aber wir wollten ja sowieso auf die Spitze, d.h. zu der Stelle, wo der
Kraftwerkzufluß in die Weser mündet. Gottseidank war der Platz auch noch nicht besetzt, als wir ankamen. Vom Parkplatz bis
zur Angelstelle sind es gut 500 m. Da wir über Nacht bleiben wollten, hatten wir auch außer den Angelsachen unsere Thermobekleidung, das Zelt und die Kühltruhe mitgenommen, welches wir nun alles dort
hinschleppen mussten und waren ganz schön geschafft, bis endlich alles dort war. Willi setzte sich Richtung Weser, Achim Richtung Kanal und ich saß zwischen meinen beiden
Männern und warf meine beiden Ruten (eine auf Grund, die andere mit Pose) mal Richtung Warmwassereinlauf oder auch an die Stelle, wo es in die Weser floß, aus. Soviel kann ich
schon sagen: außer einem kleinen Barsch, der sich den Madenköder packte, als ich die Posenmontage wieder einholen wollte, fing ich nichts. Die Weser hatte eine
Wassertemperatur von ca. 10 Grad, aber an der Stelle, wo Achim angelte, waren es 20 Grad. Dort tummelten sich viele Fische und Achim hatte auch mehrmals das Glück einen zu
fangen. Zuerst waren es ebenfalls die kleinen Barsche und Kaulbarsche, doch gegen 17.30 Uhr zappelte eine kleine Barbe (ca. 35 cm) am Haken. Da sie untermäßig war, setzte
Achim sie wieder rein. Willi war, genau wie ich, schon etwas geknickt, dass sich bei ihm nichts tat. Als er seinen Köder überprüfen wollte, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen:
ein „Schnürsenkel“ hing am Haken! Mit „Schnürsenkel“ meine ich einen kleinen Aal von ca. 30 cm Länge. Auch er wurde wieder reingesetzt. Als die Dunkelheit hereinbrach wurde es auch kälter. Tagsüber hatten wir an die 10 Grad gehabt, aber gegen
Mitternacht waren es gerade noch 2 Grad. Ich fror erbärmlich und knurrte, dass ich nach Hause wollte. Doch Achim meinte, wir sollten bis zum Morgen
warten. Bisher hatte er „seine“ Zander immer erst nach Mitternacht gefangen und so hoffte er, dass es auch dieses Mal so sein würde. Gegen 0.30 Uhr
hatte er erneut eine Meldung. Die Spitze seiner Rute bog sich und wir konnten daran erkennen, dass es sich um einen kräftigen Fisch handeln musste.
Gespannt standen Willi und ich um Achim herum und sahen ihm beim Drillen zu. Kurz vor dem Ufer erkannte ich, dass es sich um einen Aal handelte, den
Achim am Haken hatte. Er war 70 cm groß und wog 500 g. Diesen setzte Achim nicht wieder rein. Vielleicht würde es ja jetzt doch besser werden mit
dem Fangen, dachte ich. Aber als sich bis 2.30 Uhr nichts weiter tat, überredete ich Achim zum Nachhausefahren. Es gefiel ihm
zwar nicht, aber da er sah, wie sehr ich fror, stimmte er zu und wir packten unsere Sachen. Nun hieß es wieder alles zum Parkplatz zu schleppen. Insgesamt sind wir dreimal gegangen, bis alles im Auto verstaut war.
Wir waren gerade 10 Minuten gefahren, als ein dicker Dachs die Straße überquerte. Sofort hielt ich an und wir beobachteten ihn,
bis er ein paar Meter weiter am Straßenrand in einem Loch verschwand. Ich wollte gerade wieder losfahren, als ein Reh auf die
Straße trat, stehen blieb und uns mit großen Augen ansah. Kurz darauf verschwand es im Wald und wir konnten endlich
weiterfahren. Auf der Heimfahrt hatte ich mir vorgenommen, die nächsten Wochen nicht mehr zum Angeln zu gehen. Aber schon
gestern, am Sonntagmorgen, packte es mich wieder – dieses Angelfieber. Da die Sonne wieder vom Himmel schien und auch kein
Wind ging, beschlossen Achim und ich noch einmal zum Kanal nach Minden zu fahren. Wir hätten lieber im Industriehafen
geangelt, aber der ist wegen Besatzes noch bis nächsten Samstag (15.11.) gesperrt. In den 3 Stunden, die wir am Kanal
zubrachten, hatten wir wieder keinen Biss zu verzeichnen. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf. Vielleicht klappt es ja beim
nächsten Angeln. Wo das sein wird, weiß ich heute noch nicht. Vielleicht doch wieder in Möllbergen? Aber dann wird nicht so viel Gepäck mitgenommen – und höchstens bis 1 Uhr geangelt!!!
Rezept:
Pflückhecht in Kapernsoße
Zutaten
Für den Sud benötigt man: 2 Zwiebeln den Saft und die Schale einer halben Zitrone 1 Prise Salz 1 Lorbeerblatt 3 Eßlöffel Weißweinessig 2 l Wasser
Für die Soße benötigt man: 1 Zwiebel 30 g Butter 1/8 l trockenen Weißwein 1 Becher (250 g) Schmand 1 Becher (250 g) süße Sahne Salz Pfeffer den Saft einer halben Zitrone
60 g Kapern ca. 600 g Hechtfilet
Zubereitung Für den Sud werden die Zwiebeln halbiert und mit Zitronensaft und –schale, dem Lorbeerblatt und dem Essig in einem Liter
Wasser aufgekocht. Den Sud 30 Minuten ziehen lassen und dann durch ein Sieb geben.
Für die Soße wird die Zwiebel in Würfel geschnitten, dann die Butter erhitzt und die Zwiebelwürfel darin glasig gedünstet. Mit
dem Wein und 1/8 l Sud ablöschen, dann den Schmand und die Sahne hinzugeben. Nun wird die Soße bei milder Wärmezufuhr
für 10 Minuten reduziert. Anschließend gibt man den Zitronensaft hinzu und schmeckt mit Salz und Pfeffer ab. Zum Schluss werden die Kapern untergerührt.
Das Hechtfilet im Sud für ca. 7 Minuten garziehen lassen. Anschließend herausnehmen und in mundgerechte Stücke zerpflücken, die restlichen Gräten entfernen und mit der Soße übergießen.
Dazu schmecken Salzkartoffeln und Blattsalat.
Oerlinghausen, den 10.11.2003
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